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Dem Garten im Mai steht Großes bevor: Blüten ohne Ende.

Garten : Freizeitspaß: Balkonkästen bepflanzen

TV-Garten im Mai: Corona zeigt sich auch auf Balkon und Terrasse. Wenn Reisebeschränkungen den Urlaub auf Balkonien immer wahrscheinlicher machen, verwandelt man eben den privaten Gartenraum in eine Blumeninsel.

In Gärtnereien und Gartencentern der Region ist Sommerflor in diesem Jahr noch begehrter als sonst. Wenn das so weitergehe, sagt eine Geschäftsführerin, die nicht namentlich genannt werden will, sei man noch vor den Eisheiligen – der eigentlichen Balkonblumen-Pflanzzeit Mitte Mai nach den letzten Spätfrösten – ausverkauft. Die Leute haben nicht nur mehr Zeit und Lust, die eigenen vier Freiluftwände blütenreich auszugestalten. Das Angebot ist auch verführerisch.

Gefragt sind hitzetolerante Balkonpflanzen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit extremen Sommertemperaturen, haben Züchter reagiert. Mit den Summerwings-Hängebegonien bieten sie sogar unter den sonst als Pflanzen für eher schattige Lagen bekannten Begonien eine sonnenverträglichere Reihe an. Aus Japan stammt eine neue Züchtungsrichtung von Impatiens. Die sogenannten Sunpatiens kommen auch in voller Sonne und bei großer Hitze zurecht.

Erste Wahl für sonnige Balkone und Terrassen bleiben Geranien. Die offiziell als Pelargonien laufenden Blütenwunder stammen ursprünglich aus Südafrika. Kein Wunder also, dass sie Sonne lieben. Einfach blühende Sorten vertragen grelles Licht noch besser als gefüllte. Eine Vorliebe für sonnige, aber nicht zu heiße, Standorte haben Blaue Gänseblümchen (Brachyscome). Die Heimat der Dauer­blüher mit den Margeritenblüten ist Australien. Für alle im Home Office strukturieren sie den Tag. Wie Blaue Kapaster nehmen sie abends eine Schlafhaltung ein. Hängen die Blütenblätter nach unten, sind sie nicht etwa verblüht, sondern zeigen an, dass es Zeit wird, Feierabend zu machen.

Das Feeling einer Cocktail-Bar holt man sich mit den frischen Sorbet-Tönen der immer beliebter werdenden Nemesien auf Balkon und Terrasse. Der auch als Venusspiegel bekannte Sommerflor ist raffiniert gezeichnet und vereint gleich mehrere Farben in einer Blüte. Schneidet man sie nach dem ersten Blütenschwung im Frühsommer bis auf das Blattgrün zurück, bringen sie wenige Wochen einen zweiten Flor.

Solche Pflegearbeiten gewinnen in Coronazeiten, da sich so mancher nach einer sinnvollen Tätigkeit sehnt, eine völlig neue Bedeutung. So gesehen, sind Sommerblumen die idealen Freizeitbegleiter. Nicht zuletzt kann man in der Gestaltung reizvoller Arrangements die eigene Kreativität ausleben.

Kontrastreiche Wirkung erzielt man mit Begleitflor wie Zauberschnee. Seine flirrend weißen Blüten bauen einen spannenden Gegensatz zum dichtbuschigen Farbmeer von Petunien oder Hängeverbenen auf. Einen beruhigenden Effekt erreicht man durch Blattschmuck. Den liefert beispielsweise das farbige Laub der Süßkartoffel (Ipomea). In praller Sonne bieten sich Silberlaubige wie Strukturpflanze Silberregen (Dichondra) oder Currykraut an.

Überhaupt findet man unter den Kräutern sehenswerte Begleiter. Thymian und buntblättrige Salbei sieht man mit Geranien oder der neueren Angelonia kombiniert. Mediterrane Kräuter brauchen es jedoch sehr viel magerer und mineralischer im Untergrund als die einjährigen Energiefresser. Unterscheiden sich die Bodenansprüche der Gewächse, pflanzt man besser in getrennte Pflanzgefäße. Gemeinsam arrangieren kann man die Gewächse trotzdem. Denn das Gute an der Topf- und Kastenkultur ist ihre Mobilität.

Das Hervorholen und in den Hintergrund schieben bietet sich vor allem an, wenn man Gemüse auf dem Balkon kultiviert. Tomaten sind erst attraktiv, wenn die Früchte reifen. Dekorative Minipaprika dagegen lassen sich gleich in einen Balkonkasten mit Sommerflor einbauen.

Auch Mix-Pflanzungen mit Stauden finden immer mehr Freunde. Bis auf wenige Ausnahmen wie der beliebte Storchschnabel Rozanne, blühen die mehrjährigen Pflanzen meist über einen kürzeren Zeitraum als Einjährige, wirken aber natürlicher. Eine verspielte Prachtkerze, deren zarte Schmetterlingsblüten sich bei jedem Luftzug im Wind wiegen, lockert die geballte Kraft des Sommerflors in Form und Farbe auf.

Unter den Stauden finden sich zudem die besten Bienen- und Insektennährpflanzen. Nektar- und Pollenspender sind in dieser Balkon- und Terrassensaison besonders gefragt. Da Sommerblumen ursprünglich aus wärmeren, teils tropischen Klimazonen stammen, sind ihre Blüten nicht auf die heimische Insektenwelt ausgelegt. Allerdings gibt es ein paar Ausnahmen. So ist beispielsweise der bereits intensiv nach Honig duftende Zweizahn (Bidens), dessen Blüten denen des Mädchenauges gleichen, eine begehrte Nahrungsquelle. Bienenfreundliche Pflanzen des Sommerblumen-Sortiments sind mittlerweile entsprechend gekennzeichnet. Neben dem Umwelt-Bonus ist in der Coronakrise mit dem Summen und Brummen richtig was los – zumindest auf Balkon und Terrasse.