Benimm Dich

Wenn Sie als Mann in einer privaten Situation eine Frau begleiten, die nicht wesentlich jünger ist, dann gelten zwei Höflichkeitsregeln: Frauen haben Vortritt und sie haben die Ehre, an der rechten Seite des Mannes gehen zu dürfen - mit Ausnahmen natürlich. Seit jeher und überall auf der Welt wird die rechte Hand eines Menschen als die stärkere Hand angesehen - denn die allermeisten Menschen sind Rechtshänder.

Der Ritter trug sein Schwert links, so dass er es mit der rechten, stärkeren Hand schnell ziehen konnte; ebenso zog der Cowboy seinen Colt im Allgemeinen mit der Rechten. Aus demselben Grund führt ein Tänzer die Tänzerin an seiner rechten Seite. Daher bildete sich allgemein die Assoziation: Die Person, die an jemandes rechter Seite geht, steht oder sitzt, ist die zu schützende, die höherrangige, die zu ehrende Person. Im Privatleben geht die Frau rechts vom Mann; im Beruf wird der Kunde unabhängig von Alter und Geschlecht rechts von der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter durchs Unternehmen geführt, und der Ehrengast sitzt rechts vom Gastgeber. Doch auch diese Regel gestattet Ausnahmen: nämlich dann, wenn auf der rechten Seite Unwegsamkeiten, eine große Pfütze oder andere Missliebigkeiten lauern oder wenn es auf der linken Seite Interessanteres zu sehen gibt. Aus "Rechts ist stärker" wurde "Rechts ist wichtiger", womit auch die protokollarische Grundfrage jeder nationalen und internationalen Steh- und Sitzformation entstanden ist: "Wer wird die Ehre haben, an der rechten Seite der Gastgeber positioniert zu werden?" Manchmal ist der Gang, der Weg oder die Tür zu schmal, um nebeneinander zu gehen. Basierend auf dem Schützergedanken: "Wer vorgeht, ist wichtiger" geht aus dem Beispiel oben die Frau, der Kunde, der Ehrengast vor - wenn er den Weg kennt oder wenn er sich nicht verlaufen kann.Aus Salka Schwarz: "Renaissance der Höflichkeit. Fragen zur Etikette im 21. Jahrhundert". Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne