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Weltraum
Klein auf der Erde, groß im All

Das von Space X zur Verfügung gestellte Bild zeigt den Start der Falcon 9-Rakete am 9. Januar auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral (USA).
Das von Space X zur Verfügung gestellte Bild zeigt den Start der Falcon 9-Rakete am 9. Januar auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral (USA). FOTO: - / dpa
Luxemburg. Luxemburg schickt erfolgreich seinen ersten Militärsatelliten in den Orbit. Die Nato soll von sicheren Frequenzen profitieren. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Wenn die Computer des Deutschen Bundestags gehackt, wenn Telefonate zwischen Regierungen abgehört und internationale Friedensverhandlungen durch Attentate gestört werden, dann steckt inzwischen meistens Cyber-Spionage dahinter. Doch künftig sollen es Hacker und Agenten in der Welt schwerer haben, die Kommunikation zwischen Regierungen und Institutionen zu stören. Denn Luxemburg hat mit dem neuen GovSat1 erstmals einen militärischen Kommunikationssatelliten ins All geschossen, der genau dies zur Aufgabe hat, nämlich sichere Kommunikationsfrequenzen zu verkaufen.

„Dies ist der Beginn einer neuen Erfahrung für Luxemburg“, meldet sich Luxemburgs Premier Xavier Bettel gleich nach dem Start Mittwochnacht via Twitter vom US-Weltraumzentrum Cape Canaveral in Florida zu Wort. Der Satellit stärke „Luxemburgs Schlüsselposition im Weltraumsektor und trägt zur Diversifikation unserer Wirtschaft bei“. Im Beisein des erbgroßherzog­lichen Paars, Premier Bettel und Wirtschafts- und Militärminister Etienne Schneider startete die Falcon-9-Trägerrakete der Firma ­Space­ X – sie gehört dem Unternehmer und Tesla-Chef Elon Musk – mit 24 Stunden Verspätung. Denn das Wetter war zu schlecht, und die Rakete hatte einige Macken.

„Das sind die ersten Militärausgaben, die Dividenden einbringen“, freut sich Minister Etienne Schneide. So soll laut Geschäftsplan der Verkauf der Frequenzen eine Eigenkapitalrendite von bis zu 14 Prozent einbringen. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben von GovSat1 auf 225 Millionen Euro inklusive Rakete, Start und Betrieb. Je 50 Millionen Euro davon zahlen der Luxemburger Staat und der Satellitenkonzern SES (siehe Info), der Rest des Geldes wird geliehen. Verwaltet wird der Satellit von der Firma GovSat mit 18 Mitarbeitern, die zu gleichen Anteilen SES und dem Staat gehört.

Mit einem Gewicht von 4,2 Tonnen und 68 Übertragungskanälen (Transpondern) fliegt GovSat1 nun 36 000 Kilometer über der Erde und soll ab März mit dem Erreichen seiner korrekten Umlaufbahn die Arbeit aufnehmen. Er deckt dann ein Drittel der Erde ab, Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika. Die ersten Verträge über hochgesicherte Kommunikationskanäle an Land, zur See und in der Luft für militärische und zivile Zwecke sind bereits unterzeichnet – mit der Luxemburger Armee und der Europäischen Weltraum­organisation Esa.

Aber auch außenpolitisch und geostrategisch passt GovSat1 den Luxemburgern ins Konzept. Schließlich hat die Nato das Mitglied angemahnt, weil es im Ranking der Verteidigungsausgaben mit 0,4 statt zwei Prozent des Staatsetats Schlusslicht ist. „Wir müssen solidarisch mit unseren Partnern sein und Verantwortung zeigen“, sagt Etienne Schneider in seiner Funktion als Verteidigungsminister und ergänzt als Wirtschaftsminister: „Aber wenn wir Geld fürs Militär ausgeben, soll auch die Wirtschaft etwas davon haben.“ Und Patrick Biewer, Geschäftsführer des GovSat-Betreibers, sagt: „Das Angebot ist neu auf dem Markt, das gibt es bisher noch nicht.“

Während die einen das Projekt zur größeren Reichweite der Nato-Überwachung und der Verteidigung gegen Cyber-Angriffe loben, gibt es aus Lu­xemburg auch Kritik. So war die Partei Déi Lénk (Die Linke) von Beginn an gegen die „Aufrüstung der Nato“ und befürchtet mit der Möglichkeit der Zielerfassung von bewaffneten Drohnen ein höheres Kriegspotenzial weltweit.

Doch die Pläne von Staat und SES gehen noch weiter: Der nächste GovSat-Satellit ist bereits geplant und soll weitere Erdteile erfassen. Außerdem ist ein Satellit geplant, der Beobachtungsbilder von der Erde machen können soll. SES hofft darauf, vor allem die Kommunikation zu Flugzeugen und Schiffen auszubauen und mehr Dienste für Regierungen anbieten zu können. Premier Bettel ist sich sicher, das GovSat1 nur der Anfang ist: „Luxemburg war schon immer ein Pionier in der Weltraum­industrie. Und hier haben wir eine lange Tradition von innovativen Partnerschaften.“