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Vinyl der Woche: Songs in the Key of Life – Stevie Wonder

Vinyl der Woche: Songs In The Key Of Life – Stevie Wonder : Das beste Album, das es fast nie gegeben hätte

Stevie Wonder wird am 13. Mai 70 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag blickt die Kolumne Vinyl der Woche auf sein erfolgreichstes Album Songs In The Key Of Life. Warum es das Album fast nie gegeben hätte und wieso es das vielleicht beste aller Zeiten ist.

Denken wir an Stevie Wonder, dann schwirrt unweigerlich I Just Called To Say I Love You durch unseren Kopf. Aber was, wenn es den Song nie gegeben hätte, weil Wonder die Musik Jahre zuvor – und kurz vor seinem erfolgreichsten Album Songs In The Key Of Life – an den Nagel gehangen hätte?

Mitte der 1970er Jahre ist Stevie Wonder nach seinen Alben Talking Book, Innervisions und Fullfillingness’ First Finale innerhalb von drei Jahren zum weltweiten Superstar aufgestiegen. Doch er ist wütend. Die US-Regierung und die Art, wie mit schwarzen Mitbürgern umgegangen wird, sorgen dafür, dass er sich abwendet. Sein Plan: Nach Ghana auswandern und dort mit behinderten Kindern arbeiten.

Erst als ihm sein Label Motown 1975 den bis dato höchstdotierten Vertrag der Musikgeschichte (37 Millionen Dollar für sieben Jahre) vorlegt, ändert er seine Meinung. Beeindruckende Zahlen, doch was für Wonder ebenfalls ausschlaggebend ist: Motown gewährt ihm uneingeschränkte künstlerische Freiheit. Er macht weiter, seine Fans sind begeistert.

Auf die Begeisterung folgt ein langes Warten. Wonder verschiebt das Album-Release immer wieder. Songs In The Key Of Life soll perfekt werden, sein Meisterstück. Er schreibt alle Songs selbst. 130 Musiker arbeiten an dem Album mit, darunter renommierte Künstler wie Mike Sembello, Herbie Hancock und George Benson.

Nach fast zwei Jahren Aufnahmearbeiten erscheint Songs In The Key Of Life im September 1976  – und steigt auf Platz eins der amerikanischen Pop-Album-Charts ein. Nach zwei Alben von Elton John (Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy und Rock of the Westies) ist es erst das dritte Album, dem das gelingt. Es hält sich an der Spitzenposition, bis es im Januar 1977 nach 13 Wochen von Hotel California (The Eagles) abgelöst wird. 1977 gewinnt Wonder einen Grammy in der Kategorie Bestes Album.

 Songs In The Key Of Life wird der kommerziell größte Erfolg des Superstars. Dieser Erfolg rührt wohl daher, dass Wonder seine unglaubliche musikalische Bandbreite zeigt. Von Big-Band-Nummern über Gospel-Klänge zu Pop-Balladen, Funk und Blues: Es ist nahezu für jeden Hörer etwas dabei. So kommt es auch dass etliche – doch sehr verschiedene – Künstler seine Songs weiterverwenden. As wird durch Mary J. Blidge 1999 ein zweites Mal zum Hit, Pasttime Paradis von Coolio zum weltweit bekannten Gangsters Paradise umbenannt.

George Michael und Prince haben Songs In The Key Of Life als das beste jemals aufgenommene Album bezeichnet. Was die musikalische Bandbreite angeht, kann man ihnen kaum widersprechen.

In der Kolumne Vinyl der Woche stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – egal ob Klassiker, Neuerscheinung oder besonderes Album. Alle Serienteile gibt es unter volksfreund.de/vinyl