Walking on Cars überzeugt in Luxemburg mit Indie-Rock-Klängen

Musik : Musikalische Farbenpracht

Irische Band Walking on Cars überzeugt in Luxemburg mit Indie-Rock-Klängen.

Still steht Patrick Sheehy eigentlich nie. Der Frontmann wirbelt über die Bühne, steht nah bei den Fans direkt am Rand. Wenn seine Hände nicht hin und wieder mit einer Akustik-Gitarre beschäftigt sind, bewegt er sie in großen Gesten. Der schlanke Mann, der zumeist mit Schiebermütze auf der Bühne steht, zieht das vornehmlich weibliche Publikum in seinen Bann. Spätestens bei der dunklen Reibeisenstimme ist dann auch klar, was die Faszination ausmacht.

Die Gruppe aus dem kleinen Ort Dingle an der südwestlichen Küste Irlands kennt sich seit Schulzeiten und macht seit 2010 gemeinsam Musik. Das hört man auch, denn die Künstler liefern ein knackiges anderthalbstündiges Set ab. Zwei Alben haben Walking on Cars bis dato veröffentlicht. Das jüngste, „Colours“, erschien erst Mitte April 2019. Dass entsprechend die Texte noch nicht so fest sitzen, merkt man daher bei vielen neueren Titeln, während alte Songs gerne mitgesungen werden.

Den Titel „Colours“ trägt das Album nicht von ungefähr. Den Iren gelingt es, eingängige Songs zu schaffen, die dennoch viele musikalische Facetten einfangen. Bekannt wurde die Band vor allem mit den Songs „Speeding Cars“ und „Catch Me If You Can“. Ersterer besticht mit dem hymnischen „Heyja“-Refrain und einer emotionalen Story, während „Catch me“ insbesondere live sehr viel mehr nach vorne geht, auch wenn es vergleichsweise ruhig mit Piano-Klängen von Keyboarderin Sorcha Durham beginnt. Beide Lieder werden erst zum Ende hin gespielt, den größten Hit haben die Iren bis zum Schluss aufgehoben.

Dennoch ist auch die erste Stunde des Konzertabends nicht langweilig. Der Mix aus altbekannten Songs und dem neuen Material ist so ausgewogen, dass das Publikum keinen Anlass zur Beschwerde finden dürfte. Und mit den unterschiedlichen Facetten war für jeden etwas dabei. Von ruhigen Balladen wie „Pieces of You“ oder dem musikalisch eher an den bekannten Stil der Band angepassten „Monster“ bis hin zu überraschend tanzbaren, mit Synthesizern unterlegten „Too Emotional“ – Walking on Cars haben sich in den vergangenen drei Jahren seit ihrem Debüt ausprobiert. Dass die Platte gerade einmal neun Songs bietet, dürften die meisten verschmerzen können. Viele muten fast schon hymnisch an und setzen sich entsprechend leicht im Kopf fest. Dass all das Live auch hervorragend funktioniert mit einem zwar sehr weiblichen, aber vom Alter her gut durchmischten Publikum, hat sich am Donnerstagabend im luxemburgischen Atelier deutlich gezeigt. Die Iren singen zwar zumeist über Sehnsucht, (gescheiterte) Liebe und persönlichere Erlebnisse und Probleme, verpackt dies aber – auch dank Sheehys Stimme – so, dass es eine breitere Masse anspricht. Insbesondere die irischen und deutschen Charts zeigen, dass Walking on Cars mit ihrer Musik vieles richtig machen. Es bleibt spannend, wie die Gruppe sich in den kommenden Jahren entwickeln wird.

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