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Wie man aus 111 Stunden zwei macht und (fast) alles sagt

Theater : Wie man aus 111 Stunden zwei macht und (fast) alles sagt

Joya Gosh & Friends präsentieren „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt“.

Nehmen wir mal eine Spielzeit von durchschnittlich 180 Minuten (inklusive Pause) für jedes der 37 Stücke von William Shakespeare an, so ergäbe sich für die Gesamtdauer die Schnapszahl von 111 Stunden. Die zu erreichen hat aus naheliegenden Gründen noch kein Regisseur versucht – der Ausdauerrekord, zumindest in Europa, 2000 zur Expo von Hannover von Peter Stein aufgestellt, ist noch ungebrochen: Er brauchte damals für Goethes „Faust I und II“ im Doppelpack läppische 22 Stunden.

Zeit ist Geld, und da besonders Letzteres bei vielen künstlerischen Unternehmungen knapp ist, dachten sich drei junge englische Schauspieler, warum nicht auch an der Zeit sparen und Shakespeares Historien, Tragödien und Komödien an einem Abend herunterreißen? „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield wurde 1987 uraufgeführt und hat sich zu einem Dauerbrenner entwickelt, der jetzt auch dem Publikum im Kasino in Trier einheizte. Joya Gosh hat das „Best of“ des Dichters mit Thom Nowotny, der zwischen 2004 und 2013 in diversen Römerrollen durch Triers antike Stätten tobte, und dem Trierer Schauspieler Michael Roller zusammengefasst.

Die Regisseurin führt auch als Moderatorin durch den Abend, der vor allem von der Lust der Darsteller an schülerhaftem Klamauk lebt. Denn mehr, seien wir ehrlich, liefert die Zeitrafferversion nicht. Dies als Prämisse gesetzt, macht es dann allerdings Laune, den drei Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie ihren jeweiligen Affen so viel Zucker geben, dass denen am Ende der Show kariesbedingt alle Zähne ausgefallen sein dürften.

37 Stücke in zwei Stunden – da bleiben natürlich nicht mehr als ein paar altbekannte Zitate, die dem Publikum um die Ohren gehauen werden, karnevaleske Verkleidungen mit albernen Perücken und schweißtreibende Aktionen auf der Bühne, in die sich unversehens auch eine sichtlich irritierte Zuschauerin hineingezerrt sieht.

Überhaupt muss das Publikum auch als Ganzes ran, um dem Hamlet beziehungsweise seiner Ophelia Beine zu machen. Das Drama um den Dänenprinzen schaffen die drei Akteure übrigens in sage und schreibe fünfzehn Minuten, und aus dieser Viertelstunde kondensieren sie noch eine Kurz- und Kürzestfassung. Aber auch für die gilt: Der Rest ist Schweigen.

Was das überwiegend jugendliche Publikum allerdings nicht davon abgehalten hat, die drei Akteure mit Pfiffen und Applaus zu feiern.