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Wade Schuman. Kopf der Band Hazmat Modine, im Interview mit dem Trierischen Volksfreund

Musik : „Nationalismus zerstört den Zusammenhalt der Menschen“

Der Kopf der Bluesband Hazmat Modine spricht über die Herausforderungen für Musiker nach vier Jahren Trump.

Wade Schuman ist der Gründer der Band Hazmat Modine aus New York. Seit rund zehn Jahren spielen die Musiker auch regelmäßig in der Region. Unser Redakteur Alexander Schumitz sprach mit Schuman über die Ära Trump, über Covid-19 und über kommende Bandprojekte. Zu hören ist Hazmat Modine voraussichtlich am Samstag, 10. Juli, um 20.30 Uhr auf dem früheren Kasernengelände in Saarburg.

Wie fühlt es sich aktuell an, dass die Amtszeit von Donald Trump bald endet?

„Ich antworte auf diese Fragen am 7. Januar (Anmerkung der Redaktion: Am 6. Januar hatten Anhänger von Donald Trump das Kapitol gestürmt, um die Bestätigung des künftigen Präsidenten Joe Biden durch das Repräsentantenhaus und den Senat zu verhindern). Wer weiß da schon, was bis zum 20. Januar, dem Tag, an dem traditionell der neue US-Präsident ins Amt eingeführt wird, noch passieren wird. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dieser fürchterliche Mann dann nicht länger im Amt sein wird. Er hat das Land und die Welt beschädigt.“

Wie war die Situation für Künstler in den vergangenen vier Jahren während der Amtszeit von Donald Trump?

„Die letzten vier Jahre waren für Künstler aus vielen Gründen schwierig, aus künstlerischen aber auch aus politischen Gründen. Musik lebt von Zusammenarbeit und Musiker befruchten sich gegenseitig. Nationalismus ist eine Krankheit. Er zerstört die Brüderlichkeit und den Zusammenhalt der Menschen untereinander. Dieser wichtige Teil der Kreativität hat in den vergangenen Jahren gelitten. Aber gleichzeitig hat der Aufstieg der digitalen Plattformen den Wert der Musik gesenkt. Die Digitalisierung betrifft aber auch den Journalismus, die Kunst, die Foto- und Filmkunst – und auch die Wahrheit. Wir leben in einer Zeit, die mit keiner früheren Zeit vergleichbar ist. Der digitale Angriff hat zu einer massiven Veränderung geführt, wie Menschen interagieren, was sie wissen, was sie verstehen. Es ist ein genereller Zusammenbruch des Lebens, wie wir es aus früheren Zeiten nicht kennen. Das erinnert mich an ein neues ‚dunkles Zeitalter’ – Bedeutung und Wahrheit sind für viele Menschen nicht länger feste Größen. So wie die Menschen im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution erlebten, so erleben wir heute eine digitale Revolution. Werte und die Bedeutung vieler Dinge haben sich unwiderruflich verändert. Ich denke, dass sich das auch auf die Musik und die Kunst auswirken wird.“

Welche Erwartungen haben die Künstler an den künftigen US-Präsidenten Joe Biden?

„Ich weiß nicht, was wir von ihm erwarten können. Aber ich hoffe auf Frieden, Güte und auf eine Veränderung hin in Richtung einer menschlicheren Politik.“

Wie begegnen amerikanische Künstler in diesen Zeiten den globalen Herausforderungen, wie zum Beispiel Covid-19 oder dem globalen Klimawandel?

„Künstler kämpfen um ihr Überleben, damit sie weiter kreativ tätig sein können. Öffentliche Auftritte sind für sie wie Sauerstoff, den sie zum Atmen brauchen und der die Musikszene am Leben erhält. In dieser Zeit sind viele Künstler von dieser lebenserhaltenden Kraftquelle abgeschnitten. Viele nutzen die eine oder andere digitale Plattform für sich. Aber Live-Auftritte sind mit digitalen Angeboten nicht vergleichbar. Stellen Sie sich vor, sie schauen auf ein schönes Bild mit einer leckeren Mahlzeit, oder sie genießen dieses Essen tatsächlich. Beides kann einem ein gutes Gefühl vermitteln. Aber nur eines davon erhält einen am Leben, ernährt einen, während das Bild nur eine eingeschränkte Erfahrung vermittelt. In diesen Zeiten versuchen wir alle unser Bestes, aber wir warten sehnsüchtig darauf, zusammenzukommen und echte Dinge wieder gemeinsam zu erleben. Irgend wovon müssen Musiker leben. Das ist momentan aus zwei Gründen extrem schwierig: Musik ist wegen der Streaming-Plattformen kaum noch etwas wert – mit seinen Einnahmen daraus bestreitet man seinen Lebensunterhalt nicht – und ihnen fehlen die öffentlichen Auftritte.“

Wie ist die Situation für die Musiker von Hazmat Modine in der Pandemie?

„Die trifft jedes Bandmitglied unterschiedlich hart. Die meisten Mitglieder unserer Gruppe haben sich auf ihr Leben und ihre Familien konzentriert. Wir warten sehnsüchtig darauf, auf die Bühne zurückzukommen und live vor Menschen zu spielen. Wir arbeiten auch an unserem neuen Album. Wir sind Künstler und wollen unsere Musik mit den Menschen teilen.“

Was erwartet eure europäischen Fans auf eurer Europa-Tournee in diesem Jahr?

„Wir haben genügend neues Material, um zwei Alben aufzunehmen. Die einzige Frage, die sich uns stellt, ist, wann es wieder sicher genug ist, um gemeinsam ins Studio zurückzugehen. Bis in den Frühling wollen wir einige Singles aufnehmen – entweder indem wir uns zu kleinen Gruppen zusammenschließen oder in den kommenden Monaten als vollständige Band, sofern das hoffentlich dank der Impfmittel möglich sein wird. Unsere Tournee ist für Juni/Juli geplant. Wir können es nicht erwarten. Ihr fehlt uns!“