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Das sollten Grenzgänger übers Luxemburger Arbeitsrecht wissen

Ich habe die Kündigung erhalten. Was soll ich tun? Kann ich in Luxemburg während der Krankheit gekündigt werden? Zahlreiche TV-Leser nutzten die Chance, mit Experten des Deutschen Anwaltvereins Luxemburg am TV-Telefon zu sprechen. Hier eine Auswahl an Fragen und Antworten.

Ich beziehe Rente aus Deutschland und Luxemburg. Ich habe nun gehört, dass man die Rente aus Luxemburg in Deutschland verbeitragen muss. Was bedeutet das?Stephan Wonnebauer, Kanzlei Wonnebauer, Trier und Wasserbillig: Ex-Grenzgänger müssen ihre Rente aus Luxemburg mit 10,2 Prozent verbeitragen, das heißt, 10,2 Prozent der Rente aus Luxemburg müssen sie an die deutsche Krankenkasse zahlen. Diese Regelung gilt seit dem 1. Juli 2011. Hintergrund ist, dass die Europäische Gemeinschaft es als ungerecht einstufte, wenn jemand etwa 500 Euro Rente aus Deutschland erhält und 2000 Euro Rente aus Luxemburg und nur einen Krankenversicherungsbeitrag gemessen an der deutschen Rente zahlt. Die Folge: Jetzt wird das gesamte Einkommen als Grundlage zur Verbeitragung genommen. Diese Regelung wird noch nicht konsequent und systematisch umgesetzt. Man muss sich freiwillig bei der Krankenkasse melden.Ich erhalte Zuschuss vom luxemburgischen Arbeitsamt. Läuft sie automatisch weiter, wenn ich den Arbeitgeber in Luxemburg wechsele?Rüdiger Sailer, Kanzlei Kaufhold und Reveillaud, Luxemburg: Wenn sie nahtlos weiterarbeiten, sollte der Zuschuss weiterlaufen. Wenn Sie in Deutschland leben und arbeitslos werden, dann könnte es schwieriger werden, denn dann ist das deutsche Arbeitsamt für Sie zuständig. Um ganz sicher zu gehen, sollten Sie bei dem Arbeitsamt in Luxemburg nachfragen.Wo müssen Grenzgänger Arbeitslosengeld beantragen? Wonnebauer: Bei ihrem Wohnsitz-Arbeitsamt. Die Höhe und Dauer richtet sich nach dem deutschen Gesetz.Ich habe die Kündigung erhalten. Was soll ich tun? Joram Moyal, Kanzlei MMS Advocats, Luxemburg: Der erste wichtige Schritt: Fordern sie die Kündigungsgründe schriftlich per Einschreiben an. Sie müssen die Kündigungsgründe innerhalb eines Monats anfordern, ansonsten gilt die Kündigung als akzeptiert und Sie können nichts mehr dagegen tun. Wenn ihr Arbeitgeber nicht innerhalb eines Monats nach Eingang des Einschreibens antwortet, dann ist die Kündigung so gut wie rechtswidrig und Sie können Schadenersatz von Ihrem Arbeitgeber verlangen.Ich bin 60 und arbeite seit sechs Jahren in Luxemburg. Was kann ich im Falle einer Kündigung erwarten?Sailer: Da Sie länger als fünf Jahre in Luxemburg gearbeitet haben, ist Ihnen eine Austrittsentschädigung in Höhe eines Bruttomonatsgehalts sicher. Zudem kann ein materieller Schadenersatz verlangt werden. Faktoren, die in die Berechnung miteinfließen, sind Alter, Betriebszugehörigkeit oder die benötigte Dauer zum Finden eines neuen Arbeitsplatzes.Kann ich in Luxemburg während der Krankheit gekündigt werden? Wonnebauer: Grundsätzlich nicht. Allerdings kann der Arbeitgeber nach 26 Wochen die Krankheit als Kündigungsgrund mit der Begründung, dass der Betriebsablauf gestört ist, anführen. Dass der Betriebsablauf gefährdet ist, muss natürlich nachgewiesen werden. kat