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Ärzte geben Gesundheitstipps

Kolumne: Gesundheit : Zyklusstörungen

Eigentlich ist der weibliche Zyklus mit ungefähr 28 Tagen etwas für Mystiker oder Esoteriker: warum um alles in der Welt entspricht er dem Mondzyklus mit seinen 28 Tagen? Auf jeden Fall geht die Natur unglaublich verschwenderisch mit der Fruchtbarkeit um: Mit jeder Monatsblutung wird ein neues Bettchen für eine neue Schwangerschaft angerichtet und wenn keine eintritt, weint die Gebärmutter „blutige Tränen“, wie man früher sagte.

In jedem Eierstock sind ca 200.000 Eier (Primärfollikel) und mit jedem Zyklus werden etwa  20 bis 40 „aufgeweckt“, von denen sich das Stärkste durchsetzt und als „Graafscher Follikel“ zum Eisprung (Ovulation) kommt, der bei einem 28-tägigen Zyklus um den 14. Zyklustag stattfindet- immer gerechnet vom ersten Zyklustag, dem ersten Tag der Blutung. Dies findet, wenn keine Schwangerschaft dazwischenkommt, über fünfhundert mal im Leben einer Frau statt. Ein Zyklus von 25 bis 31 Tage gilt als normal.

Damit dieses Konzert der Hormone stimmig klingt, müssen alle Instrumente, also alle Hormone, die Melodie mitspielen. In den ersten 2 Wochen wächst das Eibläschen (Follikel) heran, produziert Östrogen, unter dem die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) heranwächst. Nach dem Eisprung (Ovulation), wenn das Eibläschen platzt und das Ei vom Eileiter aufgenommen wird, bildet sich die ehemalige Eihülle zum Gelbkörper um und bildet das Gelbkörperhormon (Progesteron), unter dem die Gebärmutterschleimhaut umgewandelt (transformiert) wird, um ein befruchtetes Ei in einem fluffigen Bettchen aufzunehmen. Wenn keine Schwangerschaft eintritt: na Sie wissen schon: Die Gebärmutter weint bitterlich.

Eine Störung in diesem Konzert ist möglich durch männliche Hormone (Testosteron) aus dem Eierstock oder der Nebennierenrinde, der Schilddrüse sowie dem Milchhormon (Prolaktin). Diese Störungen können gelinde sein, so dass es lediglich nur zu einigen Tagen Verzug kommt, die Blutung kann aber auch Monate aussetzen. Und dann gibt es noch die „hypothalamischen“ Störungen. Der Hypothalamus, eine Zentrale im Zwischenhirn, steuert mit regelmäßigen Pulsen das hormonelle Konzert und kommt durch außergewöhnliche Belastungen aus dem Tritt, zum Beispiel durch extremen Leistungssport, Hungerepisoden (Magersucht) oder Schicksalsschläge sowie starke psychische Belastungen. Hier sollte man die Blutung nicht länger als 6 Monate ausbleiben lassen, da die Hormone eine wichtige aufbauende Funktion für die Knochen haben. Die Knochensubstanz wird im Wesentlichen  zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr ausgebildet und wenn es in dieser Zeit einen Mangel gibt, klemmt es spätestens mit den Wechseljahren im Sinne von Knochenschwund (Osteoporose). In jungen Jahren der ersten Regelblutung (Menarche) ist das Konzert der Hormone noch ziemlich holprig und die Blutung kann unregelmäßig, sehr stark und sehr schmerzhaft und mitunter vollkommen unterschiedlich ausfallen. Zwischen dem 8. und 16. Lebensjahr ist die erste Regelblutung normal: wenn sie vor dem 8. Lebensjahr auftritt oder mit dem 16. noch nicht da ist, muss dies von einer Facharztpraxis abgeklärt werden.

Und um die Wechseljahre verliert das Konzert mitunter den Rhythmus und es sind alle Variationen drin, von harmlos bis Katastrophe. In der Regel ist in dieser Altersgruppe der Ablauf des Zyklus nicht mehr regelrecht: Der Eisprung findet nicht mehr vollwertig statt und damit fehlt das Gelbkörperhormon (Progesteron) und die Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut findet nicht mehr regelrecht statt und die Abblutung ist nicht mehr vorhersehbar. Bei Blutungsstörungen weiß Ihr Frauenarzt/Ihre Frauenärztin Rat und kann in der Regel schnell Abhilfe schaffen und Sie sind da mit Sicherheit besser aufgehoben, als bei Dr.Google!

Dr. Rudolf Sauter, Frauenarzt in Trier.