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Dämmerschoppen mit Energieberater

Energieberater Bernhard Andre zeigt anhand einer Fensterleibung die Schwachpunkte bei einer Gebäudedämmung. TV-Foto: Sabine Schwadorf
Energieberater Bernhard Andre zeigt anhand einer Fensterleibung die Schwachpunkte bei einer Gebäudedämmung. TV-Foto: Sabine Schwadorf
Trier. Konkreter Rat am eigenen Haus: Für Hausherren eine große Hilfe, geht es doch bei Heizanlagen und Dämmung um Investitionen in fünfstelliger Summe. Wir haben bei einem sogenannten Dämmerschoppen der Verbraucherberatung über die Schulter geschaut. Sabine Schwadorf

Trier. Auch wenn es draußen schön warm ist und das Wetter so gar nicht nach Heizung anmutet, so wird auch der nächste Winter sicher kommen. Und Investitionen in Heizanlage und Dämmung wollen wohl überlegt und langfristig geplant sein. So ist Energieberater Bernhard Andre vor Ort beim Dämmerschoppen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz akribisch in der Bestandsaufnahme: Eine Trierer Bungalow-Siedlung aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, Flachdächer, Glasbausteine und alte Holzfenster aus der Bauzeit. "Die meisten Bauteile haben die vorgegebene Nutzungsdauer hinter sich", sagt der Experte der Beratungsstelle Trier. Und da der Eigentümer in die Sanierung seines Hauses investieren will, legt Andre auch sämtliche Schwachstellen des Gebäudes offen. "Hier sind bei der Ausführung eine Menge Details zu beachten", stellt er klar.
Stichwort Fenster: "Vor allem die Fenster sind - im Vergleich mit allen anderen Bauteilen im Gebäude - die Schwachstellen des Hauses", weiß Andre. Sie seien meist die ersten Teile, die saniert würden. Glasbausteine seien - energetisch betrachtet - komplett überholt. Aber auch bei neueren Fenstern sieht der Experte Unsicherheiten bei Handwerkern und Bauherren. Eine alte Verglasung dämme zweieinhalbmal schlechter als ein neues Zwei-Scheiben-Modell. Noch besser sei eine Dreifach-Verglasung. "Ein schlechteres Drei-Scheiben-Glas dämmt immer noch um ein Drittel besser als das beste Zwei-Scheiben-Glas", sagt Andre. Wobei der Mehrpreis für das Dreifach-Glas bei gut zehn Euro pro Quadratmeter Fenster liege. Energetische Baufehler der Vergangenheit sieht Andre bei Heizkörpern vor Glasscheiben, ungedämmten Rolladenkästen und Wärmebrücken, die nach einer Fenstersanierung durch Schimmelbildung erst offensichtlich würden.
Tipp: Fenster sollten nach innen luftdicht, von außen schlagregendicht, zwischen Rahmen und Mauerwerk schallgedämmt und wärmebrückenminimiert eingesetzt werden. Energieberater Bernhard Andre empfiehlt, sich dies im Angebot des Handwerkers auch bestätigen zu lassen und auf eine Montage nach dem Qualitätsmerkmal RAL zu achten.
Stichwort Heizsystem: Bei dem untersuchten Haus gibt es einen offenen Kamin. Wirkungsgrad lediglich 30 Prozent. "Oft wird bei einer Heizanlagen-Sanierung der Kamin nicht mit ins Konzept eingebracht", bedauert er. Denn dann könne man einen wassergeführten Kamin mit einer Gasbrennwerttherme oder Luft-Wärme-Pumpe koppeln und einen echten Mehrwert haben. "Die meisten Haushalte haben einen Kaminofen, der nicht nur überdimensioniert ist. Über die Temperaturregelung wird die eigentliche Heizanlage meist trotzdem eingeschaltet, so dass - absolut gesehen - der Energieverbrauch größer ist als vorher", sagt Bernhard Andre.
Tipp: Wenn möglich sollte die Heiztechnik an ein bereits gedämmtes Gebäude angepasst werden. "Denn je nach Standard kann das System sonst schnell überdimensioniert sein", sagt der Experte.
Stichwort Dämmung: Wenn Bernhard Andre das Thema Dämmung anspricht, meinen die meisten Verbraucher die Dämmung der Außenhülle. Doch je nach Baustoff könne das Gestein wie etwa Bims bereits eine "relativ gute Dämmeigenschaft" aufweisen, sagt der Energieberater. Folglich nennt er diese Reihenfolge der notwendigen Dämmung:
Oberste Geschossdecke
Kellerdecke
Beheizte von unbeheizten Bauteilen durch Dämmung trennen
"Das kostet einen Bruchteil einer kompletten Außendämmung", weiß Andre. Zumal Fenster, Kanten, Drainagen im Boden, Dacheinfassungen und die an den Nachbarn stoßende Außenwand oftmals Schwierigkeiten bereiten. "Ohne die Zustimmung des Nachbarn etwa geht gar nichts", sagt der Experte. Und: "Viele dieser Herausforderungen kosten richtig Geld."
Tipp: Wer mit Außenmaß sanieren will, braucht einen Modernisierungsfahrplan, der angibt, was alles optimiert werden soll und in welcher Reihenfolge. Wird nämlich eine Außendämmung in Erwägung gezogen, müssen Dach und Fenster nach außen gezogen werden, um Überstände und ausreichend Lichteinfall zu gewähren.
Fazit: Für das untersuchte Gebäude mit einer Wohnfläche von 220 Quadratmetern kommt Andre auf Sanierungskosten der Fassade, der Fenster des Daches und für eine Photovoltaik-Anlage in Höhe von rund 110 000 Euro. Abspecken geht immer. Allerdings ist für den Experten auch klar: "Energiewende ist mehr als nur den Energieträger von Atom, Kohle, Öl und Gas auf Wind und Sonne zu wechseln. Es ist vor allem eine Verbrauchsreduzierung. Dies muss man bei der Sanierung immer mit einrechnen."

Info: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Beratungsstelle Trier, Telefon 0651-48802, Mail: vb-tr@vz-rlp.de