1. Nachrichten
  2. Mehrwert

Die Deutschen zieht es ans Meer

Die Deutschen zieht es ans Meer

Krisen und Katastrophen halten die Deutschen nicht vom Reisen ab: Auch in diesem Sommer werden fleißig die Koffer gepackt. Beliebt sind Ägypten, die Türkei, Deutschland und Kreuzfahrten.

Berlin. (dpa/tmn) Ausschreitungen in Athen, bürgerkriegsähnliche Zustände in Bangkok, Vulkanasche über Europa mit Zehntausenden von Flugausfällen und zuletzt der Ölteppich im Golf von Mexiko: Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben die Lust aufs Verreisen nicht gerade erhöht. Doch die Deutschen lassen sich von den vielen Krisen und Katastrophen offenbar nicht die Urlaubslaune verderben: Auch in diesem Sommer werden sie eifrig die Koffer packen.

"Die Lust am Urlaub ist ungebrochen", glaubt Hans-Gustav Koch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Noch verkaufen die Reisebüros und -veranstalter zwar nicht so gut wie vor Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008. Doch Reisebüros und Reiseveranstalter verzeichneten bisher ein Umsatzplus von vier Prozent für die Sommersaison. Das sei "ein bisschen mehr, als wir erwartet haben", sagt Koch.

Stark nachgefragt seien derzeit Ferien in Ägypten und der Türkei, zwei Länder mit vielen neuen Hotels und einem hohen Anteil an All-inclusive-Anlagen.

Auch Inlandsreisen - von Sylt bis zu den Alpen - sind weiterhin sehr gefragt. Gleiches gilt laut Koch für Kreuzfahrten, deren Passagierzahlen weiter in die Höhe gehen.

Und auch viele Fernreiseziele werden in diesem Sommer mehr Urlauber aus Deutschland zählen dürfen als sonst, erwartet der Tourismusforscher Martin Lohmann aus Kiel. Auf fernen Kontinenten sollte die Reisekasse allerdings gut gefüllt sein. Denn der Euro ist nicht mehr so viel wert wie noch im Sommer 2009. Seit dem Jahresende hat die Gemeinschaftswährung nach Angaben der Commerzbank im Verhältnis zum US-Dollar rund zehn Prozent an Wert verloren.

Besonders stark seien die Kaufkraftverluste für Deutsche in Australien und Südafrika, derzeit Gastgeberland der Fußball-WM. Auch die WM beeinflusst das Reiseverhalten: Viele Fans werden mit ihrem Urlaub warten, bis das Turnier vorbei ist. Dass es eine Last-Minute-Buchungswelle geben wird, erwarten die Experten ohnehin. Zugleich lasse sich aber feststellen, dass immer weiter im Voraus gebucht wird. Der Anteil der frühen Winterbuchungen habe sich "fast verdoppelt", so die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Zu den Verlierern des Reisesommers 2010 könnten Ziele gehören, die traditionell zu den Lieblingen der Deutschen gehören. So lägen zum Beispiel Mallorca und die anderen Balearen sowie die Kanaren bei den Buchungen bisher unter den Vorjahreswerten, sagt Koch - also Ziele mit verhältnismäßig geringem All-inclusive-Anteil unter den Hotels. Auch nach Griechenland zieht es bisher weniger Veranstaltergäste als vor Jahresfrist.