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Bassist Davey Rimmer im TV-Gespräch
Ein Kindheitstraum und harte Arbeit - Uriah Heep in Trier

FOTO: RICHARD STOW / RICHARD STOW;RICHARD STOW
Trier. Bassist Davey Rimmer hat als Kind die Klassiker der Hardrock-Legenden Uriah Heep geliebt – inzwischen spielt er selbst bei der britischen Band. Vor dem Auftritt am 3. November in Trier spricht er über das neue Album, alte Helden und „Lady in Black“.
Andreas Feichtner

Den Traum zu leben? Das klingt gefährlich nach einem Wand-Tattoo aus der Hölle. Nach: so oft gelesen, so totgeträumt. Aber manchmal, ganz selten, ist das nicht als plumpe Aufforderung zu sehen, sondern als Zustandsbeschreibung.

Wie bei Bassist Davey Rimmer, wenn er vom neuen Uriah-Heep-Album „Living the Dream“ schwärmt. Etwa von den Aufnahmen in einer umgebauten Kapelle im englischen Nirgendwo. Keine Nachbarn, kein Pub weit und breit. Es sei fast eine Zeitreise in die 70er gewesen. In seine Kindheit, sozusagen. „Ich spiele ja in einer Band, die ich damals schon in meinem Kinderzimmer gehört habe“, sagt er im Telefonat mit dem TV. Songs wie „Easy Livin‘“ dröhnten damals aus seinen Boxen. „Das war definitiv der erste Heep-Song, den ich rauf und runter gehört habe.“ Der Rock und Hardrock der 70er hatte Rimmer in seiner Heimatstadt Liverpool früh fest im Griff: Queen, Rainbow, Deep Purple, aber auch Uriah Heep. Seit über fünf Jahren spielt Rimmer nun selbst den Bass bei den britischen Rock-Legenden. Am 3. November wird er mit der Band in der Trierer Europahalle „Living the Dream“ vorstellen. Die alten Hits soll es natürlich auch zu hören geben.

Rimmer ist in etwa so alt wie die Band: ein halbes Jahrhundert. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch Gitarrist Mick Box dabei. Sänger Bernie Shaw und Keyboarder Phil Lanzon spielen aber auch bereits seit den 80ern in der Band, die viele Schicksalsschläge hinnehmen musste: So sind mit Gary Thain, Trevor Bolder und John Wetton bereits drei Heep-Bassisten tot. Thain bekam während eines Heep-Konzerts 1974 in Dallas einen elektrischen Schlag verpasst – er litt in der Folge an Herzrhythmusstörungen und starb gut ein Jahr später mit 27 Jahren, wohl an einer Überdosis Aufputschmittel. Auch Original-Sänger David Byron starb bereits mit 38 Jahren an den Folgen seiner Alkoholsucht.

Wer mit Uriah Heep nicht sofort was anfangen kann: Der berühmteste aller Zwei-Akkord-Lagerfeuer-Hits ist von den Briten – „Lady in Black“: „She came to me one morning, one lonely Sunday morning…” (und dann alle mitsingen: „ah, ah, ah…”)

Das ist der in Deutschland bekannteste Heep-Song, aber es ist kein typischer. Die Band steht eher für treibenden Hardrock, da waren sie neben Deep Purple, Led Zeppelin und Black Sabbath ganz früh am Start. Über 40 Millionen Tonträger haben Uriah Heep verkauft.

„Lady in Black ist ja ein Folksong“, sagt Rimmer. „Wir haben uns bei manchem Metal-Festival überlegt, ob wir den Song überhaupt spielen sollen. Aber zwischendurch ist was Ruhiges auch gut – und die Leute singen immer mit.“

Auch auf dem am 14. September erscheinenden Album wird es einen Song in der Tradition von „Lady in Black“ geben. Aber dass Uriah Heep ohne Zweifel damals wie heute eine Hardrock-Band sind, das beweist die erstaunlich frisch klingende erste Single „Grazed by Heaven“, die von Rimmer geschrieben wurde: „Ich wollte den rockenden Heep-Sound der frühen 70er – mitsamt Hammond-Solo, der tollen Gitarrenarbeit von Mick und einem eingängigen Refrain“, sagt Rimmer, der zuvor in London als Live- und Studiomusiker gefragt war.

Aber so viel zu tun wie bei Uriah Heep hatte er  nie: „Ich glaube fast, dass wir die am härtesten arbeitende Rockband sind. Wir sind eigentlich ständig unterwegs, wenn wir nicht gerade ein neues Album aufnehmen. Das ist das Gute an der langen Bandgeschichte: Wir können eigentlich immer irgendwo touren, Heep-Fans gibt es in der ganzen Welt.“ Für Rimmer wird der Auftritt in Trier eine Premiere. Mick Box und Bernie Shaw waren als Teil der „Rock meets Classic“-Show bereits im vergangenen Jahr für einen Kurz-Auftritt in der Arena.

Auftritte bei einigen Metal-Festivals – und wohl auch der frische Wind durch Rimmer und Drummer Russell Gilbrook – sorgen aber dafür, dass im Publikum nicht nur die alten Fans der frühen Tage stehen. Ein persönliches Highlight erlebte Rimmer noch vor drei Wochen in der Westfalenhalle Dortmund: „Das war fantastisch – eine Nacht voller Rock’n’Roll, als Special Guest von Judas Priest.“ Auch die Band um Rob Halford feiert im nächsten Jahr 50-jähriges Bestehen.

Das hat die Supportband von Uriah Heep in Trier bereits lange hinter sich. Die Geschichte der britischen Band „The Zombies“ reicht zurück ins Jahr 1961, als Meisterwerk der Rock/Psychedelic-Band um die Mitt-Siebziger Rod Argent und Chris White gilt „Odessy and Oracle“ aus dem Jahr 1968 (daran ändert auch der Fehler im Albumtitel nichts).

Uriah Heep (plus Special Guest: The Zombies):  3. November, Europahalle Trier. Tickets gibt’s unter der Hotline 0651/7199-996 und im TV-Servicecenter Trier.