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Wie entstehen Ideen? Kreative Menschen aus der Region berichten

Fünf Kreative befragt : Wie entstehen Ideen?

Wie entstehen Ihre Ideen? Lesen Sie, was fünf kreative Menschen aus der Region auf diese Frage geantwortet haben.

Der Pariser Eiffelturm, der „Eames Plastic Chair“ oder das Smart-Phone. Alles, was uns umgibt, ist irgendwann ausgedacht worden. Aber wie kam der Impuls dazu? Jeden Tag träumen Menschen von der Idee ihres Lebens, suchen Firmen zusammen mit ihren Teams nach großen und kleinen Lösungen. Es gibt Bücher voller Kreativ-Techniken und Seminare dazu — ohne Erfolgsgarantie. Welchen Anteil an einem Entstehungs-Prozess hat der zündende Funke, welchen haben Erfahrung, Planung und Zufall? Fünf kreative Menschen aus der Region geben Auskunft, wo und wie ihre Ideen entstehen und zeigen eine ihrer Arbeiten.

Bodo Korsig, Künstler, Trier: 

Wo und wie entstehen Ihre Ideen?

Fast alle meine Ideen entstehen an den absurdesten Orten, beim Laufen, Fahrrad- oder Autofahren, in Flughäfen, Bahnhöfen, im Supermarkt, beim Musik hören, aber am wenigsten in meinem Studio.

Wieviel Anteil daran haben Planung und Erfahrung, wieviel der Zufall?

Meine Kunstwerke oder Filmprojekte entstehen nicht durch Zufall, sondern werden sorgfältig geplant beziehungsweise konzipiert. Alles Erlebte, Erfahrene der letzten Jahrzehnte fließt In meine Arbeit ein.

Welches Werk/welche Arbeit macht Sie bis jetzt am meisten stolz und warum? 

Es ist meistens das letzte entstandene Werk. Somit die 22 x 13 Meter große interaktive Projektion bei der Trierer Illuminale zusammen mit Bonko Karadjov, die einen riesigen überdimensionalen Spermienschwarm darstellte. Es war wundervoll, nach wochenlanger Arbeit endlich zu sehen, wie die Betrachter mit ihren Körpern in diesen Mikrokosmos der projizierten Kunstinstallation eingetaucht sind.

Véronique Schweizer, Modedesignerin und Gründerin des Modeschmucklabels „VRNQ – handmade jewelry“, Trier:

Aus der Masterarbeit „A College of Memories“ von Veronique Schweizer (Model: Svenja Woltmann).
Aus der Masterarbeit „A College of Memories“ von Veronique Schweizer (Model: Svenja Woltmann). Foto: Michelle Geist

Wo und wie entstehen Ihre Ideen?

Im Alltag, auf Reisen, im Zug oder vor dem Schlafengehen –, vor allem dann, wenn ich entspannt bin und es mir gut geht. Es ist wichtig, mit offenen Augen und voller Neugierde durch die Welt zu gehen, um Inspiration zu entdecken.

Wieviel Anteil daran haben Planung und Erfahrung, wieviel der Zufall?

Ich sammle ständig Eindrücke und Informationen, irgendwann werden sie verknüpft und dringen an die Oberfläche. Auch wenn uns Ideen am Ende manchmal zufällig erscheinen, würde ich Kreativität als einen geplanten Prozess beschreiben. Erfahrung ist hilfreich. Das habe ich in meinem Modedesign-Studium gelernt. Unerfahrenheit kann aber auch von Vorteil sein. Man denkt groß und bricht anschließend alles herunter.

Welches Werk/welche Arbeit macht Sie bis jetzt am meisten stolz und warum? 

Das ist die Masterarbeit meines Modedesign-Studiums. Viele Studierende stehen deswegen irrsinnig Druck, was die Kreativität hemmt, vergleichbar mit der Angst vor einem leeren Blatt Papier. Doch irgendwann habe ich meiner Intuition vertraut und das Blatt reichlich und gut gefüllt.

Harald Rüssel, Sternekoch, Naurath/Wald:

 Einfach nachhaltig: Harald Rüssels Messerserie mit Griffen aus altem Fassdauben-Holz.
Einfach nachhaltig: Harald Rüssels Messerserie mit Griffen aus altem Fassdauben-Holz. Foto: Foto: © Benny Dutka.

Wo und wie entstehen Ihre Ideen?

Grundsätzlich brauche ich eine positive Grundeinstellung und Freude, Dinge zu bewegen. Ich denke zuerst an das Ergebnis und nicht an mögliche wirtschaftliche Folgen. Man sollte davon abstrahieren können und die Vision schon vor sich sehen. Beim Kochen ist es oft die Jahreszeit, die mich inspiriert, dann das Produkt (die Zutaten). So entsteht ein Gericht zuerst im Kopf – und mit handwerklichem Können dann auf dem Teller.

Wieviel Anteil haben Planung und Erfahrung, wieviel der Zufall?

Erfahrung ist wichtig, und Abstrahieren zu können. Das hat wenig mit Zufall zu tun.

Welches Werk/welche Arbeit macht Sie bis jetzt am meisten stolz und warum? 

Natürlich an erster Stelle mein gemeinsames Projekt mit meiner Frau, unser Landhaus. Dieses feine, kleine Landhotel ist unsere Basis, die wir mit Freude weiter entwickeln. Schön waren auch kleine kreative Projekte, wie mein Gin, viele Aktivitäten in Sachen Berufsnachwuchs oder meine Messerserie mit Fassdaubengriffen. Das Holz hat mehr als dreißig Jahre als Fuderfassholz seinen Dienst getan, es wurde getrocknet und wieder verwertet. Einfach nachhaltig.

Monika Pawelke, Hein & Pawelke, Architekten Trier:

Kleine Bibliothek oder Bücherhaus: Entwurf des Architekturbüros Hein & Pawelke.
Kleine Bibliothek oder Bücherhaus: Entwurf des Architekturbüros Hein & Pawelke. Foto: Foto: Hein & Pawelke

Wo und wie entstehen Ihre Ideen?

Wahrnehmung und Assoziationen, Humor und Fantasie spielen eine große Rolle. Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt läuft, legt man mit der Zeit eine interne Bibliothek an, auf die man spontan zurückgreift. Die Ideen kommen dann bei einer schönen Tasse Kaffee, manchmal im Wald beim Radfahren und manchmal auch am Schreibtisch.

Wieviel Anteil daran haben Planung und Erfahrung und wie viel Zufall?

Für die Bestandsaufnahme der Rahmenbedingungen und die hinterfragende Analyse einer Aufgabenstellung ist die Erfahrung sehr hilfreich, der Zufall spielt aber eine genauso große Rolle. Gute Ideen entwickeln sich anschließend meist im Austausch mit Kollegen. Wir haben das Glück, dass wir ganz ähnlich ticken und uns sehr gut ergänzen.

Welches Werk/welche Arbeit macht Sie bis jetzt am meisten stolz und warum?

Es ist keine einzelne Arbeit, die uns stolz macht. Besonders freut uns die positive Resonanz, die wir zu fertiggestellten Projekten auch Jahre später bekommen.

Sven Nieder, Fotograf und Verleger, Daun:

 Aus dem Projekt „Stella Polaris* Ulloriarsuaq“. Foto: Eifelbildverlag/Sven Nieder
Aus dem Projekt „Stella Polaris* Ulloriarsuaq“. Foto: Eifelbildverlag/Sven Nieder Foto: Eifelbildverlag

Wo und wie entstehen Ihre Ideen? 

Eine Idee startet häufig mit einer Inspiration. Die verstehe ich wie einen Samen, aus dem ein großer Baum werden kann.

 Wieviel Anteil daran haben Planung und Erfahrung, wieviel der Zufall?

Damit aus dem Samen etwas entsteht, müssen Ort, Erde, Licht und Wasser passen. Bei einer Idee sind das sorgfältige Planung und Erfahrung. Beides hilft, den Samen keimen zu lassen. Kommt dann das Quäntchen Zufall hinzu, kann aus der Idee ein Projekt erwachsen.

Welches Werk/welche Arbeit macht Sie bis jetzt am meisten stolz und warum? 

Stolz ist kein Begriff, den ich benutze. Die erfolgreichste Arbeit war wohl „Stella Polaris* Ulloriarsuaq“, bei der wir in Grönland mit Taschenlampen das Eis angeleuchtet und fotografiert haben. Daraus sind ein international beachtetes Buch und ein Film entstanden. Woran ich mich am liebsten erinnere, ist ein Camera Obscura-Projekt als Abschlussarbeit an der Fachhochschule Bielefeld. 2004 bin ich den damals noch recht unbekannten Jakobsweg gegangen und habe die Reise mit einer selbstgebauten Lochkamera fotografiert. Das Buch dazu wurde seinerzeit im Schaden Verlag veröffentlicht.