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Die Basis für den eigenen Nutzgarten

Annette Fehrholz, Initiatorin der regionalen Saatgutbörsen, hat einen Teil der Saatgut-Bibliothek in den Nutz- und Kräutergarten der Tufa in Trier mitgebracht. Im Koffer lagern die lichtempfindlichen Samen in Schraubgläsern dunkel und sicher. TV-Fotos (2): Kathin Hofmeister
Annette Fehrholz, Initiatorin der regionalen Saatgutbörsen, hat einen Teil der Saatgut-Bibliothek in den Nutz- und Kräutergarten der Tufa in Trier mitgebracht. Im Koffer lagern die lichtempfindlichen Samen in Schraubgläsern dunkel und sicher. TV-Fotos (2): Kathin Hofmeister FOTO: Kathrin Hofmeister (kf) ("TV-Upload Hofmeister"
Samentütchen in der Hand zu halten, ist für viele fast so schön, wie die Ernte selbst. Aber welche Gemüsesorten sollen angebaut werden? Welche Kräuter will man aussäen? Immer häufiger entdecken Gartenfreunde regionale Saatgutbörsen und Samenfestivals als Inspirationsquelle. Kathrin Hofmeister

Immer mehr Hobbygärtner in der Region widmen sich neben dem eigentlichen Gärtnern auch der Saatgutherstellung. TV-Mitarbeiterin Kathrin Hofmeister hat mit der Initiatorin der Samenfeste in der Region Annette Fehrholz gesprochen. Auf den Samenfesten und Saatgutbörsen wird Saatgut angeboten, das in der Umgebung vermehrt wurde und selbst weiter vermehrt werden kann. Was bringt das dem Hobbygärtner?Neben einer Menge Spaß, die eigene Saatgutherstellung macht, halte ich es für lebensnotwendig, dass wir unsere Nutzpflanzen regional vermehren. Die Pflanzen vor Ort speichern ja bestimmte Informationen.Was sind das für Informationen?Pflanzen passen sich während ihrer Kulturzeit an die gegebenen Bedingungen an. Wenn ich vom Alftal nach Kröv an die Mosel fahre, finde ich ganz andere Verhältnisse vor, als wenn ich auf der anderen Seite über den Berg in die Vulkaneifel komme. Lokalsorten haben sich auf diese unterschiedlichen Klima- und Bodenverhältnisse eingestellt. Säe ich dagegen Saatgut aus, das irgendwo in Südeuropa produziert wurde oder von Pflanzen stammt, die im durchgehend warmen und beleuchteten Gewächshaus auf speziellen Substraten gezogen werden, statt draußen in der Erde, dazu zwangsernährt mit Kunstdünger und gespritzt mit Pestiziden, hat es ganz andere Informationen. Nachkommen solcher Pflanzen können sich nicht an den Klimawandel anpassen und sind dann irgendwann für den Anbau im Hausgarten nicht mehr geeignet. Jahrhunderte lang war die eigene Saatgutgewinnung Teil unserer ländlichen Kultur. Jeder hatte seine eigene Hausgartensorte.Sind Sie in unserer Region auf solche Haus- und Hofsorten gestoßen?Leider ist nicht mehr viel übrig. Aber die Bengeler Zuckererbse "Simon" ist so ein Fall. Wir haben sie Margret Simon zu verdanken. Seit 50 Jahren hegen und pflegen ihr Mann und sie die Hülsenfrucht in ihrem Garten in Bengel. Mich hat das total fasziniert. Frau Simon hat sie als junge Frau von ihrer Mutter mit dem Hinweis bekommen, das sei etwas Besonderes, da müsse sie gut drauf aufpassen. Die Familie hatte die Zuckererbse schon seit 1918 in St. Aldegund an der Mosel angebaut. Ich habe die Erbse von Margret Simon bekommen und dann in meinem Garten im Vergleichsanbau mit anderen Erbsensorten kultiviert. Wie vermutet, war die lokal angepasste Zuckererbe Simon besonders robust, wüchsig und ertragreich. Und besonders lecker schmeckt sie auch. Ein echter Kulturschatz.Wenn man noch keine Erfahrung mit Nutzpflanzen und der Saatgutgewinnung hat, womit sollte man einsteigen?Erbsen und Bohnen eignen sich sehr gut. Da hat man am Ende der Saison schon das Saatgut. Genauso bei Tomaten. Die sind für viele ein guter Einstieg. Aber auch bei Kräutern oder Pflanzen mit essbaren Blüten ist der Erfolgsfaktor groß. Vieles geht sogar auf dem Balkon. Ein Blumenkasten mit Buschbohnen oder eine Blumenampel mit kleinen Tomaten - einfach, um das mal auszuprobieren. Das ist ein echtes Erlebnis. Man sieht, wie sich das entwickelt, was man später auf dem Teller hat. Gerade bei Hülsenfrüchten und Tomaten findet man auf den Samenbörsen Sorten, die es nirgendwo zu kaufen gibt. Da kann man viel Neues entdecken.14. Februar 2016: Dritte Saatgutbörse "Samen-Fest" des Obst- und Gartenbauvereins Bengel e.V. mit regionalen Saatgutanbietern, Tauschtisch, Vorträgen und Informationen in der Turnhalle in Bengel/Mosel von 11 bis 17 Uhr28. Februar 2016: Zweite Saatgutbörse von Trier im Wandel (Transition e.V.) mit regionalem Saatgut zum Tauschen und Kaufen sowie Vorträgen in der Tufa in TrierExtra

Auf Initiative des Obst- und Gartenbauvereins Bengel ist eine regionale Saatgut-Bibliothek entstanden. In der Sammlung von mittlerweile 300 Sorten, kann Samen von Nutz- und Zierpflanzen zum Anbau im Garten von Mitgliedern, wie Bücher in einer Bibliothek, kostenlos ausgeliehen werden. Ein Teil der Samen, die sich dann an der Pflanze bilden, behält man für die Aussaat im nächsten Jahr. Den Rest gibt man wieder an die Saatgut-Bibliothek zurück. Es wird also nicht das ursprünglich ausgeliehene Saatgut zurückgebracht, sondern regional Vermehrtes und frisch Geerntetes. So bleibt Saatgut lebendig. An der regionalen Saatgut´ initiative beteiligen sich Schüler einer Ganztagsgrundschule, der Hetzerather Verein Projektwerktstatt Zukunft und die Initiative Trier im Wandel (Transition Trier). Es werden noch weitere Gärtner und Gärtnerinnen zur Saatgutvermehrung gesucht. Interessenten können sich bei Annette Fehrholz vom Obst- und Gartenbauverein Bengel melden. Alle Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.ogvbengel.blogspot.de" text="www.ogvbengel.blogspot.de" class="more"%> kf

So vielfältig sind Bohnensamen.
So vielfältig sind Bohnensamen. FOTO: Kathrin Hofmeister (kf) ("TV-Upload Hofmeister"