Benimm Dich

Ein großes Abendessen ohne etwas davor ist für mich nur die halbe Freude, und für andere wiederum ist es nur halb so viel wert, wenn kein "Danach" angeboten wird. Und diejenigen, die beides für wichtig erachten, liegen auch nicht falsch.

Daher ist es umsichtigen Gastgebern nur zu empfehlen, an beides zu denken. Nutzen Sie den Aperitif als freundliche Willkommensgeste für Ihre Gäste! Der Aperitif ist als Eröffner (lateinisch aperire = öffnen) des Appetits empfehlenswert und wird demnach vor dem Essen getrunken. Er sollte weder süß noch hochprozentig sein, da das den Gaumen denaturiert, also die Geschmacksnerven abstumpfen lässt. Geeignet sind kohlensäurehaltige, trockene Getränke wie Rieslingsekt, Prosecco, Champagner, trockener Weißwein, gekühlter trockener Sherry oder ein dezenter Cocktail. Der Aperitif wird im kleinen Kreis üblicherweise am Tisch gereicht. Er soll ausgetrunken sein oder nicht mehr weitergetrunken werden, sobald der erste Wein eingeschenkt und das dazugehörige Essen serviert wurde. Bei größeren Essenseinladungen wird vor dem Beginn der Veranstaltung ein Empfang gegeben. Dabei trinken die Gäste den Aperitif stehend in einem separaten Raum, im Freien auf der Terrasse oder in der Lobby des Hauses. Danach darf das Glas keinesfalls mit zum Esstisch genommen werden, egal, ob es leer oder noch halbvoll ist. Nach dem Essen oder nach dem Kaffee sollten Sie Ihren Gästen einen Digestif anbieten. Franzosen sprachen davon, dass das hilfreiche - ursprünglich medizinische - Mittel nach der Völlerei der digestion (lateinisch digestio = Verteilung) auf die Sprünge hilft, weshalb es später den Namen Digestif (Innenverteiler) erhielt. Das kann, als hilfreicher Klassiker, ein Kräuterlikör sein oder auch Cognac, Brandy, Armagnac, schottischer Whisky Single Malt oder ein milderer irischer Whiskey, Grappa oder Tresterbrände, diverse Obstbrände, Aquavit, Korn und Wodka. Aus Salka Schwarz: "Renaissance der Höflichkeit. Fragen zur Etikette im 21. Jahrhundert". Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne