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Damit die Baustelle keine Baustelle bleibt

Damit die Baustelle keine Baustelle bleibt

Durchschnittlich 20 Mängel treten im Verlauf eines Hausbaus auf, bei der Schlussabnahme werden etwa zehn weitere entdeckt. Das haben Untersuchungen ergeben. Damit Verbraucher und Handwerker ohne Gerichtsstreit eine Baustelle abschließen, gibt es einige Tipps.

Kaum ein Bau ohne einen Mangel. Dies ist unbefriedigend und zeitraubend für Bauherren, unerquicklich und unter Umständen finanziell belastend für Handwerker. Und was die Kompromissfindung für viele so schwierig macht, ist, dass es keine klaren Regeln der Konfliktlösung gibt."Es gibt keine Vorgabe, wie ein Konflikt geschlichtet wird", sagt Gerhard Hilsamer, unter anderem zuständig für das Gutachter- und Sachverständigenwesen bei der Handwerkskammer (HWK) Trier. So bemühe sich die Vermittlungsstelle der Kammer vor allem darum, dass Gespräche zwischen Bauherr und Handwerker "am Laufen bleiben" und diese Fälle nicht gleich vor Gericht landen. Denn Mängel am Bau könnten für Handwerker existenzbedrohend sein, wenn es zu langwierigen und teuren Auseinandersetzungen kommt.Familie & Volksfreund Bauen und Immobilien

Dabei sind Konflikte um Baumängel, die vor der Schlichtungsstelle und vor Gericht enden, laut Hilsamer eher die Ausnahme denn die Regel. "Diese sind dann aber auch angebracht und klare funktionale Mängel", sagt er und verweist darauf, dass es Mängel in allen Gewerken vom Fensterbauer über den Fliesenleger bis hin zum Innenausbau gebe. "Wir stellen häufig fest, dass Aufträge unzureichend ausgeführt wurden - ob aus Unwissenheit oder Sorglosigkeit", sagt Dieter Kontor, Trierer Architekt und Berater der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Daraus entsteht später ein Mangel." Beispiele aus Kontors Praxis: Die Luftdichtigkeit ist nicht ausreichend gewährleistet, etwa im Schrägdach, wenn eine luftdichte Folie nur mangelhaft eingebaut wurde oder der Verputz nicht bis aufs Rohdach aufgebracht wurde.Weitere Beispiele sind laut Kontor eine schlecht aufgebrachte Außendämmung oder eine unzureichend Kellerabdichtung. Kompliziert wird es seiner Erfahrung nach, wo ein Mangel nur schwer für den Bauherrn zu erkennen sei. "Wenn eine Heizung zu groß für ein Haus dimensioniert wurde, fällt das meist nur auf, wenn eine Wärmepumpe unverhältnismäßig viel mehr Strom verbraucht", sagt der Architekt. Was allerdings für einen Laien auch nur schwer abzuschätzen und zu vergleichen sei.Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte verschiedene Dinge beachten (siehe Extra). "Der Bau des Eigenheims beginnt mit der Unterschrift unter dem Bauvertrag", sagt der Rechtsexperte Stefan Bernhardt der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Folglich gelte es, gerade auf die Inhalte dort zu achten. Ob es um den Baubeginn geht, Ausführungsfristen für verschiedene Bauphasen - je mehr festgehalten ist, desto mehr hat der Bauherr in der Hand für den Fall, dass nicht alles auf Anhieb geklärt werden kann. Das gilt gerade für Termine und Verzögerungen. Aber auch die Wahl des Auftragnehmers kann über einen Erfolg am Bau entscheiden. "Dann wird die nächstbeste Firma angesprochen, statt sich Angebote am freien Markt einzuholen. Dort können Bauherren von den aktuell sehr großen Preisdifferenzen profitieren", sagt Gerhard Zach, Präsident des Verbands Deutscher Architekten. Doch auch hier gilt Vorsicht bei der Vertragsunterzeichnung. Denn die meisten Neubauten werden inzwischen von Bauträgern errichtet. Und was bedeutet "schlüsselfertig", was "bezugsfertig"? Während Ersteres aussagt, dass das Objekt nach "Drehen des Haustürschlüssels" unmittelbar in Benutzung genommen werden kann, gilt für Letzteres - laut Bundesfinanzhof -, dass Türen und Fenster eingebaut und Anschlüsse für Strom und Wasser vorhanden sein, Anstrich oder Bodenbelag aber nicht ausgeführt sein müssen. Dinge, die auch dem Bauherrn bekannt sein müssen. Sollte dennoch unsachgemäß gearbeitet oder Termine nicht eingehalten worden sein, so raten Hilsamer und Kontor: "Zunächst sollte man beim Vertragspartner, also Handwerker oder Bauträger, den Mangel reklamieren." Vieles könne auf diesem Weg bereits geregelt werden."Mein Traumhaus - kein Alptraum" heißt ein Seminar für Bauherren und Immobilienkäufer der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Trier am Freitag, 1. April, 14 Uhr. Hier geht es um die Auswahl des Bauunternehmers, den Bebauungsplan und Fördermittel. Anmeldung unter Telefon 0651-48802.Die Vermittlungsstelle der Handwerkskammer Trier und ihr Jurist Martin Klisch setzen sich ein für eine außergerichtliche Einigung bei Konflikten zwischen Auftraggebern und Handwerksbetrieben, sie sind zu erreichen unter Telefon 0651-207-110.Wer als Betrieb seine Haftungsrisiken verkleinern will, kann am Donnerstag, 14. April, ein Seminar zu "Baumängel und Gewährleistung beim EIC Trier, Telefon 0651-97567-19, buchen.Die bislang erschienenen Texte unserer Schwerpunktthemen "Familie und Volksfreund" zu Versicherungen sowie Bauen und Immobilien kann man auch im Internet nachlesen untervolksfreund.de/extraDort finden Sie auch alle Links der Verbraucherzentrale zum Herunterladen von Checklisten, Formblättern und Tipps. Extra

Wer beim Hausbau auf Nummer sicher gehen will, sollte diese Regeln besonders beachten: Bauherren sollten auf eine detaillierte Leistungs- und Baubeschreibung inklusive aller Materialien bestehen. Wer den Bau in verschiedene Teilabschnitte gliedert und diese gesondert per Vertrag festhält, kann schon bei der Zwischenabnahme auf Mängelbeseitigung bestehen. Wer verbindlich Termine zur Fertigstellung vereinbart, kann auch Strafen bei Nichterfüllung einfordern. Seinen Bau sollten Bauherren immer mit einem Zeugen abnehmen, am besten mit einem unabhängigen Fachmann. Festgestellte Mängel sollten die Bauherren protokollieren und per Foto festhalten und den Bauleiter oder Handwerker schriftlich darauf hinweisen. red