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Ärzte: Masernpartys sind Körperverletzung

Ärzte: Masernpartys sind Körperverletzung

Um Kinder immun zu machen gegen Masern, wurden vor einigen Jahren immer wieder Masernpartys veranstaltet. Ärzte warnen davor. Außerdem machen sich Eltern dann strafbar. Wie gefährlich Masern sind, lesen Sie im heutigen Teil unserer Impfserie.

Trier. Es ist eine tragische Geschichte: 14 Jahre nachdem sich im nordrhein-westfälischen Bad Salzuflen ein Junge mit Masern infiziert hatte - vermutlich im Wartezimmer eines Arztes -, ist er vor einigen Tagen gestorben. An den Spätfolgen der Infektionskrankheit. Fünf Jahre nachdem er sich angesteckt hatte, ist er an einer chronischen Maserngehirnentzündung erkrankt. Es handelt sich dabei um eine seltene Komplikation durch Maserninfektionen. Sie ist unheilbar und führt zumeist zu schweren Störungen des Nervensystems. Der 14-Jährige konnte zum Schluss nicht mehr laufen und sprechen, lag im Wachkoma.
Die Gehirnentzündung tritt oft erst Jahre nach einer Maserninfektion auf.
TV-Serie impfen


Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, sagt der Dauner Amtsarzt Volker Schneiders. Sie seien hochansteckend. Das Risiko, eine Gehirnentzündung nach einer Maserninfektion zu bekommen, ist gering. Es liegt laut Lothar Maurer, vom Landesverband der rheinland-pfälzischen Kinder- und Jugendärzte, bei eins zu 50 000. Bei kleinen Kindern liege das Risiko allerdings höher. Einer von 10 000 Erkrankten, die jünger als ein Jahr sind, sterbe daran.
Derzeit grassieren vor allem in Berlin und Bayern Masern. Nach Angaben des für die Gesundheitsüberwachung zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden bis Ende Mai bundesweit fast 600 Masernfälle gemeldet. In Rheinland-Pfalz wurde bislang in diesem Jahr erst ein Masernfall gemeldet. Die Zahl der Fälle schwankt von Jahr zu Jahr sehr stark. 2012 gab es 165 gemeldete Fälle, 2011 waren es 1608. 2006 waren es sogar 2308, davon 1700 allein in Nordrhein-Westfalen.
Natürlicher Schutz


Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich ein bis zwei Menschen an den Folgen der Masern. Weil Masern heute nicht mehr so oft vorkommen, kann das zu einer Gefahr werden. Denn wer an Masern erkrankt war, der hat einen Schutz gegen die Infektion aufgebaut, der bekommt dann normalerweise keine Masern mehr.
Vor 1970 gab es zahlreiche Masern-Wellen in ganz Deutschland. Dadurch haben alle, die vor 1970 geboren sind, einen natürlichen Impfschutz aufgebaut. Weil danach stärker gegen Masern geimpft wurde - mittlerweile erhalten Kinder einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (siehe Impftipp) -, kommt es weniger oft zu Masernepidemien. Dadurch fehlt bei Nicht-Geimpften diese natürliche Immunisierung. Sie können also leichter an Masern erkranken. Auch Erwachsene. Denn Masern sind laut dem Leiter des Dauner Gesundheitsamtes, Schneider, nicht nur eine reine Kinderkrankheit. Er empfiehlt daher allen, die nach 1970 geboren sind, ihren Masernschutz zu kontrollieren und sich eventuell nachimpfen zu lassen.
Als hochgefährlich und als Kindesmisshandlung sehen Ärzte die vor einigen Jahren verbreiteten Masernpartys. Infizierte und nicht infizierte Kinder wurden bewusst zusammengetan, damit sich die Gesunden anstecken, um eine natürliche Immunität zu erlangen.
Nach dem Infektionsschutzgesetz kann die bewusste Weiterverbreitung von Krankheitserregern mit Freiheitsstrafen geahndet werden. Die wissentliche Infizierung eines Menschen mit einer Infektionskrankheit ist laut deutschem Strafrecht eine Körperverletzung.
Extra

Erkrankt eine schwangere Frau zum ersten Mal an Röteln, kann ihr ungeborenes Kind schwere geistige Schäden und körperliche Fehlbildungen etwa an Ohr, Augen, Zähnen und am Herz erleiden. Deshalb wird empfohlen, dass jede Frau, die keine Röteln durchgemacht hat, zweimal gegen Röteln geimpft wird. Es ist ein Kombinationsimpfstoff auch gegen Masern und Mumps. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, sollte die Impfung mindestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft durchgeführt werden. Die einzige Impfung, die gerade in der Schwangerschaft empfohlen wird, ist die Impfung gegen Influenza (saiso nale Grippe). Sie wird ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen, da im ersten die Organentwicklung stattfindet. Keuchhusten ist eine für den Säugling sehr gefährliche Erkrankung. Deswegen sollten alle Personen, die mit Säuglingen in engem Kontakt stehen (also der werdende Vater, die Mutter, die Großeltern, Betreuer des Kindes, ältere Geschwister), überprüfen, ob sie dagegen geschützt sind. Ein ausreichender Immunschutz ist vorhanden, wenn entweder eine Impfung oder die Erkrankung in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat. Die Impfung wird in Kombination mit dem Impfstoff gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie und Kinderlähmung durchgeführt. Da es sich hierbei um einen Totimpfstoff handelt, können die entsprechenden Infektionskrankheiten durch die Impfung selbst nicht ausgelöst werden. Dennoch wird das Immunsystem aktiviert, so dass in der Folge Allgemeinreaktionen wie Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Fieber und auch Gliederschmerzen entstehen können, die aber leichter und kurzfristiger Natur sind. Allergische Reaktionen sind selten. Die im Ärztenetzwerk Medi Trier zuammengeschlossenen Mediziner haben eine Impf-Woche initiiert. Sie kontrollieren die Impfpässe der Patienten, beraten über sinnvolle Impfungen und notwendige Impfauffrischungen.