Benimm Dich

Falls Sie den Eindruck haben, dass es Ihrem Chef eigentlich gar nicht recht ist, wenn Sie ihm von sich aus die Hand zum Gruß reichen, haben Sie das richtig beobachtet. Es wird ihn sicherlich irritieren, aber er ist vermutlich ein höflicher Mensch.

Das beweist er, indem er den von Ihnen angebotenen Handschlag annimmt und indem er Sie nicht darauf aufmerksam macht, dass Sie mit Ihrem vorschnellen Handeln einen Höflichkeitsfauxpas begehen. Unzweifelhaft kennt Ihr Chef die für den Gruß und die Begrüßung per Handschlag geltenden klassischen Regeln, die sich an dem Rang der beteiligten Personen orientieren. Vorweggenommen: Höfliche Menschen grüßen, sobald sie den anderen sehen. Traditionell gelten allerdings historisch gewachsene und kulturell überlieferte Rangfolgen, wonach die rangniedere Person die ranghöhere Person zuerst grüßt. Und die ranghöhere Person entscheidet dann darüber, ob sie der rangniederen Person zur Begrüßung auch die Hand reichen möchte. Da es sich um eine rein geschäftliche Situation handelt, bestimmt allein die berufliche Autorität und die Hierarchie im Unternehmen über die Rangfolgen. Da ist der Chef immer dem Mitarbeiter gegenüber höherstehend - unabhängig vom Alter und Geschlecht. Dementsprechend grüßt beispielsweise die ältere Mitarbeiterin - formal!! - den jüngeren Vorgesetzten zuerst, und dieser entscheidet dann, ob er ihr zur Begrüßung die Hand reicht. An den Handschlag gibt es noch weitere Qualitätsanforderungen: Ein gelungener Handschlag ist nicht zu fest und nicht zu locker; nicht zu lang und nicht zu kurz; nicht geschüttelt und erfolgt immer im Stehen, mit Blickkontakt und geschlossener Jacke, und er verlangt immer einen Moment Zeit - als nonverbales Angebot für ein wenigstens kurzes Gespräch. Aus Salka Schwarz: "Renaissance der Höflichkeit. Fragen zur Etikette im 21. Jahrhundert" Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne