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Versteigerung von Werken des Trierer Künstlers Dieter Sommer in der EKA

Kunst : Kunst als Lebenserhalt

Dieter J. J. Sommer war eine der prägenden Persönlichkeiten der Trierer Kunstszene. Ein Teil seines Nachlasses wird am 6. November in der Europäischen Kunstakademie versteigert. Schon jetzt zeigt sie einige seiner Gemälde.

Wer Dieter J. J. Sommer in seinem Atelier in Gutweiler besuchte, trat ein in ein ganz eigenes Reich. Auf den Tischen stapelten sich die Zeichenblätter, an der Wand lehnten Bilder, dazwischen allerorts Bleistifte und Farben. Von Kunstbänden quollen die Regale über. In der Vitrine leuchtete eine Glassammlung, etwas weiter war Keramik zu bewundern. Denn er war nicht nur Kunstschaffender, sondern wie die meisten Künstler auch Sammler. Einer, der sich in den Stücken seiner Kollektion die Welt ins Haus holte und sich darin wiederfand.

Mit der Welt in Kontakt zu bleiben, war für den Ramboux-Preisträger der Stadt Trier zuweilen mühsam, seit eine schwere Krankheit und ihre Folgen ihm das Sprechen schwer gemacht hatten. An der Welt interessiert blieb der Künstler, der zu den Gründungsvätern der Europäischen Kunstakademie gehörte, gleichwohl. Wer mit ihm seine Kunst betrachtend ins Gespräch kam, merkte sehr wohl, dass sich in der scheinbaren Zurückgezogenheit seines Ateliers ein Ort mitten in der Welt auftat. Wie wohl in seinen gesundheitlich besten Zeiten blieb er an ihr und ihren Verwerfungen stets interessiert, was sich auch in seiner zum Teil engagierten Kunst widerspiegelte.

Mit seiner Meinung hielt Dieter Sommer nicht hinterm Berg, auch was den Kunstbetrieb und seine zunehmend Konsumenten gerechte Kommerzialisierung anging. Hart konnte er dann klingen, aber erfrischend direkt. Wie andere Trierer Kollegen absolvierte der 1938 in Trier als Dieter Johann Jakob Sommer geborene Künstler seine Ausbildung zum Maler und Grafiker an der örtlichen Werkkunstschule, die sich in den Nachkriegsjahren stark der französischen Moderne zugewandt hatte. Nach der Ausbildung arbeitete er als Art Director in verschiedenen Werbeagenturen. Eine erste Auszeichnung erhielt er bereits als 27-jähriger mit dem Förderpreis der Stadt Salzburg für Lithographie.

Gleich zweimal wurde ihm der Ramboux-Preis verliehen, das erste Mal 1976 gemeinsam mit seinem Kollegen Jakob Schwarzkopf. Über 30 Jahre später würdigte der städtische Preis 2008 sein Lebenswerk. Seit 1976 arbeitete der Künstler zudem an der Académie Européenne Libre des Beaux Arts in Luxemburg, bevor er Jahre später gemeinsam mit Erich Kraemer und anderen Künstlern die Europäische Kunstakademie in Trier gründete.

Den französischen modernen Klassikern blieb Sommer zeitlebens treu, ihren Collagen und Assemblagen, ihren materialstarken Bildern. Das belegen auch seine derzeit in der Kunsthalle Trier ausgestellten Bilder. Einmal mehr lassen sie erkennen, wie sehr sich der Künstler mit der Gegenwart der Welt und der seiner eigenen Persönlichkeit auseinandergesetzt hat. Sommers mit flottem Strich gestaltete und expressiv kolorierte Zeichnungen sind allesamt Kunstheroen wie Pablo Picasso oder George Braque verpflichtet. Gleichwohl findet der Künstler darin, wie in seinen Gemälden seinen ganz eigenen Ausdruck und seine Bildsprache.

Als ein vom künstlerischen Schaffenswillen Besessener wird Dieter Sommer immer wieder bezeichnet. Davon zeugten auch Begegnungen mit ihm. „Mich hält die Arbeit am leben“, bekannte er einmal, fast harsch im Gespräch. Wie sehr dem Mann, der über jede Menge trockenen Witz verfügte, und ausgesprochen humorvoll daherkommen konnte, seine Kunst nicht nur Lebenselexier, sondern auch Befreiung bedeutete, wird gerade in den in Trier ausgestellten Gemälden unverkennbar. In den düsteren Bildern scheint sich alles zu entladen, was Seelennacht und bedrückender Alltag war.

Was in Trier jetzt in der Europäischen Kunstakademie verkauft und versteigert wird ist lediglich ein kleiner Teil von Dieter Sommers umfangreichem Nachlass. Mit dem Erlös soll die Durchsicht, Dokumentation und Archivierung des Nachlasses finanziert werden. „Uns geht es darum, das Erbe unseres Vaters zu bewahren“ sagen Sommers Töchter Anja Sommer und Nicole Reichert.

Am 6. November wird in einer Kunstauktion in der Europäischen Kunstakademie Trier Teile des Nachlasses von Dieter Sommer versteigert und verkauft. Angeboten werden Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Keramik. Die zu erwerbenden Werke können in der Kunsthalle der EKA vom 2. bis 5. November, jeweils zwischen 11 und 18 Uhr, vorbesichtigt werden. Die Auktion ist am 6. November, 17 Uhr. Zur Auktion ist eine Anmeldung erforderlich unter info@kunsthalle-trier.de.

Ein Katalog zur Ausstellung ist aufgelegt. Er ist auch online einzusehen unter www.kunsthalle-trier.de.