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Lexikon
Géi heem bei déng Mamm!

FOTO: TV / Jakobs, Ralf
Manch ein Grenzgänger oder Tanktourist mag es beobachtet haben. An diesem Wochenende, Sonntag, 10. Juni, feiern unsere Nachbarn ihren Muttertag, den Mammendag. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Demgegenüber fällt er in Deutschland meistens auf den zweiten Sonntag im Mai. In den meisten deutschsprachigen Ländern fällt der Gedenktag demnach auf dasselbe Datum, festgelegt ist dies jedoch weltweit nicht. Und während die deutschen Väter ihren Gedenktag traditionell an Christi Himmelfahrt begehen, müssen die Luxemburger Väter noch bis zum 7. Oktober warten. Folglich werden wir uns auch später mit dem Wortschatz zum Pappentag beschäftigen und heute der Mamm,  Mutter, ein wenig Raum im Luxemburgisch-Lexikon einräumen. Um die Mamm ranken sich naturgemäß viele emotional überhöhte Redensarten. Beispiele:

D‘Kanner vergiessen hir Mamm, eng Mamm hir Kanner nët.

Die Kinder vergessen ihre Mutter, eine Mutter ihre Kinder nicht.

Keng Mamm huet en Houerekand.

Keine Mutter hat ein Hurenkind. Übertragen: Ob ehelich oder unehelich, alle Kinder sind der Mutter gleich lieb.

Und wer als Ehefrau unzufrieden mit dem Ehemann ist, kann ihn zu seiner Mutter nach Hause schicken:

Géi heem bei déng Mamm!

Kinder, die androhen, zu Hause zu petzen, sagen:

Ech soe ménger Mamm et .

Ich sage es meiner Mutter.

Und um die Ähnlichkeit mit der Mutter auszudrücken, heißt es:

D‘Aën huet dat Klengt vun der Mamm.

In Farbe und Ausdruck hat das Kind die Augen der Mutter.

Et as der Mamm aus dem Gesiicht geschnidden.

Es ist der Mutter wie auch dem Gesicht geschnitten

Emotional und finanziell anhängliche Kinder beschreibt man so:

D‘Kanner hänken der Mamm ëmmer um Schiirtech.

Die Kinder hängen der Mutter immer am Rockzipfel.

Dee Bouf läit der Mamm ëmmer op der Täsch.

Der Junge liegt der Mutter ständig auf der Tasche, lässt sich von ihr aushalten.

Mamm, in der Koseform auch Mammchen, Mammeli, Mimmelchen oder Mimmeli genannt, benutzt man auch als Ausruf der Klage oder des Kummers:

O Mamm, o Mamm!

O Mamm, o Kanner!

O Mamm, wat gi mer do maachen?

Oh je, was kann man da machen?

 

Sabine Schwadorf

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