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Tanztheater: Wenn Bewegungen Bilder zeichnen

Tanztheater : Wenn Bewegungen Bilder zeichnen

Mit seiner aktuellen Choreographie „The Blind Narcissist“ setzt Saeed Hani Möller erneut ein sozialkritisches Thema bildhaft in eine Tanzproduktion für alle Sinne um. Das Stück ist bis Sonntag noch zweimal in der Messeparkhalle zu erleben.

Völlig nackt steht er da, alleine, ausgeliefert, schutzlos. Windet sich, stürzt nieder, kämpft sich hoch, ringt mit sich und der Welt. Gerade erst ist er aus dem Fluss gekrochen: Stockdunkel, ein Rauschen wie von einem riesigen Strom durchdringt den Raum, erhebt sich langsam ein Wesen unter einem weißen Laken. Bäumt sich auf, fällt in sich zusammen, krabbelt ans Ufer, enthüllt sich.

Saeed Hani Möller lässt in seiner aktuellen Choreographie „The Blind Narcissist“ seinen Tänzer Robin Rohrmann aus den Fluten erwachsen, um sich mit einem Menschen zu vereinen – ein deutlicher Bezug auf den antiken Mythos von Narziss, Sohn des griechischen Flussgottes Kephios. Doch der Narzisst sieht nur sich selbst – unzählige Male in den Spiegeln auf dem Boden und im Raum. Da genügt es, alleine zu sein. Sein eigenes Spiegelbild erregt ihn bis zur Ekstase –  einigen Selfiefotografen scheint es heutzutage ähnlich zu ergehen.

Auch als er sein Gegenüber in den Arm nimmt, trennt sie ein Spiegel; der Narzisst liebt wieder nur sich selbst. Das Bild zeigt aber auch: Wir sind alle Narzissten – jeder auf eine unterschiedliche Art. Als der andere in ihn hineinhorchen will – Hani Möller versinnbildlicht dies mit Mikrofon und Herzklopfgeräuschen –, dreht der Narzisst das Spiel um und hört nur sich.

Das Bühnenbild ist spartanisch (Alexander Harry Morrison). Säulen aus Drahtgeflecht begrenzen den Raum, lenken die Augen der 100 Zuschauer in der ausverkauften Messeparkhalle auf das Geschehen auf der Bühne. Gabriel Lawton und Robin Rohrmann sind eine Idealbesetzung, ihr Tanz gleichsam sensibel und fließend, elegant und beschwingt, kraftstrotzend und dynamisch.

Lawton tanzt mit und vor den Spiegeln, wirft sich in Pose. Sein purpurrotes Rüschenkostüm (Nadja Führinger) wirkt edel, zeigt seine Überheblichkeit. Sein Gegenüber nimmt er nicht als vollwertig wahr. Lawton hebt Rohrmann auf die Arme, schwenkt ihn herum wie eine Puppe. Diese Leichtigkeit, dieses Mühelose, verlangt enorme Kraft und immense Körperspannung. Mit den Bewegungsbildern, die er komponiert, schafft Hani Möller eine neue Art Choreographie.

Weitere Termine: 24. und 25 Oktober, jeweils 20 Uhr. Weitere Informationen unter: www.menschmitmensch.de