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Vinyl der Woche: A Whiter Shade Of Pale – Procol Harum

Vinyl der Woche: A Whiter Shade Of Pale – Procol Harum : „Schatz, du bist ja bleicher als bleich!“

Wie aus einer durchzechten Partynacht und dem Gespräch eines Nachtclubbesitzers ein legendärer Song wurde: Die Geschichte hinter A Whiter Shade Of Pale von Procol Harum.

Eine wilde Party im Jahr 1967. Nach einer durchzechten Nacht sieht der Nachtclubbesitzer Guy Stevens seine Frau an. „Oh Mann, Schatz, du bist ja bleicher als bleich!“, sagt er. Der Songtexter Keith Reid hört mit. „Kein schlechter Songtitel“, denkt er, notiert sich die Worte und beginnt vereinzelte Zeilen zu schreiben. Da sich dieses Szenario nicht in Deutschland abspielt, heißt der Song natürlich nicht „Bleicher als bleich“, sondern A Whiter Shade Of Pale. Diese Partynacht markiert den Anfang der Band Procol Harum.

Denn Keith Reid setzt immer mehr Textfetzen zusammen, deren Unverständlichkeit zu einem der Markenzeichen des Songs werden. Da wird der Fandango (ein spanischer Tanz) ausgelassen, lieber werden gleich Räder auf der Tanzfläche geschlagen. Einen Satz später ist der Protagonist plötzlich seekrank, aber die Menge will mehr. Dann ist die Rede vom Dach, das wegfliegt, von einem Müller, der seine Geschichte erzählt und von 16 vestialischen Jungfrauen. Ziemlich undurchsichtig. Hmm ... woran das Mitte der Sechziger nur gelegen haben könnte? Keith Reid sagt bis heute, er habe zwar etwas geraucht, als er den Song konzipiert, aber nicht, als er ihn geschrieben habe. Wollen wir ihm mal so glauben.

Egal wie undurchsichtig der Text ist, Reid gibt ihn an Gary Brooker weiter, der vor nicht allzu langer Zeit seine Band The Paramounts (unter anderem Vorband bei den Beatles, den Rolling Stones) wegen ausbleibenden Erfolges aufgelöst hatte. Die Geschichte erzählt, dass der Text drei Monate bei Brooker herumlag, er dann allerdings innerhalb von drei Minuten die Musik dazu schrieb. Mangels Alternativen singt er den Song selbst ein. Brooker und Reid trommeln über Zeitungsanzeigen einige Musiker zusammen, gründen Procol Harum („Procol Harum“ bedeutet auf Latein übrigens „Jenseits dieser Dinge“ – Harum ist schlichtweg ein Schreibfehler).

A Whiter Shade Of Pale geht als Single sechs Millionen mal über die Verkaufstische der Welt. Viele Flower-Power-Anhänger des Jahres 1967 feiern den Song als neue Hymne.

Nur manche Musikkritiker suchen bis heute das Haar in der Suppe. Der Song sei von Johann Sebastian Bach abgeschrieben, sagen sie. Vorlage soll die „Air“ in der Orchester Suite D-Dur sein. Gary Brooker nimmt das bis heute mit Humor und verweist darauf, dass der Song „von Bach inspiriert“ sei.

Unverständlicher Text? Von einem Komponisten abgeschrieben? Alles egal. A Whiter Shade Of Pale ist ein vollkommen zurecht legendärer Song.