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Zwei neue Gesichter am Theater: Raphael Grosch und Lennart Hillmann

Theater : Ab jetzt auch Trier im Gepäck

Zwei neue Gesichter am Theater: die Schauspieler Raphael Grosch und Lennart Hillmann.

Aus einer kleinen Stadt in eine Metropole und zurück in eine mittelgroße Stadt: So lässt sich, kurz und bündig, aus geografischer Perspektive der Berufsweg von Raphael Grosch und Lennart Hillmann beschreiben. Grosch, 1978 in Eupen im deutschsprachigen Belgien geboren, ging zur Verwirklichung seines Berufswunsches nach Köln; Lennart Hillmann, Jahrgang 1995 und in Lüneburg aufgewachsen, zog es nach Berlin, wo er ein Studium an einer der renommiertesten deutschsprachigen Schauspielschule, Ernst Busch, absolvierte. Beide, relativ jung beziehungsweise blutjung, sind dennoch alte Hasen im Geschäft – Grosch mit weit über dreißig Theaterauftritten in Aachen, Bonn, Stuttgart, Berlin und München; Hillmann, der seine Ausbildung erst im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen hat, wirkte in diversen Hochschulproduktionen mit und „professionell“ an Aufführungen unter anderem an der Berliner Volksbühne, wo er unter der Regie von Leander Haußmann in dessen Stück „Haußmanns Staatssicherheitstheater“ auftrat. Zudem können beide auf mehrere Film- und Fernsehauftritte verweisen, darunter „SOKO Wismar“ und „Notruf Hafenkante“ (Hillmann) oder „Danni Lowinsky“ und „Tatort“ (Grosch).

Und jetzt sind sie in Trier. Und fühlen sich hier „sehr willkommen“, wie beide übereinstimmend berichten. „Die Sympathie für Grenzregionen erscheint mir in dieser Gegend sehr ausgeprägt“, erzählt Grosch, der in der Nähe zu gleich vier Grenzen aufgewachsen ist: „Das macht mir Trier schon vertraut.“ Für Lennart Hillmann dagegen sei es erst einmal „eine Umstellung gewesen von Berlin nach Trier“. Andererseits habe es auch etwas Befreiendes gehabt, aus einer unübersichtlichen Metropole in eine überschaubare Stadt zurückzukehren, wie er sie aus seiner Jugend kenne. „Der Zugang zu allem ist eben viel leichter.“

Natürlich müsse man sich in allem, was man kennt, reduzieren, sagt Grosch. Was allerdings auch eine gewisse (Lebens-)Qualität mit sich bringe: Man müsse nicht dauernd aus einem schier unübersichtlichen Angebot wählen, wenn es um die Freizeitgestaltung geht. Hillmann weist auf einen anderen Aspekt hin: Im Berliner Theaterbetrieb gebe es sehr viel „Hochkultur“, was sich nicht zuletzt im (Selbst-)Bewusstsein der „Künstler*Innen“ – er spricht es tatsächlich genauso aus, wie es genderbewusste Aktivist*Innen so gerne hören – spiegele. Da könne man bisweilen den Eindruck gewinnen, Theater werde für die Kritiker und weniger für die Zuschauer gemacht. „Hier dagegen merkt man, dass der Intendant sehr nahe an seinem Publikum ist und weiß, was die Zuschauer möchten.“ Was er keinesfalls als „weniger anspruchsvolles Theater“ verstanden wissen will. Dafür hat er eine ziemlich festumrissene Vorstellung davon, was „gutes Theater“ ist: nämlich jenes, das keine Gruppe ausschließt und sich nicht nur an jene wendet, „die das Stück schon drei Mal gelesen oder in fünf unterschiedlichen Inszenierungen gesehen haben, um ,mitreden‘ zu können“.

Schauspieler habe er übrigens werden wollen, seitdem er als Achtjähriger erstmals auf einer Bühne stand, erzählt Hillmann. Und so war es für ihn auch nach dem Abi­tur Plan A, diesen Beruf zu ergreifen. Es gab zwar einen Plan B, aber der sollte tunlichst in der Schublade bleiben – die er dann glücklicherweise nicht öffnen musste.

Grosch gesteht, „nicht so mutig“ wie der Kollege gewesen zu sein. Zwar habe auch er gerne geschauspielert, aber nach der Schule sicherheitshalber erst mal Politikwissenschaften in Aachen studiert. Wobei die Schauspielerei während der vier Semester stets „in ihm weitergebrannt habe“. Die richtige Bühne gewann schließlich die Oberhand gegenüber der Aussicht, möglicherweise irgendwann einmal als Bundeskanzler zu enden (was für ihn als Belgier ohnehin nicht so einfach geworden wäre). Und so wechselte er auf eine Kölner Schauspielschule.

Macht es einen Unterschied, ob man seine Ausbildung an einem Privatinstitut oder einer über die Landesgrenzen hinaus berühmten Schauspielschule absolviert? Öffnen sich die Türen zu den Thea­tern im einen Fall leichter als im anderen? „Nur weil man von einer renommierten Schule kommt, wird einem nicht der rote Teppich ausgerollt“, antwortet Lennart Hillmann. „Denn letzten Endes muss man sich allein auf der Bühne beweisen und die Menschen mit seiner Leistung überzeugen.“ In die gleiche Kerbe schlägt Grosch. Da er allerdings auf ein paar Berufsjahre mehr verweisen kann, „fragt mich keiner mehr, auf welcher Schule ich war. Sondern nur, was ich vorher gemacht habe. Aber wie mein Kollege schon gesagt hat: Am Ende zählt die Qualität, die man bietet, und nicht das Gütesiegel der Schauspielschule.“

Lennart Hillmann Foto: Theater Trier/MARCO PIECUCH/MARCO PIECUCH

Sollten bei Raphael Grosch, engagementmäßig betrachtet, mal ruhigere Zeiten kommen, hat er noch ein anderes Standbein, das ihn aufrecht hält: die Musik. Als Pianist und Sänger ist er bereits mehrmals aufgetreten, und seiner Wahlheimat Köln hat er sogar schon eine Liebeserklärung gemacht mit dem Song „Kölle im Gepäck“ – nachzuhören auf Spotify und (zu sehen) auf Youtube, wo er als „RAGRO“ auftritt. Mal sehen, ob er demnächst auch seinem derzeitigen Wohnort eine Hymne widmet. „Trier im Gepäck“ hat ja zumindest schon mal das gleiche Versmaß.