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Vinyl der Woche: London Calling – The Clash​

Vinyl der Woche: London Calling – The Clash : Kaputter Bass, kaputte Welt

Joe Strummer, Sänger von The Clash, wäre am Sonntag 70 Jahre alt geworden. Seine Weltuntergangsstimmung (und der kaputte Bass seines Bandkollegen) sorgten für den wohl größten Hit der Band.

Es gibt zwei Versionen davon, wie die Idee für London Calling von The Clash entstanden ist. Glauben wir der von Sänger Joe Strummer – aus zwei Gründen: Erstens wäre er am 21. August 70 Jahre alt geworden. Zweitens macht es sowieso wenig Unterschied, denn beide Versionen laufen auf die gleiche Erkenntnis hinaus: Kaum eine Band war derart pessimistisch wie The Clash.

Also, auf in die Strummer-Geschichte. Er sitzt mit seiner damaligen Verlobten Gaby Salter im Taxi nach Hause zur gemeinsamen Wohnung an der Themse. Salter und Strummer leben damals in einem Hochhauskomplex, der den Namen World End Estates trägt. Passender geht es kaum. Als die beiden am Fluss vorbeifahren, sprechen sie darüber, wie anfällig London für Überschwemmungen sei. „Schreib‘ was darüber“, sagt Gaby Salter. Joe Strummer hört auf seine Partnerin (immer ‘ne gute Idee!) – und schreibt den größten Hit seiner Band. Darüber, dass London überschwemmt wird, wir uns in einem nuklearen Zeitalter befinden (er aber keine Angst habe) und andere Endzeitszenarien.

Legendär ist auch das Albumcover, auf dem Bassist Paul Simonon sein Instrument zerstört. Entstanden ist das Foto bei einem Konzert in New York City. Simonon war wütend darüber, dass es den Gästen verboten war, während der Show von ihren Stühlen aufzustehen. Das Musikmagazin „Q“ zeichnete den Schnappschuss 2002 als „bestes Rock & Roll Foto aller Zeiten“ aus. Nicht die größte Ehre für die Platte: das Rolling-Stone-Magazin zeichnete London Calling sogar als das beste Album der 1980er aus. Sich um einen Weltuntergang sorgen kann also durchaus zu großem Erfolg führen. Christian Thome