Daten-Klau: 60 Prozent der Verbraucher nutzen ein Passwort mehrmals.

Trier : Ein Risiko, von dem viele nichts wissen wollen

Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, kümmern sich viele Verbraucher erst um ihre eigene Datensicherheit. Dabei bietet sich der heutige Weltverbraucherschutztag dazu an, das eigene Verhalten zu überdenken.

Der Pin der Bankkarte oder des Handys, die Passwörter auf Privatrechner, Dienstcomputer und beim Online-Händler, Kreditkartennummer und Adresse: Die Deutschen sind im Passwort- und Daten-Stress. Kein Wunder, sind die meisten Internetnutzer bei bis zu 15 verschiedenen Webdiensten angemeldet. Dabei gaben bei einer Umfrage des Portals web.de 60 Prozent der Befragten an, dasselbe Passwort für mehrere Dienste zu nutzen, 30 Prozent wechseln es zudem nicht regelmäßig oder nie.

„Viele Verbraucher fragen sich, wer soll sich denn für meine Daten interessieren“, sagt Kirsten Thul-Kunsmann von der Beratung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Trier. Zwar sehen drei Viertel der Bundesbürger die Verantwortung für Datenschutz bei sich selbst, doch als beliebtestes Passwort im Internet wird seit Jahren „123456“ angegeben.

Die Folge solcher Allgemeinplätze: Im Jahr 2017 waren rund 23,4 Millionen Deutsche Opfer von Cyberkriminalität, wie eine Studie des Computerspezialisten für Sicherheit und Datenschutz, Norton, ergeben hat. Das war immerhin jeder Vierte. Die häufigsten Fälle: Viren, gestohlene Passwörter und Kreditkartenbetrug. „Oftmals merke ich gar nicht, dass ich gehackt wurde. Wenn es allerdings an den Geldbeutel der Verbraucher geht, dann ist der Ärger groß“, sagt die Verbraucherschützerin und spricht von einer Art „Reparaturservice“ durch die Verbraucherzentralen. Deshalb biete man am heutigen Weltverbrauchertag auch die Möglichkeit, Passwörter und Datenlecks zu prüfen (siehe Info).

„Die Zahl der Beschwerden aus dem Online-Handel nimmt zu, weil mehr im Internet gekauft wird und die Vernetzung zunimmt“, bestätigt Karin Basenach vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Luxemburg. So ist die Zahl der Beschwerden und Anfragen beim EVZ im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf knapp 5000 gestiegen. Tendenz weiter steigend. Doch die Verbraucher, aber auch viele Unternehmen, stellten sich darauf nicht ausreichend ein. So berichtet Basenach von falschen Waren-Lieferungen oder Irreführung bei Dating-Portalen. „Das Internet erleichtert es den Betrügern, ihr Unwesen zu treiben“, sagt sie.

Auf der anderen Seite sieht die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auch die Politik in der Pflicht: „Der gläserne Verbraucher hat für Politik und Wirtschaft den Vorteil, etwa wenn nur noch mit Karte bezahlt wird und ich online Verwaltungsdienste nutze“, sagt Thul-Kunsmann. „Die Politik ist aufgerufen, Regeln zu schaffen, die die Verbraucherinteressen nicht unterordnen“, sagt ihre Kollegin Ulrike von der Lühe vom Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Damit die Errungenschaften des Verbraucherschutzes nicht unter den Tisch fielen. Thul-Kunsmann bedauert: „So wird etwa die europäische Datenschutz-Grundverordnung GSGVO, die etwas Gutes für die Verbraucher gebracht hat, als ewiges Konstrukt der EU wahrgenommen.“

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