1. Nachrichten
  2. Kultur

Von Schrotthaufen und Kinderträumen

UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE : Von Schrotthaufen und Kinderträumen

Lang sind sie her, die 11. Antikenfestspiele, genauer gesagt, mehr als 13 Jahre. Für viele, die damals dabei waren, ist Trier nur noch eine ferne Erinnerung in ihrem künstlerischen Lebenslauf.

Wahrscheinlich auch für den Mann, der seinerzeit zwei Produktionen mit seinen „Trash People“ ausstattete: der Aktionskünstler HA Schult. Seine „Müllmenschen“ bevölkerten damals das Bühnenbild von „Nabucco“ und „Antigone“. 100 dieser aus Abfällen zusammengebauten Individuen konkurrierten mit den Sängern und Schauspielerinnen um Aufmerksamkeit. Dem Müll ist der mittlerweile 82-Jährige treu geblieben – als Ausdrucksmittel seiner Kunstwerke. „Werft nicht weg, was nicht weggeworfen gehört. Es könnte ein Teil von dir sein“ – nach diesem Leitspruch entwickelt der in Parchim geborene Wahl-Kölner seine Werke.

Jüngstes Beispiel ist der „Wertgigant“, eine sechs Meter hohe Skulptur aus Elektroschrott. Die 2,8 Tonnen schwere Skulptur repräsentiert laut Schult Altblech, den deutsche Haushalte alle 72 Sekunden produzieren. Das Ungeheuer besteht aus alten Waschmaschinen, Staubsaugern, Mikrowellen und Laptops. Der Schrottriese soll vier Tage lang als „Mahnung für unsere Wegwerfgesellschaft“ vor dem Parlament in Düsseldorf stehen und die Botschaft „Reparieren statt wegwerfen“ transportieren. Landtagspräsident André Kuper sagte: „Kunst und Demokratie sind untrennbar miteinander verknüpft. Kunst kann Menschen anregen und aufrütteln. Sie setzt Impulse – auch hier vor dem Herzen der Demokratie von Nordrhein-Westfalen.“ Düsseldorf ist nur eine weitere Station des Wertgiganten auf seiner Reise durch Deutschland. Als nächste Station bezieht er im November Stellung auf einem Platz in Berlin-Mitte.

„Welturaufführung“ – dieser bislang ebenso wichtigtuerische wie bescheuerte Begriff (gibt‘s auch Uraufführungen auf der Venus oder dem Jupiter?) ist ab sofort zumindest nicht mehr so ganz bescheuert. Denn jetzt gab es nämlich tatsächlich mal eine Uraufführung, die nicht auf der Erde stattfand – sondern im Weltall. Gegenstand war ein Song vom neuen „Rammstein“-Album. Christoph Schneider, Schlagzeuger der Berliner Band, gab dem französischen Esa-Astronauten Thomas Pesquet während eines Gesprächs ins All (wieso kann man einfach so mit einem Astronauten im All telefonieren? Hatte Schneider seine Handy-Nummer?) eine Hörprobe. „Er war der erste, der sich einen unserer neuen Songs vom kommenden Album anhörte“, schrieb der Drummer nach dem Anruf auf seiner Instagram-Seite. „Er wurde im Himmel uraufgeführt, was für uns eine Ehre ist.“ Schneider sprach von einem „wahr gewordenen Kindertraum“. Der Anruf bei einem Menschen, „der im Himmel lebt“, habe wieder einmal bewusst gemacht, „wie klein wir alle im Vergleich zu den Weiten des Universums sind“.

Am kommenden Sonntag soll der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer zur ISS fliegen. Maurer wäre der zwölfte Deutsche im All – und der vierte Deutsche auf der ISS in rund 400 Kilometern Höhe. Ob er wohl auch in den Genuss einer All-Uraufführung kommt? no/dpa