Der TV-Garten im November: Tipps von erfahrenen Gärtnerinnen aus der Region.

Garten : Den Boden bereiten

Der TV-Garten im November: Was Anfänger von erfahrenen Gärtnerinnen über den Umgang mit der Scholle lernen können.

Echtes Gärtnerwissen entsteht in der Praxis. Es hat viel mit Erfahrung zu tun. Der TV hat zwei Frauen mit grünem Daumen besucht, von denen man eine Menge lernen kann: Christine Tillmann aus Kinderbeuern (Kreis Bernkastel-Wittlich) ist 95, hat vor 27 Jahren auf Hochbeete umgestellt und schwört auf Steinmehl. Und Susanna Oehmen, Jahrgang 1935, hat ihren Garten in der Vulkaneifel in Berlingen ab 1958 nach und nach von der Schwiegermutter übernommen. Mittlerweile delegiert sie auch schon mal was an die Kinder: „Im letzten Jahr hat meine Mutter zwischen den Kartoffeln und Zwiebeln aber noch mit dem Krätzer gehackt“, erzählt Tochter Anita Adams.

Die Bügelzughacke ist ein praktisches Gerät zur Unkrautbeseitigung und Bodenlockerung. Das Schneideblatt des Werkzeugs am langen Stiel kappt die Wurzeln der unerwünschten Nutzpflanzenkonkurrenz, ohne tief ins Erdreich einzudringen. „Dann ist das Unkraut schon mal im Wachstum gestört, kann liegen bleiben und verdorren“, erklärt Susanna Oehmen. Sinnvoll ist der Unkrautgang sogar noch um diese Jahreszeit. Das gehackte Grünzeug bleibt als Mulchdecke liegen. Der Boden bleibt geschützt.

Wie viel Bearbeitung der Erde guttut, richtet sich nach der Bodenart. In einem schweren Boden ist die Frostgare erwünscht. Um eine krümelige Struktur aufzubauen, wird der Garten hier vor dem Winter umgegraben: „Als ich das noch selber konnte, habe ich Mitte Oktober mit dem Umgraben begonnen“, erzählt Susanna Oehmen. Jeden Tag kam ein Stück an die Reihe, von einem Zaunpfahl bis zum nächsten. „Allerhelije hatt esch de Jade red.“ Heute erledigt das der Sohn. Einen festen Allerheiligen-Termin, bis der „Garten fertig“ ist, gibt es nicht mehr. In Zeiten des Klimawandels scheint auch keine Eile mehr zu bestehen. Die Herbstperiode wird immer länger. Mit vielen Arbeiten wie Tulpenzwiebel setzen oder Gehölzpflanzungen kann man sich Zeit lassen. Richtig tiefe Wintertemperaturen setzen, wenn überhaupt, oft erst nach Neujahr ein.

Sich an Gegebenheiten anzupassen, gehört auch zum Erfahrungsschatz der Gärtnerinnen. Dazu muss man bisweilen experimentieren. „Du hast schon immer gerne Neues ausprobiert“, bestätigt Anita Adams ihrer Mutter. Broccoli, Zierkürbisse und Knollenfenchel kannte man im Hause Oehmen, als sie noch alles andere als gängig waren. Geblieben ist der immer gleiche Standort für die Stangenbohnen: „Sie werden mit der letzten Ernte bodennah abgeschnitten, damit die Knöllchen im Boden bleiben.“ Die Hülsenfrüchte besitzen die Fähigkeit, mit Hilfe von Bakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft im Boden zu binden und als Energielieferant zu nutzen. Gerade im Nutzgarten ist ein humoser Boden die Grundlage für gutes Gedeihen. Zudem bewirkt ein hoher Humusgehalt, dass Gemüse Schwermetalle im Boden nur in geringfügiger Menge aufnimmt. Im natürlich bewirtschafteten Garten ist das Gemüse deshalb gesünder. „Früher wurde der Garten alle zwei Jahre mit Mist gedüngt“, erinnert sich die 84-Jährige an die Zeit, als sie wie fast jeder im Dorf eine Landwirtschaft im Nebenerwerb hatte. Heute fehlt es oft schon am Mist. Alternativ kann man Kompost und Naturdünger einarbeiten. „Dazwischen wurde Kalk und Thomasmehl ausgebracht.“

Susanna Oehmen achtet in ihrem Garten in der Vulkaneifel auf Blütenpflanzen wie Sonnenhut, Fetthenne und Ringelblumen. Foto: Kathrin Hofmeister

Christine Tillmann setzt auf Gesteinsmehl (siehe Extra). Genau gesagt, schwört sie auf Eifelgold. Das Urgesteinsmehl ist aus Basalt feingemahlen. Die 95-Jährige stäubt ihre Rosen damit ein. Sie gibt einen halben Teelöffel davon in jedes Pflanzloch und streut es als Geruchsbinder in die Pflanzenbrühe. Wo Bohnen standen – „die besten Bodenvorbereiter“, wie auch die Moselanerin bestätigt – hat sie breitwürfig Feldsalat ausgesät und Gesteinsmehl darüber verteilt. Und auch bei Obstbäumen sollte man im Herbst Steinmehl einbringen, um die Qualität der Früchte zu steigern. „Das ist ein Allheilmittel“, findet die biologisch wirtschaftende Gärtnerin. Sie selber erfuhr in den 1980er Jahren von dem Pflanzenstärkungsmittel, und gibt ihre guten Erfahrungen damit gerne weiter.

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