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Alle Häuser müssen bleifrei sein

Alle Häuser müssen bleifrei sein

Ab Dezember darf es in Häusern keine Wasserleitungen mehr aus Blei geben. Damit soll verhindert werden, dass das giftige Schwermetall in den Körper kommt und schwere Schäden anrichten kann. Kontrolliert werden kann das Verbot allerdings nicht.

Trier. Blei ist giftig. Ein zu hoher Bleigehalt im Blut kann zu Verhaltensstörungen führen. Langfristig kann sich das Metall in den Knochen ablagern. Vor allem bei Kindern, aber auch Schwangeren kann zu viel Blei im Körper Nerven-, Nieren- oder Leberschäden hervorrufen. Daher hat das Schwermetall eigentlich nichts im Trinkwasser zu suchen. Trotzdem gibt es noch in einigen, vor allem alten Häusern, Wasserleitungen aus Blei. Experten schätzen, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Häuser in Deutschland noch solche Leitungen haben. Vor allem dann, wenn sie vor 1970 gebaut wurden. Danach wurden diese Wasserrohre nicht mehr verbaut. Das Blei aus diesen Rohren kann sich im Trinkwasser ablagern und so in den Körper gelangen.
Daher müssen ab kommenden Sonntag, 1. Dezember, auch die alten Häuser bleifrei sein. Dann endet nämlich die zehnjährige Schonfrist. Sie begann mit der Trinkwasserverordnung, die 2003 in Kraft trat. "Der lange Übergangszeitraum wurde gewählt, um allen Hausbesitzern ausreichend Gelegenheit zu geben, entsprechende Bleileitungen auszutauschen", sagt eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums.
Die Verordnung hat eine stufenweise Herabsetzung des Bleiwertes im Trinkwasser vorgesehen. Ab 1. Dezember darf pro Liter Wasser nicht mehr als 0,010 Milligramm Blei enthalten sein. Das, so Installateure, könne aber nur erreicht werden, wenn das Wasser eben nicht mehr durch Bleileitungen fließt.
Wie viele Häuser in Rheinland-Pfalz betroffen sind, kann niemand so genau sagen. Weder dem Ministerium noch dem Haus- und Grundbesitzerverband liegen Zahlen vor. Bei den rheinland-pfälzischen Hausbesitzern sei das Thema Bleirohre in den vergangenen Monaten kein großes Thema gewesen, sagt Ralf Schönfeld, Direktor von Haus und Grund in Rheinland-Pfalz. Auch in der Region scheint es nur noch wenige Häuser mit Bleileitungen zu geben. Bleirohre seien überwiegend in Abwasserleitungen verwendet worden, sagt der Leiter des Trierer Gesundheitsamtes Harald Michels. In einem Haus bestehe derzeit allerdings der Verdacht, dass dort noch Bleirohre in den Wänden sind. Die Gesundheitsämter sind für die Überprüfung des Bleigehaltes im Trinkwasser zuständig.
Im Eifelkreis Bitburg-Prüm seien für die Hausleitungen keine Bleirohre verwendet worden, heißt es bei der für die Wasserversorgung zuständigen Kommunale Netze Eifel. Auch bei den Trierer Stadtwerken, die für die Wasserversorgung in Trier und Umgebung zuständig sind, heißt es, Bleirohre seien kein "großes Problem". "Bislang gibt es in vielen Tausend untersuchten Proben aus Trierer Haushalten nur Einzelfälle, bei denen Blei festgestellt wurde", so ein Stadtwerke-Sprecher. Die Ursache dafür liege dann meistens nicht an Bleirohren, sondern bleihaltigen Einzelbauteilen wie etwa Übergansstücken. Aber auch die müssen nach der Verordnung ausgebaut und durch nichtbleihaltige Installationen ausgetauscht werden. Die Kosten dafür dürfen laut Mieterbund nicht auf die Mieter umgelegt werden.
Dafür verantwortlich sind die Hausbesitzer. Allerdings: "Eine behördliche Überprüfung der in der Wand verlegten Rohrleitungen ist aus praktischen Gründen leider nicht möglich", heißt es aus dem Umweltministerium. Man habe nun das Landesuntersuchungsamt beauftragt, bei den Gesundheitsämtern nachzufragen, welche Maßnahmen bei Überschreitungen des Grenzwertes für Blei eingeleitet wurden.Extra

So erkennen Sie, ob in Ihrem Haus Wasserleitungen aus Blei sind: In der Regel sind die Rohre im Keller, dort wo auch der Wasserzähler ist, freizugänglich. Bleirohre sind silbergrau und so weich, dass man sie mit dem Fingernagel einritzen kann. Klopft man auf sie, klingen sie nicht metallisch, sondern dumpf. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch einen kostenpflichtigen Test seines Trinkwasser veranlassen. Der Mieterbund rät Mietern, die Bleileitungen in ihrer Wohnung entdeckt haben, umgehend den Vermieter zu informieren. Es handele sich um einen Mietmangel, der eine Mietminderung von fünf bis zehn Prozent erlaube. Außerdem sollte das Trinkwasser aus den Leitungen vor jeder Nutzung zunächst einmal längere Zeit aus dem Wasserhahn laufen lassen. Bei abgestandenem Wasser sei die Bleikonzentration besonders hoch, teilt der Mieterbund mit. wie