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Was wir beim Vorgänger nicht vermissen – und worauf wir beim Nachfolger hoffen.

Ausblick : 2021 – komm jetzt, mit dir tanz ich!

Was wir beim Vorgänger nicht vermissen – und worauf wir beim Nachfolger hoffen.

Endlich ist es vorbei. Das Jahr 2020, eine Abfolge von menschengemachten Maßeinheiten, die mit der Zeit nur insofern zu tun haben, als sie sie gliedern sollen. Denn der Zeit an sich ist es ja relativ egal, ob wir sie als Frühling, September, Donnerstag oder 11.23 Uhr bezeichnen.

Endlich ist es vorbei? Vielleicht war es ja nicht für alle Zeitgenossen so desaströs wie einerseits für jene, die schuldlos darunter gelitten haben (viel zu viele bis zum Tod) und andererseits für jene, die schuldhaft auf den Straßen tanzten und krakeelten in der festen Überzeugung, das Virus hätten Bill Gates und Angela Merkel im Geheimlabor im Wochenendhaus der Kanzlerin in der Uckermark gebastelt und sei überhaupt nur Fake-Kokolores. Bei ihrem Neandertaler-Protestgegröle hatten die querverquastdenkenden Demonstranten gewiss eine Menge Spaß.

Auch für andere war das Jahr 2020 gar nicht so schlimm, hatte es doch für den Rest der Welt ein überaus versöhnliches Abschiedsgeschenk: nämlich die Abwahl des wahnhaften Narren aus dem Weißen Haus, der bei seinem letzten Luftschnappen als „Politiker“ mit infantilem Rumpelstilzchen-Furor und dickem Filzstift so lange auf dem Schreibtisch herumkrakelte, bis er im Todeszucken seiner Tätigkeit alle mafiosen Kumpel aus dem Knast geholt hat (wo er möglicherweise selber noch landen wird). Dabei erinnert er nicht von ungefähr an einen ungezogenen Rotzlöffel, der, bevor ihn seine genervte Mutter nach Hause zerren kann, so lange in den Sandkasten pinkelt, bis keiner nach ihm mehr darin spielen kann. Also, dieser TWITTER-TYP mit der intellektuellen Kompetenz einer Amöbe (sorry, Amöbe, war nicht so gemeint!) ist Geschichte und wird, heiliges Indianerehrenwort, auf dieser Seite NIE WIEDER ERWÄHNT!!!l

Und wo bleibt das Positive? Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt! Auf jeden Fall begrüßen wir mit einem Knall (des Champagnerkorkens, nicht des Böllers!) also 2021. Was wird anders im Jahr des Büffels, um es mal chinesisch zu formulieren? Vermutlich erst mal gar nichts. Und eines ist sicher (nein, nicht die Rente): Die Maske bleibt, wie weiland die Loriot‘sche Ente, draußen das Accessoire schlechthin. Das heißt, wir brauchen immer noch nicht zu lächeln, wenn wir einem Bekannten oder einer Freundin begegnen. Sieht er oder sie ja eh nicht.

Doch werfen wir einen Blick in den Sommer, und siehe da, alles wird gut geworden sein (Futur II – wie selten wirst du gebraucht!) Halb Deutschland (mindestens) ist geimpft. Wir können wieder vollgesichtig und unbeschwert durch die Straßen flanieren, wildfremden Menschen spontan um den Hals fallen (okay, das ist auch vor der Pandemie eher selten passiert), dürfen uns ungeniert im Restaurant an Vierertischen drängeln mit Freunden aus mehr als zehn Haushalten und an der Bar Schenkel an Schenkel auf Hockern sitzen und zwischenmenscheln. Wir gehen frohgemut ins Kino, um Seit an Seit Popkorn zu knirschen, sitzen heiter gestimmt Ellbogen an Ellbogen im Theater und rufen „Bravo“ oder „Buh“, ohne uns um unsere Aerosole sorgen zu müssen. Wir können analog und mit vollem Körpereinsatz shoppen, was das Zeug hält und das Portemonnaie hergibt. Tschüss, Internethandel! Es lebe der Wühltisch!Wir dürfen uns wieder in die Ferienflieger quetschen, die uns in die Welt hinaus bringen, und an den Sonnenstränden aller Ozeane Handtuch an Handtuch rösten lassen.

Ob wir das alles allerdings wirklich wieder wollen, sei jetzt mal dahingestellt. Denn darum geht es, genaugenommen, auch gar nicht. Viel wichtiger, als das alles zu tun, ist das Gefühl zu wissen, man kann es tun, unbeschwert und sorglos, wenn einem der Sinn danach steht und einen die Lust überfällt.

Nein, keine falschen Hoffnungen: Wir werden weiterhin nicht in der besten aller möglichen Welten leben, und manch einer wird sich so sehr daran gewöhnt haben, den eigenen Garten zu kultivieren, dass er Hacke und Schaufel gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Auch das dürfte eine Erkenntnis sein, die manch einer aus diesem alles in allem düsteren Jahr gewinnt, das viele gar nicht und manche nur mit knapper Not überstanden haben. 2020, so viel steht fest, wird seine Spuren hinterlassen.

So, und jetzt bitte alle mal in die Zukunft schauen: Für 2021 gilt auf jeden Fall das, was für die vorhergehenden 2021 Jahre galt und die folgenden 2021 Jahre gelten wird - nämlich der Satz von Tenzin Gyatso: „Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere ist morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.“ Herr Gyatso ist übrigens besser bekannt unter seiner Berufsbezeichnung Dalai Lama. In diesem Sinne: 2021 – komm jetzt, mit dir tanz ich!