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Computern ist eine Kulturtechnik

Computern ist eine Kulturtechnik

Viele Senioren trauen sich nicht an Computer und Internet heran. Zu kompliziert erscheint ihnen die Benutzung, sie fürchten, etwas kaputt zu machen. Eine unbegründete Angst, wie drei Seniorinnen aus der Eifel unter Beweis stellen.

Bitburg. Marianne Neumann macht in Tupperware. Als die Firma mit den bunten Haushaltshelfern ihren Vertrieb ins Internet verlagerte, stand die 74-Jährige aus der Eifel vor der Entscheidung: aufhören oder noch einmal alles lernen. Marianne Neumann, die bis dahin mit Computern nichts am Hut hatte, entschied sich für den Neuanfang. Sie begann, sich mit Computern und Internet zu beschäftigen.
Internet als Erleichterung


Geholfen haben ihr dabei die Bitburger Silversurfer, ein Angebot des Bildungswerks vom Deutschen Roten Kreuz im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Bei den Silversurfern haben ältere Menschen eine Anlaufstelle, in der sie die "neumodischen Techniken" wie E-Mail, Internet und Computer von der Pike auf lernen können - zusammen mit Gleichaltrigen und mit Hilfe versierter Betreuer. Seit 2001 gibt es das Angebot.
Im Rentenalter noch mit Computern anfangen - das trauen sich allerdings viele nicht. Zwar nimmt die Zahl der Senioren zu, die sich Fähigkeiten für Computer und Internet aneignen; Untersuchungen des Statistischen Bundesamts aber zeigen, dass sich längst nicht alle älteren Menschen damit beschäftigen. Sind es bei den über 65-Jährigen noch etwa 60 Prozent, die einen Computer haben, sinkt diese Zahl bei den über 80-Jährigen auf gerade einmal 22 Prozent. Einen Internetanschluss haben nicht einmal 50 Prozent der über 65-Jährigen und gerade 14 Prozent der Menschen über 80.
Dabei kann gerade das Internet Senioren das Leben sehr erleichtern, findet Jürgen Beling, der die Silversurfer in Bitburg betreut. So sei es für Senioren, zumal wenn sie nicht mehr so mobil sind, viel einfacher, Bankgeschäfte und Einkäufe über das Internet abzuwickeln. "Die Bedienung eines Computers ist eine Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben", findet Beling außerdem. Sicher brauche es Zeit, bis ein älterer Mensch das erlernt habe, aber von Ausreden wie "Ich bin zu alt dafür" hält Beling wenig: "Unsere älteste Teilnehmerin ist 87", führt er ein Gegenbeispiel an und ergänzt: "Die wichtigste Erkenntnis für unsere Teilnehmer ist, dass man immer schlauer ist als der Computer."
Gleichwohl sieht Beling auch bei den Computerherstellern noch Defizite, die älteren Menschen das digitale Leben nicht gerade einfacher machen. "Bei Barrierefreiheit denken wir immer an blinde Menschen, aber für ältere Menschen sollte die Technik ebenso barrierefrei sein."
Er kritisiert, dass vor allem die Eingabemöglichkeiten oftmals zu kompliziert für die Senioren sind. "Ein großer Engpass sind zum Beispiel die Tastatur und die Maus." Deshalb steht die Einarbeitung in deren Benutzung auch immer an erster Stelle, wenn jemand neu ist bei den Silversurfern. "Angst davor", meint er jedenfalls, "ist nicht angebracht" und führt als Beispiel seine in Norddeutschland lebende 90-jährige Mutter an, mit der er regelmäßig über den Internet-Telefondienst Skype kommuniziert.
Beliebte Post aus USA


Auch Marianne Neumann ist froh, dass sie den Schritt gewagt hat, denn die Silversurfer haben ihr nicht nur dabei geholfen, im Tupper-Geschäft zu bleiben. "Erst habe ich mich gesträubt. Ich wusste ja noch nicht einmal, was eine Maus ist. Heute möchte ich es aber nicht mehr missen."
Das sieht ihre Silversurfer-Kollegin Susanne Kockelmann auch so. Die 72-Jährige ist seit etwa zehn Jahren dabei und nutzt das Internet vor allem, um mit Neffen, Nichten und Bekannten in Kontakt zu bleiben. "Die Neffen und Nichten schicken mir Fotos, wenn ein Kindlein zur Welt kommt", sagt sie.
Besonders freut sie sich aber, wenn sie Post von einem alten Bekannten bekommt, der bis vor 30 Jahren in Bitburg wohnte und jetzt in den USA lebt.
Mit von der Partie ist auch Therese Schoos (78). Sie nutzt den Computer gerne, um zum Beispiel Karten zu spielen, freut sich aber auch, dass sie das mit den E-Mails gelernt hat. Aber es geht noch weiter. Ihr nächstes Projekt: Bankgeschäfte über das Internet abwickeln.