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Abstand halten: So werden Meerschweinchen zahm

Abstand halten: So werden Meerschweinchen zahm

Sie sind klein und pelzig, aber nicht zum Kuscheln geboren. Wer ein paar Regeln beachtet, kann Meerschweinchen dennoch gut an den Menschen gewöhnen. Am Anfang Abstand halten und den Nager nicht ständig hochheben.

Meerschweinchen gelten als typische Kuscheltiere für Kinder. Dabei sind die Tiere von Natur aus eher ängstlich und mögen das Kuscheln nicht so gerne. Mit ein paar Tricks lassen sich die kleinen Nager in der Regel dennoch gut zähmen.

„Abrichten wie Zirkustiere lassen sich Meerschweinchen aber nicht“, sagt Klaus Kutschmann von der Bundestierärztekammer in Berlin. Am besten werden die Tiere so früh wie möglich an den Menschen gewöhnt, da es mit dem Alter schwieriger werde. Aber auch ältere Tiere lassen sich noch an den Menschen gewöhnen. „Hier ist oft die Frage, aus welcher Haltung das Tier kommt und welche Erfahrungen es bisher gemacht hat“, erklärt Maren Endlicher vom Institut für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

„Beim Aneinandergewöhnen ist vor allem Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt“, sagt Klaus Kutschmann. Dabei müsse man unterschiedlich auf die Tiere zugehen: Manche seien sehr ängstlich, andere hingegen mutig. „Es gibt auch Tiere, die gerne kuscheln“, sagt der Fachtierarzt für Kleintiere. Das sei aber eher die Ausnahme. Bis ein Tier Zutrauen fasse, dauere es einige Wochen.

„Meerschweinchen sind von Natur aus nicht nur ängstlich, sondern auch intelligent und neugierig“, sagt Maren Endlicher. „So testen die Tiere beim Freilauf beispielsweise aus, wo sie sich am besten verstecken können.“ Diese Neugier können sich Halter zunutze machen, indem sie das Futter beispielsweise raffiniert verstecken oder die Tiere mit Leckerlis locken. Sie sollten allerdings darauf achten, keinen Schatten auf die Tiere zu werfen. „Dann bekommen sie Panik oder verfallen in Angststarre, da sie einen Greifvogel vermuten“, erklärt Endlicher.

Bis die Meerschweinchen sich eingewöhnt haben, ist es wichtig, sie behutsam zu behandeln und nichts zu erzwingen. „Zu Beginn sollte man die Tiere, sofern sie es zulassen, erst einmal nur vorsichtig streicheln und nicht hochheben“, rät Sandra Giltner vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Das würden die Tiere gar nicht mögen, sondern als Bedrohung empfinden. Hier liege meistens auch schon der erste Fehler, viele Menschen interpretierten das Verhalten der Tiere nämlich falsch. „Ein Tier, dass geräuschlos und still sitzen bleibt, hat oft Angst.“

Überhaupt senden Meerschweinchen viele Signale: Wenn es beispielsweise den Kopf beim Streicheln ruckartig hochhebt, signalisiert es, dass es genug hat. „Das Tier sollte selbst entscheiden dürfen“, sagt Giltner und auch Tierarzt Kutschmann rät, es erst einmal in Ruhe zu lassen. Wer einen kleinen Dickkopf zu Hause hat, braucht sich aber keine Sorgen zu machen. „Man kriegt fast jedes Tier handzahm, es dauert nur unterschiedlich lange“, sagt Kutschmann.

Sandra Giltner und Maren Endlicher vertreten hier eine andere Position: Ein Tier, das immer scheu war und nicht an Menschen gewöhnt ist, wird ihrer Meinung nach nicht einfach zum Kuscheltier. Aber auch diese Tiere lassen sich daran gewöhnen, mit Menschen zusammenzuleben, so dass sie sich nicht mehr erschrecken und ihren Besitzer sogar erwartungsvoll begrüßen. „Wichtig ist, das Tier nicht auszutauschen, nur weil es nicht gerne kuschelt“, sagt Giltner.

Meerschweinchen zählen zu den Rudeltieren und sollten nicht alleine gehalten werden. Sie ließen sich auch in der Gruppe gut zähmen, sagt Maren Endlicher, Tierärztin und Doktorandin am Institut für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Wenn das Tier alleine ist, kann es auf Dauer unglücklich werden. „Ein Mensch kann dem Meerschweinchen auch bei intensivster Pflege das Partnertier nicht ersetzen“, sagt Endlicher. Wer Männchen und Weibchen zusammen hält, sollte die Männchen kastrieren lassen und beachten, dass sie auch fünf bis sechs Wochen danach das Weibchen noch befruchten können.