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Ärzte aus der Region geben Ratschläge

Gesundheit : Sexuelle Unlust

Wie oft höre ich: „Ich habe da ein Problem, ich habe keine Lust mehr, mein Mann denkt schon, ich hätte einen anderen.“ Was ist da passiert?

Die Natur hat uns mit einer Sexualität ausgestattet, die als Sexualziel (nach Sigmund Freud) den Geschlechtsverkehr mit dem Orgasmus hat, beim Mann durch die Massage der Eichel den Samenerguss, eine rhythmische Kontraktion des Samenleiters und der Prostata. Bei der Frau durch die Stimulation des Kitzlers (Clitoris), dessen Flügel (cornu) bis 15 Zentimeter in den Beckenboden ragen, eine ebenfalls rhythmische Kontraktion der Gebärmutter und des Beckenbodens. Dieser orgastische Höhepunkt ist bei Mann und Frau mit einem maximalen Lustgewinn verbunden. Nach dem Orgasmus dominiert der beruhigende Teil des unbewussten Nervensystems (Parasympatikus=Vagus), was zu einem entspannten Wohlgefühl führt, das man immer wiederholen möchte. Das macht Mutter Natur ganz schön raffiniert. Sie will durch die stete Wiederholung die Chance für eine Schwangerschaft möglichst hochhalten.

Depressionen verschlechtern die Libido (= sexuelle Lust, beim Sex das, was beim Essen der Appetit ist) zuverlässig, auch manche Antidepressiva. Hier sind individuelle Lösungen zu suchen.

Wer als Kind missbraucht oder vergewaltigt wurde, hat kaum eine Chance auf eine erfüllte Sexualität und bedarf unbedingt einer behutsamen Psychotherapie; dies mit sich selbst auszumachen, wird nicht tragfähig sein.

Ein Kind groß zu ziehen ist eine Lebensaufgabe, erst recht mehrere. Es gibt durchaus schlimme, durchwachte Nächte. Diese Belastungen verhageln in dieser Lebensphase die Libido zuverlässig. Glücklicherweise sind diese Belastungen aber vorübergehend.

Negativer Stress auf Arbeit ist ein klassischer Feind einer erfüllten Sexualität. Interessanterweise kommt es nicht darauf an, wie viel man arbeitet, sondern wie zufriedenstellend die Arbeit durch Wertschätzung empfunden wird.

In der Phase des Verliebtseins ist der Himmel voller Sternchen. Durch die Hormone Oxytocin und Serotonin schweben wir wie besoffen auf Wolke sieben und haben eine selektive Wahrnehmung. Man sieht bei dem Mann/der Frau nur die positiven und schönen Seiten („Liebe macht blind“!). Interessanterweise ist dieser Zustand nicht nur bei Teenies, sondern auch bei über sechzigjährigen zu beobachten. Mit jedem Streit, jeder Beleidigung, jeder Entwertung und Enttäuschung fällt ein Sternchen vom Himmel, und wenn keins mehr da ist, ist es mit der Libido zappenduster, vor allem, wenn die Alltagsleistung („das bisschen Haushalt“, „warum verdienst Du so wenig“) nicht wertgeschätzt wird.

Für eine erfüllte Libido ist ein gewisses Maß an männlichen Hormonen (Androgenen) erforderlich. Die Anti-Baby-Pille reduziert die Androgene, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass Haut und Haare besser werden, die Blutung schwach und schmerzfrei, in etwa  20 Prozent kommt jedoch die Libido unter die Räder. Hierdurch steigt die Nachfrage nach nicht hormonellen Verhütungsmethoden, wie der Kupferspirale.

Sexualtherapeuten bringen erst einmal die Kommunikation wieder in Gang, das respektvolle Zuhören, das Gönnen, also das Gegenteil von Egoismen. Sie geben „Hausaufgaben“: die Schönheit des Anderen wieder zu entdecken, da die Schönheit bekanntlich immer im Auge des Betrachters liegt!

Und wie hieß es bei einem Kongress: Das Vorspiel beginnt beim Frühstück und es ist nie zu spät für guten Sex.

Dr.med.Rudolf Sauter, Facharzt für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte Trier.