Auge in Auge mit "Bambi"

TRIER. Autofahren im Winter bei Eis und Schnee ist vielen Verkehrsteilnehmern ein Gräuel. Doch auch der Herbst hat seine Tücken. Und die können erstens ziemlich schmerzhaft und zweitens richtig teuer werden, wenn man sich falsch verhält und die Versicherungslage nicht kennt.

"Hätten Sie jetzt noch bremsen können?" - Das Schild vom geblendeten unschuldigen "Bambi", das plötzlich vor der Motorhaube auftaucht, gehört mittlerweile zum Standard-Repertoire des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) an den Landstraßen und Autobahnen. Doch Gefahr entsteht in solchen Situationen nicht nur für, sondern auch durch Tiere. Vor allem im Herbst, wenn der Wildwechsel ansteht. Denn dann steigt das Risiko eines Zusammenpralls mit Reh, Hirsch oder Wildschwein ganz erheblich. So sind bei Wildunfällen im vergangenen Jahr in Deutschland fast 2300 Autofahrer verletzt worden, zwölf Menschen starben dabei. Also heißt es: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wann aber muss man die Augen besonders offen halten? Meist sind die Tiere in der Dämmerung morgens zwischen fünf und acht Uhr oder abends zwischen 17 und 22 Uhr unterwegs. Insbesondere in Waldgebieten oder auch in der Nähe freier Felder droht Gefahr. Selten kommt ein Tier alleine, oft treten Rot- oder Schwarzwild in Rudeln auf. Mit Hupen oder Abblenden ist es meist nicht getan, um das Viehzeug zu verscheuchen. Wessen Auto jetzt den bekannten Aufkleber "Ich bremse auch für Tiere" ziert, der kommt vermutlich in Gewissenskonflikte. Zwar haben Experten ermittelt, dass selbst bei einem Aufprall auf ein 20 Kilogramm leichtes Reh mit 50 km/h Geschwindigkeit bereits ein Aufprallgewicht von knapp einer halben Tonne entwickelt wird, doch kann ein Ausweichmanöver, das auf der Fronthaube eines entgegen kommenden Autos oder an einem dicken Baumstamm endet, noch verheerendere Folgen haben. Zudem tritt auch ein versicherungsrechtliches Problem auf, denn Ausweichmanöver sind in der Teilkaskoversicherung nicht generell versichert. Nach Angaben der Deutschen Versicherer (GDV) zahlt die Versicherung nur dann, wenn die Kollision mit dem Tier zu einer ebenso starken Beschädigung des Fahrzeugs geführt hätte. Das allerdings ist in der Regel nur bei einem kapitalen Hirsch oder einer massigen Wildsau der Fall. Daher gilt die Faustregel: Kleineren Tieren wie Fuchs oder Hase sollte man prinzipiell nicht ausweichen. Auch bei größeren Tieren sollte man nur dann versuchen, den Zusammenprall zu vermeiden, wenn ein folgenschwerer Unfall und/oder die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen werden können. Außerdem kommt es in der Teilkasko bei einem Zusammenstoß auch darauf an, um welches Tier es sich handelt: Versichert sind in der Regel nur Kollisionen mit Haarwild wie etwa Rehen, Hirschen oder Wildschweinen. Wer allerdings Vollkasko-Schutz genießt, der braucht sich darüber nicht zu grämen, denn in diesem Fall sind jegliche Unfälle sowie daraus resultierende mögliche Schäden bei einem Ausweichmanöver versichert. Wenn es zu einem Unfall gekommen ist, muss jedoch in jedem Fall die Polizei verständigt werden, die dann den zuständigen Förster informiert. Verletzte oder tote Tiere dürfen nicht mit dem Auto transportiert werden. In diesem Fall stellen die Polizei-Beamten eine Wildbescheinigung aus, die Betroffene für die eigene Versicherung benötigen. Auch wenn das Tier geflüchtet ist, kann die Polizei anhand von Spuren den Wildunfall bezeugen und bescheinigen.