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Musik: „Wenn es wieder losgeht, gehören wir zu den Ersten“

Musik : „Wenn es wieder losgeht, gehören wir zu den Ersten“

Trotz Corona planen die Organisten von Konstantinbasilika und Dom in Trier Konzerte, auch zum 200. Geburtstag von Georges Schmitt.

Der Probenraum der Dommusik gibt sich coronatypisch karg: Ein Dutzend Stühle im Halbkreis mit weiten Abständen. Das wirkt nicht gerade motivierend. Aber Martin Bambauer und Josef Still, die Organisten an der Basilika und am Dom, sie reagieren auf die ungewohnte Atmosphäre mit erstaunlicher Gelassenheit. „Ich bin froh, dass ich Organist bin“, sagen beide mit leiser Distanzierung.

Das war nicht immer so. Als sich im Februar 2020 herausstellte, dass der Coronavirus doch nicht so einfach zu beherrschen ist, muss die Überraschung auch auf den Orgelbänken groß gewesen sein. „Wir hatten gedacht, die Angelegenheit sei zu Ostern erledigt“, sagt Still. Im Tonfall der beiden Kirchenmusiker schwingt noch heute Erstaunen mit. Aber beide reagierten rasch. Und konnten sich auf die spezielle und in diesem Fall vorteilhafte Position des Organisten stützen: „Wir haben ein Privileg“. Statt sich unter das musizierende oder zuhörende Volk zu mischen, kann der Organist in einer Art „splendid isolation“ oben am Spieltisch residieren. Das erspart weitgehend organisatorische Klimmzüge, und macht sogar einige langfristige Planungen möglich – freilich immer unter Vorbehalt. Martin Bambauer musste den Interpreten des Basilika-Orgelzyklus’ 2020 komplett absagen. Jetzt hat er sie für 2021 eingeladen und kann sich über Zusagen freuen – vorläufige, versteht sich.

Überhaupt: Auch bei Orgelkonzerten fahren Interpreten und Veranstalter großenteils auf Sicht. Am Hochamt zum 1. Fastensonntag,  spielten Still und Ulrich Krupp an Haupt- und Chororgel fünf Stücke für zwei Orgeln. Und trotz unsicherer Terminlage sind Bambauer und Still sicher, dass das ehrgeizige Louis-Vierne-Projekt abgeschlossen wird. Geplant war für 2020 eine Gesamtaufführung des Orgelwerks zu Viernes 150. Geburtstag, ein Riesenprojekt. „So etwas macht uns so schnell keiner nach“, sagen sie selbstbewusst. Drei Viertel davon sind erledigt, aber wichtige Kompositionen, darunter einige Orgelsinfonien, warten noch auf ihre Interpreten. Der Dom-Orgelzyklus vom 18. Mai bis 22. Juni und wohl auch die Reihe in der Basilika, sie konzentrieren sich ganz auf den großen Orgelmeister

Durch die akuten Umstände fallen der nachgeholte Vierne- und der aktuelle Georges-Schmitt-Jahrestag zu einer Art „Jubiläums-Fusion“ zusammen. Wobei beide Organisten betonen: Vierne und Schmitt kommen durch Zufall zusammen, nicht durch Planung. „Man darf sie nicht zusammensehen“, sagt Josef Still.

Schmitt, der am 11. März vor 200 Jahren in Trier geboren wurde, gehört zweifelsfrei nicht zu den ganz Großen der Orgelmusik. Aber beide Organisten betonen: Schmitt ist so trivial keineswegs. Da gebe es doch immer Klänge und melodische Wendungen, die mehr seien als nur akustische Klischees. Jedenfalls dominieren bei den Organisten Zuversicht und auch Selbstbewusstsein: „Wenn es wieder los geht, werden wir zu den Ersten gehören“.

Nächste Aufführung: Sonntag, 28. Februar, 10 Uhr, im Trierer Dom: Hochamt mit Chor- und Scholagesang, Lieder aus dem Gotteslob, Felix Mendelssohn Bartholdy: III. Orgelsonate „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“.