1. Nachrichten
  2. Kultur

Vinyl der Woche: Movin' - Jennifer Rush

Vinyl der Woche: Movin’ – Jennifer Rush : Heidi, die flensburgische Nomadin

Wer zieht schon von New York nach Flensburg? Die Familie von Heidi Stern, besser bekannt als Jennifer Rush. Überhaupt hielt es die Musikerin nie lange an einem Ort. Da ist Movin’ genau der richtige Albumtitel.

Für die junge Heidi Stern muss es ein Kulturschock gewesen sein, damals Ende der Sechziger. Geboren in New York beschließt ihr Vater, dass es dort für seine Kinder zu gefährlich sei. Wo zieht man hin, wenn man das Gegenteil vom unsicheren New York will? Nach Flensburg!

Dorthin wo die einzige Unsicherheit darin steckt, ob die Bierflasche beim Öffnen anständig ploppt. Das Problem: Heidi und ihre Geschwister sprechen kein Wort Deutsch. Nach dem Besuch von Grund- und Waldorfschule wechselt Heidi an die amerikanische Schule nach Wiesbaden. Mit 15 kehrt sie zur High School in die USA zurück, wo sie später zum Star wird.

Im Januar 1986, also vor 35 Jahren, stürmt Heidi Stern mit ihrem zweiten Studioalbum Movin’ (ob der Name mit den häufigen Umzügen ihrer Kindheit zu tun hat, ist nicht überliefert) an die Spitze der deutschen Charts. Wobei ihr bürgerlicher Name passé ist – bekannt wird sie unter dem Namen Jennifer Rush. Unter diesem gelingt ihr ein Jahr vor Movin’ mit der Ballade The Power Of Love ein Erfolg, der sie bis ins Guinness Buch der Weltrekorde bringt. The Power Of Love ist die bestverkaufte Single einer Solo-Künstlerin in der Geschichte der britischen Musikindustrie. Doch nach dem Album lässt der Erfolg in Großbritannien nach.

Was Jennifer Rush verkraften kann. Denn im deutschsprachigen Raum und in Skandinavien schießen die Verkaufszahlen von Movin’ durch die Decke. Schon die zuvor ausgekoppelte Single Destiny verkauft sich sehr gut, Movin’ ist das in Deutschland meistverkaufte Album des Jahres 1986. Nicht nur das: Movin’ zieht auch das Vorgängeralbum Jennifer Rush (mit der Single The Power Of Love) mit in seinen Sog. Zeitweise stehen beide LPs gemeinsam unter den Top-3 der deutschen Albumcharts.

Was Jennifer Rush dennoch stört: In den USA wird ihre Musik nicht ernst genommen. Also zieht sie – mittlerweile in München lebend – nach New York und veröffentlicht 1987 Heart over Mind. Das Album hat erneut nur im deutschsprachigen Raum Erfolg. Wenn Sie mich fragen, spricht das nicht für den Musikgeschmack der US-Amerikaner.