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Dekoratives Laub und delikate Früchte

Als Bogen gezogen, wie hier im Durchgangsbereich zum Christophorushaus in Bruttig-Fankel (Untermosel), sind Weinreben ein gliederndes Element, das wenig Platz braucht. TV-Foto: Kathrin Hofmeister
Als Bogen gezogen, wie hier im Durchgangsbereich zum Christophorushaus in Bruttig-Fankel (Untermosel), sind Weinreben ein gliederndes Element, das wenig Platz braucht. TV-Foto: Kathrin Hofmeister
Zur Nachlese im Oktobergarten gehört Pläneschmieden, zum Beispiel mit Weinstöcken, und Einwintern. Ein eigener Weinstock ist eine feine Sache. Von unserer Mitarbeiterin Kathrin Hofmeister

Trier. Als Begrünung verkleidet er Hauswände vom frischgrünen Austrieb bis zur leuchtenden Herbstfärbung, bedacht die Pergola mit dekorativem Laub, zieht als Spalier grüne Trennwände ein und liefert obendrein noch Trauben. Zu dem sonnenhungrigen Gewächs passen mediterrane Kübelpflanzen. Vor den ersten Frösten müssen sie ins Winterquartier.

Durch die Einführung neuer Hausreben ergeben sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten im Privatgarten. Weinbauingenieurin Marie-Theres Heß kennt sich mit den pilzwiderstandsfähigen Sorten aus: "Auf dem Markt finden Sie unter den weißen Sorten Phönix mit ausgeprägtem Muskataroma und die kernlose Lakemont, und als rote Varianten Regent und die etwas später reifende Muscat bleu", sagt die zertifizierte Wein-Erlebnis-Begleiterin und Garten-Gästeführerin von der Mosel.

Besondere Stimmung an historischen Gebäuden



Blaue Traubensorten bringen eine rote Herbstfärbung hervor. Das Laub weißer Sorten färbt sich gelb. Im Zusammenspiel mit historischen Gebäuden sehen Rebstöcke besonders stimmungsvoll aus.

Am Durchgang des Weinguts Hess-Becker zum Christophorushaus, dem ältesten weltlichen Gebäude in Bruttig-Fankel, hat die Winzerfamilie einen Weinstock als Bogen über die Gasse aus Kopfsteinpflaster gespannt.

"Reben brauchen nicht viel Platz", sagt die Winzerin. Es genüge einen Pflasterstein aus der Straße zu nehmen und die Rebe dort hinein zu pflanzen.

Dass Reben auch im modernen Garten zum dekorativen Gestaltungselement werden können, zeigen die am Drahtspalier gezogenen Trauben.

Wichtig ist ein windgeschützter Standort. Ideal sind nach Süden geneigte Plätze - allein schon wegen der Süße der Trauben. "Wenn möglich, wählt man einen Platz vor einer Mauer, die die Wärme noch bis in die Nacht hinein zurückstrahlen kann", rät Marie-Theres Heß. Im Container angebotene Reben kann man das ganze Jahr pflanzen, auch wenn die Hauptpflanzzeit der Winzer im Frühjahr liegt. Und so geht's: Pflanzloch 30 Zentimeter tief ausheben, abgelagerten Stallmist oder Komposterde und eine gute Portion Wasser einfüllen. Die Rebe so einsetzen, dass die Veredlungsstelle (Wulst am oberen Ende der Wurzelstange) noch aus dem Erdniveau ragt. Dann mit Erde auffüllen und rundherum festtreten.

Über Winter wird die Veredlungsstelle angehäufelt. Ohne Spalier oder Klettergerüst als Rankhilfe benötigt die Rebe einen Pflanzstab. Zu guter Letzt "können Sie um die Rebe Schiefersteine legen", rät die Moselanerin. "Das dunkle Gestein fängt die Sonnenenergie auf und gibt sie an die Reben ab" - ein Trick, der auch mediterrane Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Currykraut mit rauerem Klima versöhnt.

Eine Rebe bildet eine Pfahlwurzel aus, die sieben bis zehn Meter tief in die Erde hineinwächst. Man kann sich vorstellen, dass sich solch ein Tiefwurzler nicht für den Blumentopf eignet.

Schöne Kübelpflanzen zur Weinrebe an der Terrasse sind dagegen mediterrane Arten wie Schmucklilie (Agapanthus) und Oleander. Wie alle frostempfindlichen Kübelpflanzen müssen sie vor den ersten Frostnächten ins Haus geholt werden.

Zur Rückkehr aus der Sommerfrische ins Winterquartier gehört auch der Rückschnitt der Engelstrompeten (Datura). Zurückgeschnitten wird oberhalb der ersten Verzweigung mit asymmetrischen Blättern, im sogenannten Blühbereich. Schneidet man zu tief ab, also dort, wo sich nur gleich lange Blatthälften zeigen, beginnt die Blüte im Folgejahr deutlich später.

Sie haben eine Frage an unsere Gartenexpertin Kathrin Hofmeister? Schreiben Sie uns! Die für alle Hobbygärtner spannend sten Fragen werden im Volksfreund beantwortet. Mehr dazu unter www.volksfreund.de/gartenExtra Im Nutzgarten ist noch Erntezeit: Oktober ist der letzte Termin, Auberginen und Blumenkohl abzuernten. Kohlarten wie Winterwirsing, Grün- und Rosenkohl können dagegen über die kalte Jahreszeit stehenbleiben. Um die Ernte im Winter zu erleichtern, kann es hilfreich sein, sie jetzt mit einem Folientunnel zu überbauen. Chinakohl verträgt Frost bis acht Grad, sollte aber nicht in gefrorenem Zustand geerntet werden. Chicoreerüben werden ab Mitte des Monats etappenweise ausgegraben und zum Treiben dicht an dicht senkrecht in sandgefüllte Eimer gesetzt. Man stellt sie abgedunkelt in Räumen mit zehn bis 18 Grad Celsius auf und erntet die Sprösslinge ab Dezember. Der Herbst ist auch die Zeit, Rhabarber zu teilen und, mit abgelagertem Stallmist versorgt, fünf Zentimeter tiefer als zuvor einzupflanzen.