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Der private Traumgarten ist echt ein Traum

Ein „Quell der Freude“ : In vielen kleinen Schritten zur „Quelle der Freude“

Viele Bäume, Sträucher und Blumen, Beete und Sitzecken – sogar ein Seerosenteich. Unser Autor hat sich seinen Traumgarten geschaffen.

Gertrude Jekyll, die englische Gartenkünstlerin, Autorin und Landschaftsarchitektin (1843-1923), hat einmal gesagt: „Die Liebe zum Garten ist ein Same, der, einmal gesät, nie wieder stirbt, sondern weiter und weiter wächst – eine bleibende und immer voller strömende Quelle der Freude.“

Dieser Same ging bei meiner Frau Gisela und bei mir schon in der Jugend auf. Unsere Eltern haben ihn gesät. In ihren Gärten sind wir aufgewachsen, mit Blumen, Stauden und Gehölzen, mit Obst und Gemüse aus eigener Ernte. Mit dem Bau eines Eigenheims war für uns klar: Da gehört unbedingt ein Garten dazu. Das spielte schon bei der Besichtigung möglicher Bauplätze eine entscheidende Rolle und führte letztendlich dazu, dass wir uns für den zumindest damals noch eher ländlich geprägten Neunkircher Stadtteil Hangard entschieden.

„Ein Menschheitstraum: Die Erde in einen blühenden Garten zu verwandeln. Wer Träume verwirklichen will, muss tiefer träumen und wacher sein als andere.“ Dieses Zitat stammt von dem deutschen Gärtner, Staudenzüchter und Garten-Schriftsteller Karl Foerster (1874-1970).

Als unser Haus stand, lag die besagte Erde vor uns. Hauptsächlich ein riesiger Haufen Aushub mit viel Lehm und Steinen. Daraus einen blühenden Garten zu machen – ja, das war damals schon so etwas wie ein Traum. Und erforderte einen wachen Geist. Meine Frau hat Gartenbücher gewälzt, sich über Pflanzen und Bäume informiert, über Bodenbeschaffenheit, Wachstum, Größe und Breite der Pflanzen und vieles mehr. Sie hat einen Plan gezeichnet – old school würde man heute sagen – mit dem Bleistift auf Millimeterpapier. Auf der einen Seite (Richtung Osten) eine sibirische Birke, ein Ahorn- und ein Lebkuchenbaum, davor Stauden, Rosen, eine Kiesfläche. Auf der anderen, ansteigenden Seite (nach Westen) ein terrassenartiger Gartenteil mit Sandstein-Trockenmauern und Beeten. Und Richtung Norden eine größere Sitzecke mit einem gemauerten Ofen und einer Pergola…

Dann hatten wir Glück. Konnten direkt anschließend an das ursprüngliche Baugrundstück eine Streuobstwiese und später noch einen weiteren Streifen Land erwerben. Haben unseren rund 2800 Quadratmeter großen Garten nach und nach weiter gestaltet und angelegt. In einigen größeren und vielen kleinen Schritten: Seerosenteich, Schwimmteich, Hecken, Wege, Beete. Haben neue Bäume und Gehölze gepflanzt, Sitzplätze und Durchgänge geschaffen. Das Ganze nach und nach ein wenig unterteilt, in verschiedene „Gartenzimmer“. So wie wir es zum Beispiel bei verschiedenen Reisen, auch speziellen Gartentouren in England oder Holland, gesehen haben.

„Die Pracht der Gärten aber hat stets die Liebe zur Natur zur Voraussetzung.“ Diesen Satz der französischen Schriftstellerin Madame de Staëel (1766-1817) haben wir von Anfang an beherzigt. Blumenwiese statt Rasen, Platz und Rückzugsräume für Tiere, Natur statt Chemie. Pflanzen, die sich hier wohlfühlen, dürfen sich aussähen, die Kiesfläche darf ruhig nach und nach zuwachsen. Unkraut? Naja.  „Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner“, hat der österreichische Schriftsteller Oskar Kokoschka (1866-1980) einmal gesagt. Wir sind eine nachsichtige Regierung, führen kein strenges Regiment in unserem Garten, respektieren die Natur. Eine Anhäufung mit abgestorbenem Holz, verdorrten Zweigen und abgeschnittenem Gras kann man ruhig liegen lassen, da freuen sich Mitbewohner wie Igel oder Eidechsen. Ein alter Obstbaum, der kaum noch Früchte trägt, muss nicht entfernt werden. Der macht sich ganz wunderbar als stützender Partner einer prächtigen Kletterrose. Da blüht der alte Kerl mächtig auf…

Über 30 Jahre alt ist er jetzt, unser dreiteiliger Garten am Hang. Ein Paradies? Ein Traumgarten? Große Worte.

Hermann Hesse hat einmal gesagt: „Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“ Für uns ist da was dran. Wenn wir nach der Arbeit nach Hause kommen, dann freuen wir uns auf unseren Garten. Nicht nur auf gesellige und genussreiche Stunden, auch darauf, unser Refugium zu hegen und zu pflegen. Nein, das macht nicht immer Freude. Da ist manchmal auch Plackerei dabei, zum Beispiel wenn wild wuchernde Gesellen wie Brombeerhecken alles andere zu verschlingen drohen. Doch wenn  wir es uns danach bei einem Gläschen Wein an einem der Teiche oder am Grill-Ofen gemütlich machen, sehen, wie sich allerlei Vögel, Frösche, Bienen, Hummeln,  Schmetterlinge und andere Tiere in unserem Garten tummeln, dann ist das schon ein bisschen so wie in einer Art Paradies.  Oder wenn Besucher kommen, zum Beispiel beim „Tag der offenen Gartentür“, dann macht es Spaß, Gleichgesinnte durch unser grünes Reich zu führen. Dann spüren wir sie, die „Quelle der Freude“, von der die bekannte Gertrude Jekyll, nach der auch die gleichnamige Rose benannt ist, gesprochen hat.