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Auf der Pirsch nach klugen Köpfen

Auf der Pirsch nach klugen Köpfen

In den USA ist es längst üblich, in Deutschland auf dem Vormarsch: Immer mehr Unternehmen lassen neue Mitarbeiter durch einen sogenannten Headhunter suchen. Dabei handelt es sich wörtlich übersetzt um einen Kopfjäger. Er spürt geeignete Kandidaten gegen Provision auf und begeistert sie für das Mitarbeiter suchende Unternehmen.

Bitburg/Kell. "Können wir ungestört telefonieren?" Das ist die erste Frage, die Theresa Hoffman stellt, wenn sie einen Kandidaten anspricht. Hoffmann ist Inhaberin der Headhunting-Agentur "Job-X-Change" in Bitburg. Im Auftrag von Banken sucht sie ständig gute Mitarbeiter. Nach der Einstiegsfrage stellt sie sich vor und erzählt von ihrem Angebot: "Die meisten reagieren erst etwas scheu, sind dann aber bereit, sich zu unterhalten oder zu treffen", sagt sie und rät zur Gelassenheit: "Der Kandidat sollte offen sein und sich das Ganze anhören, er hat ja nichts zu verlieren."Ähnlich sieht das auch Thomas Meier, seit 25 Jahren selbstständiger Headhunter in Kell am See für die Elektro-Industrie und den Maschinenbau. "Der Kandidat sollte Nein sagen oder sich treffen." Unangemessen sei dagegen die Frage "Wie sind Sie denn auf mich gekommen?" Das klinge naiv und ungeschickt, sagt Hoffman. "Es gibt aber auch die Kandidaten, die sich in was reinsteigern, weil sie merken, dass sie gefragt sind. So etwas gipfelt oft in überzogenen Gehaltsforderungen."Drei Monatsgehälter Provision

Adressat des klassischen Headhuntings sind Führungskräfte mit einem Jahres-Ein-kommen von rund 100 000 Euro brutto. "Der Fachkräftemangel in einigen Branchen hat aber dazu geführt, dass immer mehr Fachangestellte und Spezialisten in den Auftragsbüchern der Headhunter stehen", sagt Klaus Reiners vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), der Standesorganisation. Headhunter Meier bestätigt: "Headhunting als Begriff ist geläufig bei Bruttogehältern ab 50 000 Euro im Jahr. Ab 60 000 Euro ist es selbstverständlich." Dabei suchen sowohl er als auch Theresa Hoffman in Ausnahmefällen auch Mitarbeiter mit 30 000 Euro Jahresgehalt. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch irgendwann mal ein spezielles Headhunting für Handwerker gibt", sagt Hoffman.Dabei sieht Meier gerade bei kleineren Firmen Probleme: "Dort wird meistens weder kaufmännisch noch strategisch gedacht." Außerdem gebe es kaum Vorstellungen über die Kosten: "Als Honorar bekomme ich bei erfolgreicher Vermittlung im Ingineurbereich drei Monatsgehälter Provision. Das ist Standard in Deutschland." Hoffman spricht von 20 bis 30 Prozent des Einkommens. Dabei kann das Honorar unter Umständen recht sauer verdient sein: "Bevor ich einen geeigneten Mitarbeiter gefunden habe, muss ich 50 bis 60 Kandidaten ansprechen. Da kommen schnell 150 Anrufe zusammen. Hinzu kommt noch der Aufwand für die Einzelgespräche", sagt Meier. Dennoch ist das Headhunting in Deutschland auf dem Vormarsch.Nach einer Studie des BDU gab es 2006 rund 58 000 Suchaufträge an Kopfjäger nach 50 000 im Vorjahr. Für dieses Jahr geht man von deutlich mehr als 60 000 Suchaufträgen aus, was nicht zuletzt an der guten Konjunktur liegt.Bleibt die Frage, wie denn die Headhunter an die geeigneten Bewerber kommen? Theresa Hoffmann gewährt einen Blick ins Headhunting im Bankbereich: "Es gibt ganz offizielle Listen der Top-Banken. Da stehen außer den Bilanzzahlen auch die Namen der Abteilungsdirektoren mit Durchwahl dabei. Dann kenne ich die Ansprechpartner und ihren Arbeits-Schwerpunkt." Eine andere Möglichkeit: "Ich besuche spezielle Weiterbildungs-Seminare der Bankbranche. Da lerne ich persönlich was dazu und kann die Branche besser verstehen." Und ganz nebenbei lernt sie beim abendlichen Kneipenbesuch die Teilnehmer näher kennen. In der Frage, welche Fähigkeiten ein Kandidat haben soll, sind sich beide einig: Er sollte mindestens eine Fremdsprache beherrschen, flexibel sein, langjährige Berufserfahrung haben oder studiert haben. Wer dann noch in der Bankbranche, im Maschinenbau, der Elektroindustrie oder der Chemiebranche arbeitet und gut ausgebildet ist, dem winken paradiesische Zeiten: "Der luxemburgische Markt sucht da händeringend Leute", sagt Meier. Wer allerdings nicht auf den Anruf eines Kopfjägers warten will, kann sich bei ihm auch initiativ bewerben und kommt so mit etwas Glück an seinen Traumjob.