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Energie
Alkohol im Sprit: E10 an Luxemburger Tankstellen

FOTO: dpa / Christophe Gateau
Luxemburg. An Luxemburgs Tankstellen wird seit Jahresanfang das in Deutschland unbeliebte E 10 verkauft. Von Bernd Wientjes

Wer in den vergangenen Tagen in Luxemburg Super getankt hat, der hat es bemerkt oder womöglich ohne zu wissen einen anderen Sprit in den Tank gefüllt als noch im vergangenen Jahr. Seit 1. Januar gibt es an den Tankstellen im Großherzogtum als Super 95 das in Deutschland noch immer ungeliebte E 10. E steht für Ethanol und 10 für den Anteil des Biokraftstoffes im Benzin. Bislang gab es Superkraftstoff ausschließlich mit einem Anteil von fünf Prozent des biologisch hergestellten Ethanols.

Hierzulande ist E-10-Benzin noch immer ein Nischenprodukt, auch weil es an den hiesigen Tankstellen neben den üblichen Benzinsorten mit fünfprozentiger Ethanolbeimischung verkauft wird – und zwar zu einem höheren Preis. Als es vor acht Jahren in Deutschland eingeführt worden ist, hat es große Widerstände gegeben, von Autokonzernen wurde zum Boykott des Biosprits aufgerufen, weil es angeblich die Motoren kaputt macht, da der Alkohol Schläuche und Dichtungen angreifen würde. Die Mineralölunternehmen führten E 10 widerwillig an ihren Zapfsäulen ein. Die Bundesregierung  setzte mit dem verpflichtenden Einsatz von Biokraftstoff Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU um. Doch E 10 hat sich in Deutschland bis heute nicht durchgesetzt. Der Biosprit hat gerade mal einen Marktanteil von 13 Prozent. Zum Vergleich: In Belgien sind es 80 Prozent.

In Luxemburg soll das anders werden. Schon allein deshalb, weil Autofahrer, die Benzin tanken, kaum eine Wahl haben. Wer nicht E 10 tanken will (oder kann, weil es der Motor seines Wagens nicht verträgt), dem bleibt – anders als in Deutschland – als Alternative nur das um bis zu fünf Cent pro Liter teurere Super plus zu zapfen, das nur fünf Prozent Bioethanol enthält. Das bisherige Super 95 mit fünf Prozent Ethanol-Anteil wird seit 1. Januar nicht mehr verkauft. Der luxemburgische Mineralölverband GPL sieht aber kein Problem mit E 10. Der moderne luxemburgische Fuhrpark werde das neue Benzin zu 98 Prozent verkraften, zitiert die Tageszeitung „Tageblatt“ den Vizepräsidenten des Verbandes, Paul Kaiser. Mittlerweile ist auch in Deutschland bekannt, dass der Biosprit in fast allen Autos problemlos, ohne dass der Motor Schaden nimmt, verwendet werden kann.

Luxemburg will mit der Einführung von E 10 sein Ziel erreichen, bis 2020 den Anteil  des dort verkauften Kraftstoffes aus erneuerbaren Energien auf zehn Prozent zu erhöhen. Ethanol wird aus Biomasse gewonnen, etwa aus Zuckerrohr oder auch Zuckerrüben. Seit Jahren steigt der Kraftstoffverkauf in Luxemburg, im Jahr 2017 lag die Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast vier Prozent.

Der Biokraftstoff gilt als umweltfreundlicher, weil  bei der Verbrennung weniger Schadstoffe entstehen. Allerdings, darauf weist auch die gemeinsame Informationskampagne des luxemburgischen Mineralölverbandes, des Automobilclubs und des Tankstellenverbandes (www.e10.lu) hin, kann der Spritverbrauch durch E 10 um bis zu zwei Prozent steigen.