1. Nachrichten
  2. Kultur

Vinyl der Woche: Toulouse Street – The Doobie Brothers​

Vinyl der Woche: Toulouse Street – The Doobie Brothers : Spiel einfach Musik, dann wird alles gut

Es war einmal ein Mann mit Schnäuzer und einer Idee: Würden die mächtigsten Männer der Welt einfach nur gemeinsam seine Musik hören, würden sie sich verstehen. Das klappte nicht, brachte ihm aber einen großen Erfolg.

Stellen Sie sich mal vor: Olaf Scholz sitzt auf einem Hügel. Sein Blick schweift in die Ferne. Joe Biden kommt dazu, setzt sich neben ihn. Eine Diskussion beginnt. Klimaschutz, Außenpolitik, Gesundheitswesen ... wirklich einig sind sie sich nicht. „Bonjour“, klingt es von hinter ihnen. Ach hier, der Herr Macron. Auch er diskutiert mit. Ohne einen Ton zu sagen setzt sich ein Mann mit markantem Schnurrbart zu ihnen. Stellt eine Musikbox auf, drückt auf Play. Whoa, oh listen to the music“ erklingt.

„Tadaaa! Plötzlich sind sich alle einig. Einige der wichtigsten Männer der Welt merken, dass sie doch einiges gemeinsam haben. Tom Johnston sei Dank, denn der hat den Diskussions-Beendigungs-Song geschrieben, gemeinsam mit seiner Band, The Doobie Brothers. Let The Music Play wurde vor 50 Jahren veröffentlicht. Und es war genau die eben beschriebene Idee, die Tom Johnston hatte: Wenn die mächtigsten Männer der Welt sich einfach zusammensetzen und Musik hören würden wie die, die er geschrieben hat, dann würden sie merken, dass sie einiges gemeinsam haben. Und dass es es nicht wert ist, sich zu streiten. „Jeder auf der Welt würde also von dieser Sichtweise profitieren. Im Grunde würde die Musik alles besser machen“, erklärt er in einem Interview.

Tom Johnston war es auch, der die Doobie Brothers 1970 gründete. Doobie ist übrigens eine Slang-Bezeichnung für einen extralangen Joint, der aus zwei Blättern gebaut wird. Hab ich gelesen, nicht selbst gewusst. Ehrenwort. Bei den Doobie Brothers soll der Name aber tatsächlich in einer Kiffer-Session entstanden sein. „Jetzt sind wir alle Doobie-Brüder“, soll gefallen sein. Dadurch erklärt sich auch von selbst, dass Johnston und Co. natürlich keine leiblichen Brüder sind. Ihr erstes Album wurde ein Flop, das zweite Toulouse Street ein Erfolg. Dafür verantwortlich waren vor allem die Singles Listen To The Music und Jesus is just alright, die vor allem durch eingängige Melodien rockige Rhythmen glänzten.

Let The Music Play entstand übrigens eines Nachts, als Tom Johnston wie so oft alleine auf der Gitarre vor sich hin zupfte. Plötzlich hatte er etwas, das funktionieren könnte. Er rief seinen Produzenten an, spielte ihm am Telefon vor. Der war nur wenig begeistert (könnte aber nach Aussage Johnstons auch daran gelegen haben, dass er geweckt wurde) und meinte, es könnte funktionieren, wenn man noch einiges ändern würde. Geändert wurde nichts, funktioniert hat es allemal.

Was nicht funktioniert, ist leider der Trick mit der Musik und den mächtigen Männern. Das erkannte auch Tom Johnston schnell. Einen Versuch war es wert.