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Musik: Weit mehr als kulturelle Routine

Musik : Weit mehr als kulturelle Routine

Eindrucksvoller Auftakt: Bei der Eröffnung der Mozartwochen Eifel mit Mozart und Mendelssohn in Schönecken sind die Besucher hellauf begeistert.

Es war eine Feststimmung in der Pfarrkirche Schönecken, wie man sie auch in Kirchenkonzerten selten erlebt. Der Einzug von Kammerchor Westeifel und der Jungen Philharmonie Bonn unter dem respektvollen Beifall der 500 Besucher, schon er hatte etwas rituell Feierliches. Da kündigte sich ein Konzert an weitab von  kultureller Routine. Christoph Schömig muss diese Stimmung gespürt haben und nahm sie hinein in sein Dirigat. Von den ersten Takten an atmete Mendelssohns Vertonung von Psalm 95, „Kommt, lasst uns anbeten“, einen warmen Festglanz. Mit untrüglicher Sicherheit traf der Prümer Regionalkantor den Tonfall dieser Musik – ihre geniale Verbindung von Klangfülle und Feinheiten, ihre Statur und Bildkraft. Und dazu ihre emotionale Nähe zum Hörer – auch dem des 21. Jahrhunderts. Und in der herrlichen Vertonung von Psalm 42, „Wie der Hirsch schreit“, klingt bei Schömig und seinen Ensembles nicht nur der Gottesjubel mit, sondern auch Nachdenklichkeit – eine Suche nach Gott in materiell und seelisch schwerer Zeit.

Der Kammerchor Westeifel hat in seiner Größe das Kammerchor-Stadium längst hinter sich. Aber er hat seine kammermusikalischen Vorzüge bewahrt: Die Gesangskultur, die Text-Deutlichkeit, die Sicherheit bei der Intonation, die sich nur bei den tiefen Männerstimmen gelegentlich verliert. Vor allem: die rund 80 Sängerinnen und Sänger sind mit einer Wachheit dabei, die mitreißt, die überspringt auf die Hörer. Nichts wirkt unsicher und zaghaft. Der Chor strahlte eine fast euphorische Hochstimmung aus. Und die Junge Philharmonie Bonn, sie setzt vor allem im Bläsersatz eigene Schwerpunkte, formt ihr eigenes Klang-Profil. Dazu verkündet Tenor Marc Dostert in Psalm 95 den Aufruf zum Gebet mit prophetischer Kraft. Im wunderbaren Sopran-Duett („Denn in seiner Hand ist, was die Erde bringt“) entfalten Sabine Zimmermann und Eva-Maria Wenz einen schlanken und doch ausdrucksvollen Mendelssohn-Stil. Und die große Sopran-Arie in Psalm 42: Eva-Maria Wenz singt sie souverän, mit leuchtender Höhe. Und reiht sich danach bescheiden ein in den Chor.

Zwischen den beiden Mendelssohn-Kompositionen dann Mozarts „Vesperae solennes“. Keine Frage: Diese Komposition lässt sich auch anders musizieren – leichter, leiser beweglicher, kleiner besetzt. Christoph Schömig und sein Ensemble indes konzentrieren sich auf einen großen, fast schon sinfonischen Klang, auf strahlende Höhepunkte, markante Bläser und auf die enorme Präsenz im Chor. Aber Schömigs Interpretation klingt nicht nur laut und wuchtig. Auch sie entfaltet das Helle, Leichte, Optimistische in der Tonsprache des jungen Mozart, ihre aufgeklärte Frömmigkeit. Sogar im gezielt altertümlichen „stile antico“ des „Laudate Dominum“ klingt bei den Interpreten ein leichter, mozartischer Tonfall mit. Sabine Zimmermann, Ramona Pfeiffer, Marc Dostert und Helmut Marmann formieren sich zu einem bemerkenswert homogenen Ensemble. Und das abschließende Magnificat: Wieviel Energie und Entschiedenheit bringen Sängerinnen, Sänger und das Orchester auf für die prägnante Rhythmik in diesem Werk mit seinem heiklen Einstieg! Die Besucher waren hellauf begeistert. Kein Zweifel: Mozarts frühe Kirchenmusik ist mehr als Routinearbeit. Sie aufzuführen, lohnt die Mühe auf jeden Fall.