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Das ist zu tun, wenn Schüler ausgegrenzt und gemobbt werden

Das ist zu tun, wenn Schüler ausgegrenzt und gemobbt werden

Große Resonanz beim TV-Schultelefon: Wie kann eine Mutter ihre Tochter unterstützen, wenn sie ausgegrenzt wird? Wie können Eltern reagieren, wenn das eigene Kind andere mobbt?

Zwei Schulpsychologinnen beantworteten zwei Stunden lang diese und viele weitere Leserfragen. Hier eine Auswahl an Fragen und Antworten: Meine Tochter (7) wird in der Schule gehänselt, und egal was passiert, ihr wird es in die Schuhe geschoben. Sie findet das sehr ungerecht, und ich habe schon ein paarmal mit der Lehrerin gesprochen. Aber ich hatte das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Es hat sich für meine Tochter bislang nichts geändert. Wie soll ich mich verhalten?Dr. Kerstin Sperber, Leiterin des Beratungszentrums für Hochbegabung/CJD und schulpsychologische Beratung am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier: Führen Sie in den nächsten Wochen gemeinsam mit Ihrer Tochter ein Mobbing-Tagebuch! Notieren Sie in einem Büchlein, wo was passiert ist und wer was gesagt und gemacht hat! Und schreiben Sie auf, welche Konsequenzen sich daraus ergeben haben! Durch das Sammeln von Fakten kann die Situation besser analysiert und es können gezielter Schlüsse daraus gezogen werden, was verändert werden kann. Suchen Sie dann wieder das Gespräch mit der Klassenlehrerin! Nehmen Sie das Mobbingtagebuch mit! Sie können sich auch gerne jemanden zur Unterstützung mitnehmen. Das kann eine Schulpsychologin sein, ein Sozialarbeiter, jemand aus dem privaten Umfeld, dem Sie vertrauen und der sich in Gesprächsführung auskennt. Wichtig ist, im Gespräch möglichst ruhig und sachlich über die Situation zu sprechen und Schuldzuweisungen zu vermeiden. Überlegen Sie gemeinsam, wer was tun kann, damit das Kind sich wieder in der Klasse wohlfühlt und wie die Klassengemeinschaft gestärkt werden kann!Der Lehrer hat kürzlich angerufen und gesagt, mein Sohn würde einen Mitschüler mobben. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Was kann ich jetzt tun?Kerstin Sperber: Wichtig ist, dass das Thema dort aufgegriffen wird, wo es passiert, also in der Schule. Aber sie als Eltern können auch viel zur Verbesserung der Lage beitragen. Erstens: Versuchen Sie, das negative Verhalten einzugrenzen! Machen Sie ihrem Sohn klar, dass Sie ein solches Verhalten in Zukunft nicht dulden und mit der Schule konsequent zusammenarbeiten werden! Zweitens: Stärken Sie ihren Sohn! Dazu gehört, seine Sorgen und Ängste ernst zu nehmen, da das Mobbing auch ein Signal an das Umfeld sein kann, dass sich ihr Sohn nicht anders zu helfen weiß. Sprechen Sie viel mit ihm, geben Sie ihm Aufmerksamkeit und loben Sie seine Stärken! Gemeinsam Zeit zu verbringen und positive Erlebnisse zu teilen trägt dazu bei, eine positive und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen oder zu pflegen. Erfragen Sie, wer genau seine Freunde sind und was sie in der Freizeit gerne tun! Wichtig ist auch, dass es klare Regeln in der Familie gibt. Mitglied in einem Verein zu sein kann helfen, Gemeinschaft und Disziplin zu erfahren.Mein Sohn besucht die fünfte Klasse, weint oft, wenn er aus der Schule nach Hause kommt. Die Mitschüler halten sich die Nase zu und sagen, er stinke. Er will nicht mehr in die Schule gehen, seine Noten sinken, und morgens hat er Bauchweh. Er schämt sich sehr und möchte auch nicht, dass ich mich an die Schule wende. Was kann ich tun?Kerstin Sperber: Versuchen Sie selbst, viel mit ihrem Sohn zu sprechen! Machen Sie ihm deutlich, dass Sie sein Problem ernst nehmen und dass Sie ihm helfen möchten! Wenn es ihrem Kind schwerfällt, darüber zu reden, planen Sie das Gespräch in gemeinsame Aktionen ein, zum Beispiel beim Spaziergang mit dem Hund! Geben Sie ihm vielleicht ein Buch an die Hand, mit dem er sich kindgerecht mit der Thematik beschäftigen kann! Das Ziel ist, ihn so zu stärken, dass er sich traut, sich an die Schule zu wenden. Entscheidungen müssen mit dem Kind abgesprochen werden, und sprechen Sie nicht mit den Eltern der Täter oder direkt mit den Tätern! Das Problem kann nicht zu Hause gelöst werden. Die Schritte müssen in der Schule erfolgen.Meine Enkelin besucht ein Mädchengymnasium und wird ständig ausgegrenzt. Ich versuche, sie zu stärken und lege ihr immer wieder ans Herz, sich zu wehren. Mit der Klassenlehrerin stehen ihre Eltern auf Kriegsfuß, weil man wohl nicht mit ihr reden kann. Was raten Sie?Jenny Artz, Schulpsychologin am pädagogischen Landesinstitut in Trier: Wichtig ist, dass Sie und die Eltern das Mädchen ernst nehmen, ihm zuhören und es stärken. Es muss dort, wo die Ausgrenzung stattfindet, etwas getan werden, in diesem Fall in der Schule. Seien Sie vorsichtig mit dem Ratschlag "Wehr dich!"! Dies könnte das Gefühl, an der Situation schuld zu sein, bei Ihrer Enkelin noch stärken, da sie sich ja nicht wehren kann. Wichtig ist, dass sie jemanden in der Schule hat, dem sie vertrauen kann und der sie schützt. Das kann eine Vertrauenslehrerin oder ein Schulsozialarbeiter sein. Vielleicht können diese dann auch die Brücke zur Klassenlehrerin sein.Ich werde in der Schule ausgeschlossen, weil ich mich nicht so schminke wie die anderen. Meine einzige Freundin hält auch nicht mehr zu mir, sie hängt jetzt immer mit den anderen rum. Mir geht es sehr schlecht in der Klasse.Jenny Artz: Ganz wichtig ist, dass du dir Hilfe holst. Prima und mutig, dass du hier angerufen hast. Denn sich Hilfe zu holen ist kein Petzen. Dass du ausgegrenzt wirst, liegt nicht an dir. Mobbing kann jeden treffen. Überlege, ob es jemanden in der Schule gibt, mit dem du sprechen könntest - mit der Klassenlehrerin oder mit der Vertrauenslehrerin! Überlege auch mal, wo deine Stärken sind und schreibe es auf! katWeitere Hilfen im Internet auf schueler-mobbing.de und www.time4teen.deExtra

Für Kinder ab zehn Jahren: Michael Borlik, "Wehr dich doch, Ivo!", Thienemann Verlag; Für Kinder ab zwölf Jahren: Wolfgang Kindler, "Dich machen wir fertig", Verlag an der Ruhr; Für Eltern und Lehrer: Mustafa Jannan, "Das Anti-Mobbing-Buch", Beltz-Verlag. kat