Kulturwoche Ein Hoch auf Hebammen und Nonnen

Was haben das Hebammenwesen, die manuelle Glasherstellung und die traditionelle Bewässerung gemeinsam? Eigentlich gar nichts – bis auf die Tatsache, dass sie ab sofort, wie schon der Tango aus Argentinien und Uruguay sowie die traditionelle chinesische Medizin, zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit gehören.

 Glaskunst gehört nun zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit: In der Abteikirche Tholey sind seit September 2020 drei von dem Künstler Gerhard Richter gestaltete Chorfenster zu sehen.

Glaskunst gehört nun zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit: In der Abteikirche Tholey sind seit September 2020 drei von dem Künstler Gerhard Richter gestaltete Chorfenster zu sehen.

Foto: dpa/Oliver Dietze

Alle drei Anträge wurden in Deutschland gestellt und vom zwischenstaatlichen Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe in Kasane (Botsuana) in die Liste aufgenommen. Insgesamt nahm die Kommission 45 Formen von überliefertem Wissen und Können in das Immaterielle Kulturerbe auf. Dazu zählen die Rikscha-Malerei in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, der Operngesang aus Italien und das muslimische Fastenbrechen Iftar, das von Aserbaidschan, dem Iran, der Türkei und Usbekistan nominiert worden war. Das Traditionshandwerk der manuellen Glasherstellung wurde von Finnland, Frankreich, Spanien, Tschechien und Ungarn gemeinsam mit Deutschland nominiert. Der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf, sagte, das Handwerk zeichne sich durch eine beeindruckende schöpferische Kraft aus. So haben etwa Marc Chagall, Gerhard Richter und Neo Rauch Werke mithilfe dieser traditionellen Handwerkskunst geschaffen

Mit Blick auf das Hebammenwesen, das von Deutschland und weiteren sieben Staaten vorgeschlagen wurde, verwies die Unesco auf eine weltweite kulturelle Vielfalt, die sich in der Praktik widerspiegelt. Die Fähigkeiten und ihr Wissen der Geburtshelferinnen seien über Generationen hinweg bewahrt, weiterentwickelt und weitergegeben worden. Und die traditionelle Bewässerung leiste einen entscheidenden Beitrag dazu, die biologische Vielfalt der Kulturlandschaften zu erhalten. „In Deutschland ist diese Form der Bewässerung unter anderem entlang der Flüsse Rednitz, Regnitz und Wiesent in Franken sowie im Gebiet der Queich in Rheinland-Pfalz bis heute lebendig“, hieß es.

Gute Nachrichten kommen ausnahmsweise auch aus den USA: Dort gehen die Nonnen auf die Barrikaden. Und zwar gegen den US-Waffenhersteller Smith & Wesson. Eine Gruppe von Frauen aus verschiedenen katholischen Orden hat Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Sie wollen den Produzenten von Tötungsinstrumenten zwingen, Verkauf und Vermarktung bestimmter Gewehre vom Typ AR-15 in Amerika einzustellen. Diese Gewehre hätten keinen anderen Zweck als Massenmord, heißt es in der Klageschrift. Dem Schriftsatz beigefügt ist das Foto einer solchen Waffe, die beim Amoklauf 2012 in einem Kino der Stadt Aurora verwendet wurde. Zwölf Menschen kamen damals ums Leben. Halbautomatische Gewehre vom Typ AR-15 haben bei privaten Waffenbesitzern in den USA einen fetischähnlichen Status; rund 15 Millionen dieser tragbaren Hinrichtungsmaschinen befinden sich in US-Haushalten. Halbautomatisch bedeutet, dass sich das Gewehr mit jedem Schuss automatisch lädt, bis das Magazin leer ist. Die Absicht der frommen Frauen in allen Ehren: Viel Hoffnung auf Erfolg dürfen sie sich leider nicht machen. Bisher war keine ähnlich gelagerte Klage erfolgreich. Und sollte ein gewisses Individuum, das sich nach wie vor für mindestens gottgleich hält, für alle vernunftgesteuerten Menschen allerdings für einen gefährlichen Geisteskranken gehalten wird, nächstes Jahr wieder ins Weiße Haus einziehen, wird es wohl als Erstes verfügen, dass jedem Jungen und Mädchen bei der Einschulung eine Knarre in die Schultüte gepackt wird. Damit Amerika wieder groß werde.

no/dpa

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