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Liebe spielt im Luxemburger Adel nun die Hauptrolle

Besondere Briefmarken zur Prinzenhochzeit: Die Luxemburger Post hat die Verlobungsfotos von Prinz Guillaume und Gräfin Stéphanie auf Postwertzeichen à 85 und 60 Cent gedruckt. TV-Foto: Frank Göbel
Besondere Briefmarken zur Prinzenhochzeit: Die Luxemburger Post hat die Verlobungsfotos von Prinz Guillaume und Gräfin Stéphanie auf Postwertzeichen à 85 und 60 Cent gedruckt. TV-Foto: Frank Göbel
Luxemburg. Die Hochzeit von Erbgroßherzog Guillaume und Gräfin Stéphanie de Lannoy ist eine echte Liebesverbindung. Was heute normal erscheint, war vor wenigen Jahrzehnten - auch in Luxemburg - noch eine Provokation in der europäischen Aristokratie. Sabine Schwadorf

Luxemburg. Als im Februar 1981 der amtierende Großherzog Henri seine Verlobte, die kubanische Bankiers- und Großgrundbesitzertochter Maria Teresa Mestre, heiratet und die Traumhochzeit mit einem echten, innigen Kuss besiegelt, zieht zum ersten Mal in der Geschichte des Luxemburger Adels die Liebe mit auf Schloss Berg im Kanton Mersch, den Sitz der großherzoglichen Familie, ein. Denn mit der aktuellen Großherzogin kommt erstmals eine zwar wohlhabende, aber doch bürgerliche Frau an die Spitze des kleinen Landes.
Bis dahin sind Adelshochzeiten in Luxemburg - wie beim Rest der königlichen Hoheiten Europas auch heute zum Teil noch - eine Sache der Diplomatie und Politik. Und so munkelt man im einzigen Großherzogtum der Welt, dass die Großherzog-Mutter Joséphine-Charlotte - ganz wie im Kitschfilm mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm als österreichischem Kaiserpaar Sissi und Franz - gegen die Verbindung gewesen sein soll.
Der inzwischen verstorbene Luxemburger Heraldiker und Adelsexperte Jean-Claude Loutsch sagte anlässlich des Thronwechsels in Luxemburg vor zwölf Jahren gegenüber dem TV: "Der königliche Adel, so auch das Fürstenhaus Luxemburg, heiratete nicht aus Liebe." Denn als Altgroßherzog Jean (91), Vater von Henri und Großvater von Erbgroßherzog Guillaume, die belgische Prinzessin Joséphine-Charlotte 1953 ehelichte, sei dies noch ein eindeutig politisches Ereignis gewesen. "Die beiden Länder Luxemburg und Belgien wollten eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik aufnehmen", sagte Loutsch.
Noch stärker werden die Generationen zuvor von den Machtverhältnissen in Europa und dem religiösen Glauben der Herrscherhäuser vereinnahmt. So konvertiert etwa der Urgroßvater von Henri und zweite Regent der Dynastie von Nassau, Wilhelm IV., zum katholischen Glauben, um vom luxemburgischen Volk akzeptiert zu werden. Seine Tochter Charlotte heiratet Prinz Felix von Bourbon-Parma, den nächsten Verwandten der letzten französischen Könige. Ihre Schwestern ehelichen katholische Adelige - weniger aus Zuneigung als aus schierer Not heraus. "Es war und ist heute noch in einer katholischen königlichen Familie undenkbar, evangelisch zu heiraten", so Loutsch. Der Haken: Viele europäische Königshäuser sind protestantisch - etwa das englische, das schwedische, das niederländische.
Dennoch: Die großherzogliche Familie ist mit jedem derzeitigen europäischen Regenten verwandt, Henri ist Neffe des belgischen Königs Albert II. und Onkel von Erzherzog Karl Christian von Österreich. Luxemburgs Erbgroßherzog Guillaume seinerseits ist Patenonkel von Ariane, dritte Tochter des niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander.
Mit der feierlichen Hochzeit von Guillaume (30) tritt mit Stéphanie de Lannoy (28) nach knapp 60 Jahren wieder eine belgische Hoheit (siehe Extra) an die Seite eines Luxemburger Prinzen. So diskret und unauffällig wie das gesamte Luxemburger Herrscherhaus herrscht, so wenig verlautete bislang auch über die Liaison des seit April verlobten Paares. Offiziell haben sich die beiden "vor mehr als einem Jahr bei gemeinsamen Freunden" kennengelernt. Die französische Zeitschrift Point de Vue berichtet jedoch schon 2011 von einer mehrjährigen Beziehung Guillaumes mit der künftigen Braut. Der siebte Thronfolger im luxemburgischen Zweig der Dynastie Nassau-Weilburg und Prinz von Nassau und Bourbon-Parma scheint jedenfalls froh zu sein, als die offizielle Verlobung im April bekannt wird. "Ich bin ganz stolz und froh, Luxemburg meine Verlobte vorzustellen", sagt er im Garten auf Schloss Berg. Und auch die Gräfin - bescheiden und zurückhaltend - berichtet von ihrer "großen Freude".Extra

Die Nachfahrin der Ritter: Die künftige Großherzogin Stéphanie de Lannoy entstammt einer der ältesten belgischen Adelsfamilien. Die Familie väterlicherseits entstammt der flandrischen Ritterschaft. Ein Zweig des Adelsgeschlechts de Lannoy soll auch eine starke Beziehung zu Luxemburg gehabt haben. Graf Claude de Lannoy hat 1617 durch die Heirat mit einer Baronin von Eltz in Clerf die Familie der Lannoy-Clerveaux gegründet. 1854 starb das Adelsgeschlecht aus. Stéphanie (28) ist das jüngste von acht Kindern des Grafen Philippe de Lannoy und der kürzlich verstorbenen Alix della Faille de Leverghem.

Die Hochzeitsgäste: An der Hochzeit am 20. Oktober werden die schwedische Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Prinz Daniel teilnehmen. Das bestätigte deren Königshaus. Stéphanies erster offizieller Auftritt im Hochadel war im Mai bei der Taufe von Estelle, der Tochter von Victoria und Daniel. Das norwegische Königshaus will mit König Harald und Königin Sonja sowie Mette Marit und Haakon zur Feier kommen. Königin Beatrix von den Niederlanden nimmt mit ihrem Sohn Willem Alexander und dessen Frau Máxima teil. Klar ist, dass Kate und Prinz William aus Großbritannien nicht kommen. Sie sind nicht die aktuellen Thronfolger. sas