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Der Winter kommt spät, aber mächtig

Der Winter kommt spät, aber mächtig

Im Herbst 2011 gingen die ersten Langfristtrends von einem kalten und schneereichen Winter aus. Grundlage waren Berechnungen, die erneut eine eisige Ostströmung sahen. Nun sind diese Strömungen da, freilich verspätet. TV-Wetterexperte Dominik Jung vom Wetterdienst wetter.net beantwortet Fragen zum Thema Winter.

Wiesbaden. Der Winter schien erst richtig mild werden zu wollen, doch dann wurde es schlagartig kalt. Ist das nun die bereits im Oktober 2011 angekündigte strenge Winterphase?
Wetterexperte Dominik Jung sah eisige Zeiten auf Deutschland und Europa zukommen und rechnete mit Tiefstwerten bis minus 25 Grad. "Doch zunächst waren die atlantischen Tiefs einfach stärker, und so bekamen wir es mit milder Luft, vielen Stürmen und reichlich Regen zu tun", sagt Jung.
Doch nun sei die berechnete Ostströmung mit leichter Verspätung eingetreten. Seit rund fünf Tagen strömt direkt aus Sibirien extrem kalte Luft nach Mitteleuropa. Solch einen extremen Kaltlufteinbruch habe Deutschland zuletzt im Jahr 1986 erlebt. Bereits die letzten drei Winter brachten in Deutschland ungewöhnlich kaltes Wetter, wenn man mit dem 30-jährigen Mittelwert (1961 bis 1990) vergleicht. Sie lagen alle drei unter dem Mittel. Dabei hieß es noch im Jahr 2000 seitens der Klimaexperten: "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben."
Auch in den kommenden Tagen liegen die Höchstwerte regional im zweistelligen negativen Bereich, schätzt der Experte.
"Die Kälte hat nahezu ganz Europa erfasst: Polen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, selbst an der Mittemeerküste stellt sich am kommenden Wochenende verbreitet Dauerfrost ein. Ausläufer der Kaltluft erreichen sogar den afrikanischen Kontinent und die Sahararegion. Selbst in Algier erwarten wir in den nächsten Tagen einen kräftigen Temperatursturz mit Schneeflocken. Das ist für die Region dort sehr ungewöhnlich", sagt Jung.
Besonders hart treffe es beispielsweise Italien. Dort sorgt ein Mittelmeertief nämlich zusätzlich noch für starke Schneefälle.
Ein Ende des Winters ist noch nicht in Sicht: "Die russische Kältewelle geht nach den aktuellsten Berechnungen in die Verlängerung. Wir erwarten auch in der kompletten nächsten Woche im ganzen Land eisige Zeiten. Das Thermometer verbleibt am Tag zwischen minus 2 und minus 7 Grad. Nachts muss man weiterhin mit Werten zwischen minus 10 und minus 20 Grad rechnen", warnt Dominik Jung.
Eine Ausräumung der gesamten Kälte vor Monatsmitte ist derzeit eher unwahrscheinlich. Damit werden Flüsse und Seen weiter zufrieren. Auch die Ostsee werde immer mehr Eis bekommen.
Wäre es mit einer flächendeckenden Schneedecke noch eisiger und ist Schnee überhaupt in Sicht? Jung: "Mit einer flächendeckenden Schneedecke würden die Temperaturen vor allem nachts noch weiter purzeln. Dann wären problemlos minus 25 bis minus 30 Grad möglich. Da ist es fast schon von Vorteil, dass nicht überall Schnee liegt."

Besonders der stramme Ostwind mache den Menschen zu schaffen. Der blase nämlich stellenweise mit 40 bis 60 Stundenkilometer und da fühlen sich die Tageswerte verbreitet wie minus 30 Grad an. Dieser werde auch in den kommenden Tagen andauern. Schnee sei in den kommenden Tagen aber durchaus auch ein Thema und zwar vor allem für die Ostseebewohner. Hier sorge der sogenannte Lake-Effect für Schneefälle: Die kalte Luft strömt über das warme Wasser, nimmt Feuchtigkeit auf und das führe in Küstennähe zu Schneefällen. Solche Wetterlagen können auf engstem Raum erhebliche Neuschneemengen bringen, da die Schneewolken immer wieder über die gleiche Stelle ziehen. Etwas Schnee sei aber auch in Rheinland-Pfalz zu erwarten.
red