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Betrüger geben sich als Anwälte aus

Betrüger geben sich als Anwälte aus

Trickbetrüger werden immer dreister und kaltblütiger. Dies ist die Bilanz der Verbraucherberatung Trier für das vergangene Jahr. Dabei schrecken die Kriminellen auch nicht davor zurück, im Namen von Behörden und Institutionen an Geld von den Bürgern zu kommen.

Als die mahnenden E-Mails im Namen der "Rechtsanwalt Mandantschaft" und der "Staatsanwaltschaft" auf dem Bildschirm erscheinen, sind die Verbraucher zunächst verunsichert. Anliegen und Mahnbescheide von scheinbar seriösen Absendern wie Anwälten, Behörden oder anderen Institutionen nimmt man schließlich normalerweise ernst. Doch dass es dabei um eigene, säumige Zahlungen gehen soll, beunruhigt doch viele. "Zumindest sind die Verbraucher stark unter Druck, die Mails und ihre Anhänge zu öffnen, um Klarheit bekommen zu wollen", sagt Gudrun Hansen. Die Expertin für Telekommunikationsfragen bei der Verbraucherberatung Trier weiß, wovon sie spricht. Denn täglich rufen besorgte Verbraucher bei ihr an, berichtet sie zur Bilanz der Verbraucherschützer zum vergangenen Jahr.
Dabei handelt es sich bei den Absendern der E-Mails um Trickbetrüger. Die Kriminellen haben dabei keine Skrupel, im Namen von angeblichen Anwälten zur Kasse zu bitten und mehrere hundert Euro gegen Einstellung eines angeblichen Inkasso-Falles einzufordern. Dabei wird den Verbrauchern unterstellt, Bestellungen aus Online-Shops oder von Versandhäusern nicht beglichen zu haben. Und in den als Rechnung getarnten Anhängen der E-Mails stecken Trojaner, schädliche Programme, die Computer ausspähen und Daten weitergeben können. Jüngst hat auch das Trierer Polizeipräsidium vor solchen E-Mails mit gefährlichen Zip-Anhängen gewarnt (der TV berichtete). Denn laut Polizei sind die Absender der Mails in der Regel nicht zu ermitteln, da sie von bereits infizierten Rechnern versandt worden sind. "Unser Tipp: Mail von unbekannten Absendern erst gar nicht öffnen, schon gar keine Anhänge im Zip-Format lesen", sagt Gudrun Hansen. Falls dies doch geschehen sein sollte, rät sie, ein neues Virenprogramm auf dem Rechner zu installieren oder einen Computerspezialisten zu kontaktieren.
Dass Betrüger verstärkt versuchen, Seriosität bei den Verbrauchern zu wecken, machen die Verbraucherschützer in Trier als den Trend im vergangenen Jahr aus. Ob Fallen im Telekommunikationsmarkt, Ärger mit unseriösen Angeboten sowie bei Problemen mit Finanzprodukten und Energieversorgern: Bei den rund 9300 Kontakten (siehe Extra) mit Verbrauchern stellen die Berater fest, dass sich "die Tricks geändert haben. Die Kriminellen werden tabuloser", sagt Rechtsexpertin Monika Hecken. "Es gibt keine Hemmungen, selbst im Namen von Behörden wie der Staatsanwaltschaft Geld bei den Verbrauchern abzuzocken", sagt sie. Umso wichtiger bleibe daher die Aufklärung und Beratung. Auch wenn ältere Menschen inzwischen skeptischer und selbstbewusster geworden seien. "Noch gehen vor allem Senioren den Kriminellen auf den Leim. Die Vorgehensweise des Betrugs ändert sich ständig."
Und so berichten die Verbraucherschützer erneut von einem Fall, bei dem ein Mann einem Betrüger mehr als 40 000 Euro überwiesen hat, um einen angeblichen Autogewinn aus der Türkei nach Deutschland überführen zu lassen - vom Geld, dem Auto und dem Betrüger fehlt bislang jede Spur. "Bei uns in der Beratung landet meist nur die Spitze des Eisberges", sagt Beraterin und Versicherungsexpertin Renate Schröder.
Wenn bereits Geld überweisen wurde, könne die Verbraucherberatung Trier nicht mehr weiterhelfen. Deshalb sei die Sensibilisierung umso wichtiger. "Lieber eine Beratung mehr als leichtfertig Geld für windige Geschäfte zu zahlen."Extra

9300 Mal haben Verbraucher aus der Region Trier die Verbraucherzentrale in Trier im vergangenen Jahr kontaktiert - per Telefon, mittels Einzelberatung oder mit der Teilnahme an Info-Veranstaltungen zu bestimmten Themen. Dies waren etwa 200 Kontakte weniger als 2011. Im Jubiläumsjahr 2012 - die Trierer Beratungsstelle ist 50 Jahre geworden - gab es rund 4450 komplexe und zeitintensive Einzelberatungen und Reklamationen. Dies betrifft vor allem die Bereiche Telekommunikation, Bauen und Energie, Haushalt, Versicherungen, untergeschobene Gewinnspielverträge, Datenmissbrauch und Kaufverträge. Weitere 3700 Besucher haben Vorträge, Seminare, Aktionen oder Ausstellungen besucht, etwa zu Themen wie private Altersvorsorge oder Ernährung. Hinzu kommen 700 Nutzer der Verbraucherinfothek sowie 300 Energieberatungen zu Wärmeschutz, Haustechnik und regenerativen Energien. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit sind auch kostenlose Vorträge in Seniorentreffs, bei Seniorennachmittagen und für Seniorengruppen. Dabei geht es um Tipps zu fragwürdigen Gewinnankündigungen oder Mahnungen von unbekannten Inkassobüros. Im vergagenn Jahr hat Rechtsexpertin Monika Hecken 57 Seniorentreffs und Gruppen mit rund 1200 Teilnehmern besucht. sas