1. Nachrichten

Mehr Vertrauen, mehr Sorgen – Umfrage ermittelt wöchentlich Reaktion der Menschen auf Corona

Corona : Mehr Vertrauen, mehr Sorgen – Umfrage ermittelt wöchentlich Reaktion der Menschen auf Corona

Wissenschaftler ergründen, wie die Menschen mit Corona umgehen. Die Ergebnisse an deren Aufarbeitung auch das Trierer Leibniz-Institut ZPID beteiligt ist, dokumentieren die Diskrepanz zwischen Wissen und eigenem Verhalten.

Die meisten Menschen in Deutschland sind gut über das Coronavirus informiert. Aber besonders bei den Senioren ist die Bereitschaft, die Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von körperlichen Kontakten einzuhalten, geringer als bei jüngeren Menschen. Das ist eine von zahlreichen Erkenntnissen einer wöchentlichen repräsentativen Befragung von etwa 1000 Deutschen, die sich gerade in der fünften Auflage befindet.

An dem Covid-19 Snapshot Monitoring (Cosmo) unter der Federführung der Universität Erfurt ist auch das ZPID in Trier, das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation beteiligt. „Es geht in dem Projekt letztlich darum, es den Behörden und Medien zu erleichtern, der Bevölkerung korrektes, hilfreiches Wissen anzubieten und Falschinformationen und Aktionismus vorzubeugen“, sagt ZPID-Direktor Michael Bosnjak (siehe Interview).

Der Blick auf die aktuellen Ergebnisse der Umfrage zeigt, dass die Menschen in Deutschland wissen, wie sich das Virus überträgt, wie lange es von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauern kann und wie sich jeder im Alltag schützen kann. Wenn es darum geht, das Wissen in die Praxis umzusetzen, gibt es aber teilweise erhebliche Defizite. So wissen zwar 89 Prozent der Befragten, dass sie bei Krankheitsanzeichen in Quarantäne bleiben sollen. Tatsächlich tun das aber nur 63 Prozent.

Die komplette Analyse der Befragungen finden Sie hier

Im Lauf der ersten vier Erhebungen, die über einen Onlinefragebogen erfolgen, sind diverse Veränderungen zu bemerken. So hat die Angst vor dem Virus zugenommen. Erstmals relevant sind auch die Verhaltensweisen der Arbeitgeber: Wer weniger Vertrauen hat, dass der Arbeitgeber gut und richtig mit der Krise umgeht, nimmt ein höheres Risiko für sich selbst wahr.

Der Trierische Volksfreund dokumentiert weitere wichtige Erkenntnisse:

Erkrankungswahrscheinlichkeit

32 Prozent (Vorwoche 33 Prozent) schätzen ihre Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, als eher oder sehr hoch ein, 39 Prozent als extrem- oder eher unwahrscheinlich (Vorwoche 34). Vor allem ältere Personen schätzen ihre Erkrankungswahrscheinlichkeit geringer ein als jüngere Personen. Eine eher höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit nehmen Personen wahr, die denken oder wissen, dass Personen in ihrem näheren Umfeld infiziert sind oder sein könnten. Besonders als gefährdet sehen sich die Menschen, die das Coronavirus als nah wahrnehmen, häufig Informationen dazu suchen, Magazine als relevante Informationsquelle heranziehen und eine geringe Erwartungen an die eigene Widerstandskraft haben.

Gefahreinschätzung

41 Prozent (Vorwoche 34) halten eine Erkrankung für gefährlich, ein knappes Drittel ist sich unsicher. Ältere und chronisch kranke Menschen denken eher als junge und gesunde, dass die Erkrankung für sie schwerwiegend ist. Wer im Gesundheitssektor arbeitet oder Angst hat, hält die Erkrankung für schwerwiegender. 55 Prozent der Befragten denken, dass eine überstandene Krankheit keine Immunität verursacht. Eine insgesamt eher geringere Risikowahrnehmung haben Personen, die das Coronavirus vor allem als Medienhype wahrnehmen.

Emotionen

Die aktuelle Befragung zeigt, dass die Dominanz des Themas hoch bleibt: Wie in der Vorwoche berichten 54 Prozent, dass sie häufig oder dauernd an Corona denken müssen. 60 Prozent (Vorwoche 56) finden das Coronavirus eher angsteinflößend oder angsteinflößend. 75 Prozent (Vorwoche 71) finden das Coronavirus eher besorgniserregend oder besorgniserregend. Die größten Sorgen der Menschen betreffen die Überlastung des Gesundheitssystems und, dass kleine Unternehmen Konkurs anmelden müssen. Ebenfalls groß sind die Sorgen vor einer Rezession und dass die Gesellschaft egoistischer wird.

Wissen und Verhalten

Die Bevölkerung hat einen hohen Wissensstand über Übertragungsweg, Inkubationszeit und Behandlungsoptionen. Subjektiv fühlen sich die Bürger aber eher mittelmäßig gut informiert. 92 Prozent wissen, dass sie zu Hause bleiben sollen, wenn sie krank sind (77 Prozent tun es). 92 Prozent wissen, dass man öffentliche Orte meiden soll (89 Prozent tun es). 89 Prozent wissen, dass man sich bei Symptomen in Selbst-Quarantäne begeben soll (63 Prozent tun es). Vor allem jüngere Menschen gehen weniger als ältere davon aus, dass andere sich an die Regeln halten. Vor allem ältere Menschen – bei ihnen gibt es nach der Analyse der Wissenschaftler ein Wissensdefizit – meiden öffentliche Orte nicht. Abstandhalten fällt besonders jungen Menschen schwer.

Solidarität

In der aktuellen Befragung aus der ersten, komplett durch die Kontaktsperre geprägten Woche, teilt die große Mehrheit (74 Prozent) die Einschätzung, dass die Menschen im eigenen Umfeld zusammenhalten. Zudem trifft die Aussage: „Ich kann selbst nichts tun, um die Situation positiv zu beeinflussen“ überwiegend auf Ablehnung (62 Prozent). Auch angesichts großer Sorgen bleibt bei vielen die Überzeugung, selbst etwas tun zu können. Die Akzeptanz von einschränkenden Maßnahmen ist gestiegen.

Ein Interview mit dem Trierer Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Bosnjak gibt es hier.