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Alkoholismus, die heimliche Gefahr

Telefonaktion : Wann Alkohol gefährlich wird

Nachgefragt: Fachleute beantworteten Leserfragen am TV-Telefon:


Seit einigen Wochen trinke ich nichts mehr, aber ich verspüre ständig einen Druck, zu trinken.

Heinz Fichter vom Kreuzbund Regionalverband Trier: Um dem sogenannten „Saufdruck“ zu begegnen, gibt es kein Patentrezept. Mir persönlich hat geholfen, mich stramm zu bewegen. Ich habe mich dann beispielsweise auf dem Fahrrad abgequält. Helfen kann Ihnen auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe. Dort können Sie von den Erfahrungen der anderen Gruppenteilnehmer, die die gleichen Erfahrungen wie sie gemacht haben, profitieren. Auch können Sie sich Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle holen.


Mein Mann trinkt seit dreißig Jahren jeden Abend zwei, drei Flaschen Bier oder eine halbe Flasche Wein. Ist das noch okay?

Fichter: Für viele Menschen gehört zum Alltag dazu, Alkohol zu konsumieren. Von Sucht kann man meiner Meinung nach noch nicht sprechen. Aber schon geringe Mengen Alkohol können krank machen. Forscher haben herausgefunden, dass mehr als 200 verschiedene Krankheiten, wie Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen, auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind, auch schon durch sehr geringe Mengen. Versuchen Sie, Ihrem Mann zu erklären, dass sein täglicher Alkoholkonsum nicht spurlos an ihm vorbeigehen wird.


Ich bin in der 18. Woche schwanger. Vor meiner Schwangerschaft habe ich hin und wieder ein Glas Sekt mit meinen Freundinnen getrunken. Jetzt bin ich unsicher, ob ich das weiter tun kann. Was empfehlen Sie mir?

Ina Harder, Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin der Diakonie in Trier: Alkohol ist ein Zellgift, das gerade in der Schwangerschaft schwere körperliche und geistige Schäden beim Ungeborenen hervorrufen kann. Auch kleinere Mengen stellen ein deutliches Risiko für Ihr Kind dar. Deshalb sollten Sie in ihrer Schwangerschaft und während der Stillzeit komplett auf Alkohol verzichten.


Mein Bruder und ich treffen uns zwei- bis dreimal in der Woche und trinken ein, zwei Feierabendbier gemeinsam. Sind wir deshalb schon Alkoholiker?

Harder: Die Kriterien für eine Suchterkrankung orientieren sich nicht an Trinkmengen oder der Art des Getränks. Wenn jemand Entzugserscheinungen, wie Zittern und Schwitzen, hat, er seine Trinkmengen nicht mehr kontrollieren kann, ein großes Verlangen nach Alkohol verspürt und viele Dinge in seinem Alltag vernachlässigt, sind das wichtige Hinweise. Sollten durch das Trinken bereits Schäden entstanden sein, wie Führerscheinentzug oder Jobverlust, und die Trinkmengen sich im Laufe der Zeit stetig steigern, kann man von einer Alkoholabhängigkeit ausgehen. Wenn mindestens drei dieser Kriterien auf Sie zutreffen, sollten Sie sich fachliche Hilfe holen, zum Beispiel beim Hausarzt oder in einer Beratungsstelle.


Seit mein Vater arbeitslos ist, trinkt er bis zu eineinhalb Liter Bier oder Wein täglich. Er behauptet, dass er nur aus Genuss trinke, ich mache mir aber ernsthafte Sorgen um seine Gesundheit. Wie sehen Sie das?

Harder: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Kriterien zum risikoarmen Umgang mit Alkohol aufgestellt. Ein erwachsener Mann sollte demnach täglich nicht mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertel Liter Wein. Frauen empfiehlt die WHO nur zwölf Gramm pro Tag, also etwa ein kleines Bier oder ein Glas Wein oder Sekt. Zudem sollte man nicht täglich trinken und bei Erkrankungen, Einnahme von Medikamenten, beim Autofahren und auf der Arbeit komplett auf Alkohol verzichten. Aufgrund dieser Kriterien würde aus meiner Sicht bei Ihrem Vater zumindest ein riskanter Konsum vorliegen. Er sollte sich deshalb dringend Hilfe beim Hausarzt oder in einer Beratungsstelle holen.