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Konjunktur
Dramatische Zunahme bei Firmenpleiten

Luxemburg. Im Großherzogtum ist der absolute Höchststand erreicht. Auskunftei Creditreform sieht den Anstieg um knapp 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr als Zeichen eines Strukturwandels. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

() Vor allem Kleinstunternehmen mit weniger als drei Mitarbeitern haben in Luxemburg Federn gelassen. Ihre Zahl an den Firmeninsolvenzen im Großherzogtum ist „auffallend“, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilt.

Mit insgesamt 1195 Firmenpleiten im Jahr 2018 hat die Zahl der Konkurse ihren absoluten Höhepunkt erreicht und sogar den Wert aus dem Jahr 2012 mit 1033 Konkursen noch übertroffen. „Bisher war im Jahr 2012 der höchste Stand“, sagt Herbert Eberhard, Chef von Creditreform Luxemburg. Im Vergleich zum Jahr 2017 liege der Anstieg bei 27,81 Prozent.

Damit entwickelt sich Luxemburg in eine andere Richtung als Deutschland. Hier wurden im abgelaufenen Jahr 19 990 Insolvenzen gezählt – das ist ein Rückgang von 1,2 Prozent und der niedrigste Wert seit 1994 (der TV berichtete). Noch stärker ist der Rückgang in der Region Trier, wo die Unternehmensinsolvenzen sogar um 14,7 Prozent gesunken sind. „Die trotz guter Konjunktur eingetretenen Höchstwerte bei den Konkursen 2018 sind Zeichen eines Strukturwandels“, sagt Herbert Eberhard. „Die gleichzeitig niedrigen Konkurszahlen bei Unternehmen in einem Alter unter fünf Jahren zeigen den Erfolg der zahlreichen Initiativen, Firmen in Luxemburg anzusiedeln. Soweit sich die Strukturprobleme nicht verschärfen, könnten in Verbindung mit einer weiterhin guten Konjunktur in Mitteleuropa die Konkurszahlen wieder rückläufig sein“, prognostiziert er für dieses Jahr.

Die Zahl der im Jahr 2018 in Konkurs gegangenen Unternehmen mit einem Alter von über fünf Jahren ist mit 78,24 Prozent erneut im Vergleich zu 2017 stark gestiegen. Der Anteil älterer Unternehmen lag Anfang der 2000er Jahre noch bei 40 bis 45 Prozent. Für Schlagzeilen sorgte im vergangenen Jahr etwa die Pleite des Nahrungsmittelherstellers Tavola in Capellen, bei dem rund 100 Jobs betroffen waren, der Konkurs des Transportunternehmens Mancino in Zolver mit über 20 Mitarbeitern und der Tankschiffgesellschaft EH Verwaltung S. à r.l. aus Roedt mit 52 Mitarbeitern. Kurz vor Jahreswechsel folgte das im Finanzsektor tätige Unternehmen Alliage Management SA in Luxemburg mit 84 Mitarbeitern, dessen Hauptsitz sich in Paris befindet.

Auffallend sei, dass branchenübergreifend viele Unternehmen in Konkurs gegangen sind, die weniger als drei Mitarbeiter beschäftigten. Zudem sei der Handel mit 254 Unternehmenspleiten in absoluten Zahlen weiterhin stark vertreten. Gegenüber dem Vorjahr (196) ist die Gesamtzahl gestiegen, und zwar um 29,59 Prozent. Der Anteil an den Konkursen liegt mit 21,26 Prozent in etwa auf Vorjahresniveau. Der Dienstleistungsbereich (882 Fälle) bleibt mit 73,81 Prozent (73,69 Prozent 2017) allerdings trauriger Spitzenreiter.

Im produzierenden Gewerbe gab es 2018 in Luxemburg zehn Firmenpleiten (2017: eine). Die Konkursquote im Baubereich ist mit 4,10 Prozent weiter rückläufig (Vorjahr: 5,38 Prozent).