Antworten zur Selbstverletzung aus unserer Telefonaktion.

Telefonaktion : Wenn die Psyche überreagiert

Selbstverletzung: So finden Sie Hilfe. Antworten aus unserer TV-Telefonaktion.

Seit unsere Enkelin auf der Welt ist, ist der Große, 3,  nicht wiederzuerkennen. Er schlägt sich sogar selbst. Müssen wir uns Sorgen machen?

Dr. med. Günther Stratmann, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen: So wie Sie schildern, sind die Gefühle des Dreijährigen gerade durcheinander. Nach einer Phase großer Aufmerksamkeit, er war das erste und einzige Kind der Familie, muss er diese Aufmerksamkeit nun mit der kleinen Schwester teilen. Offenbar kann er das nicht alleine bewältigen. Man spricht von Geschwisterrivalität, die häufig auftritt. Wenn Sie als Oma ein gutes Verhältnis zu den Eltern haben, sprechen Sie das Thema an. Die Eltern sollten das Thema frühzeitig beim Kinderarzt besprechen und versuchen, das Verhalten des Dreijährigen zu verstehen und überlegen, was ihm helfen kann – gegebenenfalls mit fachlicher Hilfe.

Über Freunde haben wir erfahren, dass unsere Tochter, 14, sich seit einiger Zeit ritzt. Noch haben wir sie darauf nicht angesprochen. Ich habe Angst und werde das Ritzen künftig kontrollieren und ihr sagen, dass die in die Kinder- und Jugendpsychiatrie muss, wenn sie damit nicht aufhört. Wie sollten wir damit umgehen?

Dr.  med. Stratmann: Wenn Jugendliche sich selbst verletzen, ist dies ein Symptom für eine andere „Störung“. Der erste Schritt sollte sein, dass Sie mit Ihrer Tochter sprechen, ruhig, unaufgeregt und ohne Vorwürfe.  Was ist es, was ihre Tochter belastet? Sagen Sie ihr, dass Sie das Thema gerne mit ihr besprechen wollen. Oder das Elternteil, das den besten Draht zu dem Kind hat.

Überlegen Sie gemeinsam, ob Hilfe von außen sinnvoll ist. Drohen Sie nicht mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, sondern machen Sie deutlich, dass es wichtig ist, sich Hilfe von einer Fachperson zu holen, wenn es notwendig ist. Schätzen Sie die Situation allerdings so ein, dass Ihre Tochter sofort Hilfe benötigt, können Sie im Notfall zu jeder Tages- und Nachtzeit  die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen.

Ich, 15, halte die Angst nicht mehr aus und gehe dann zur Toilette und ritze mich in die Arme.

Anne Felzen von der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. , Schulsozialarbeiterin an der Berufsbildenden Schule in Wittlich:  Du solltest mit Erwachsenen, zu denen du eine gute Beziehung hast, sprechen. Das können Mama, Papa, Oma, Tante, Onkel oder eine Schulsozialarbeiterin sein. Oder wenn du ein gutes Verhältnis zu deinem Hausarzt hast, gehe zu ihm und vertraue dich ihm an. Wichtig ist, dass dein Problem thematisiert wird. Wir als Schulsozialarbeiter unterstützen etwa Betroffene dabei, einen sogenannten Notfallplan zu entwickeln. Damit du andere Strategien anwenden kannst, die dich nicht selbst schädigen.

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